Wasel und Waseline (Teil 1)

Wusel 1

Illustration: Kristina Ruprecht

Wasel ist ein Wesel und wohnt im Wald bei der Wiese. Wasel ist ein ganz normaler Wesel. So wie man Wesel eben kennt.
Fast. Anders als die meisten Wesel hat Wasel violette Haare. Nur wenn er sich sehr aufregt, werden sie weselrot. Aber sie sind genauso struwwelig wie alle Weselhaare und Wasel ist stolz darauf, dass sie ihm nach allen Seiten vom Kopf abstehen, wie es sich für einen echten Wesel gehört.
Auch ansonsten ist Wasel ein typischer Wesel. Wer ihn aus der Ferne sieht, könnte denken, er habe drei schwarze Knöpfe im Gesicht. Erst aus der Nähe erkennt man darin zwei Augen und eine Nase, aus der zu beiden Seiten je drei Schnurrhaare wachsen.
Sein zierlicher Körper ist dagegen vollkommen unbehaart, weshalb Wasel eine Hose aus braunem Weißwurzelstoff, ein Hemd aus weißer Glanzspinnerseide und eine Weste aus schwarzem Nachtfaltergarn trägt.
Wasel ist noch ein junge Wesel von gerade einmal einem Jahr. Es wird also noch etwa ein weiteres Jahr dauern, bis er die Weselnormalgröße erreicht hat und einer Maus über den Rücken spucken kann. Natürlich hat er das nicht wirklich vor, aber unter Weseln, denen Größe sehr wichtig ist, heißt es nun mal: „Der kann ja noch nicht einmal einer Maus über den Rücken spucken.“

Wasel wohnt mit seinen Eltern in Weseln, dem Hauptort der Wesel, in dem mehr als dreißig weitere Wesel leben. Wenn er seinen Eltern nicht zur Hand gehen muss, streift er gerne durch Wald und Wiese, mal mit Freunden, mal allein.
So wie heute. Weit geht er allerdings nicht, denn die Sonne scheint so sehr, dass Wasel sich bald einen schattigen Platz unter einem Löwenzahnblatt sucht.

Wasel denkt an Waseline. Sie ist erst vor wenigen Tagen mit ihren Eltern nach Weseln gezogen und alle jungen Wesel wären gern mit ihr befreundet. Sie hat kräftiges rotes Weselhaar und wunderschöne schwarze Knopfaugen. Und sogar ihre Schnurrhaare schimmern in einem rötlichen Ton.
Auch Wasel wäre gern mit Waseline befreundet, doch sie ist leider drei Wochen älter als er.
„Du bist ja noch ein kleines Weselchen“, hat sie zu ihm gesagt und sich lieber mit Wisel befreundet, der sogar ein paar Tage älter ist als Waseline.
Seitdem ist Wasel traurig und als sein bester Freund Wusel ihn am Morgen fragte, ob er mit ihm zum Badesee käme, hat er nur den Kopf geschüttelt und gesagt: „Heute nicht. Heute will ich allein sein.“
„Was willst du denn machen?“
„Nachdenken.“

Und als Wasel nun so allein unter seinem Löwenzahnblatt sitzt und nachdenkt, hört er plötzlich lautes Geschrei.

Hier geht es zu Teil 2

Wusel 2

Illustration: Kristina Ruprecht

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8 Gedanken zu “Wasel und Waseline (Teil 1)

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  2. Wenn Wasel, der Wesel, wahnsinnig wird, weil wahrhaftes Wimmern vom Walde widerhallt, wird Waseline wankelmütig Wusel den Wanderweg wandeln lassen, bis wohlbekannte Windhunde wirbelnd und wonnehaft wühlend die Wiese weihen.

    🙂

    Sorry Schatz. Aber die vielen Wesel und Wasel machen mich ganz wuschig.
    *g*

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