Empörend

Schon vor dem Frühstück überfällt sie uns, die Empörung, lässt uns nicht mehr los bis zum Abend. Und dann, wenn wir sie abschütteln könnten und uns die Zeit nehmen, sie in Zweifel zu ziehen, sind wir zu müde.

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Mc Pom Fritz: So ein Müll!

Hoffentlich hat sie es nicht gesehn! Ja, ihr glaubt es nicht, ich hab Arielle wiedergesehn! Das verdanke ich nur meinem Fahrrad, ne. Ich kam heute zufällig genau zur richtigen Zeit vom Einkaufen nach Hause. Gerade als sie aus ihrem Auto stieg. Ein Golf, glaub ich. Rot, ne.

Und sie ist noch viel hübscher als Frau Hart! Wie eine richtige Prinzessin. Obwohl sie nur eine einfache, blaue Jeans und ein schwarzes Shirt trug. Und ihre Haare! Wie ein Meer aus geschmolzenen Kastanien. Wenn man das so sagen kann. Ne. Und ihre Lippen! Ich musste gleich an Erdbeeren denken.

Blöderweise hab ich  meinen Hauseingang total verpasst. Ich hab auch gar nicht mehr gucken können, wo ich hinfahr. Ein Stück weiter stehen die Müllcontainer, ne. Hoffentlich hat sie es nicht gesehn!

Ich bin gleich wieder aufgesprungen und einfach weitergefahren, ne. Bis zum Zigarettenautomat bei der Kneipe. Dabei rauch ich gar nicht. Am liebsten hätt ich mich dahinter versteckt. Aber ich wollte sie auch noch mal sehn. Und ich musste ja sowieso zurück zur 8, ne.

Da kam sie mir dann entgegen. „Hallo“, hat sie gesagt und mit dem Kopf genickt, sodass einige Strähnen das Grün ihrer Augen bedeckten. Wie elegant sie sie mit der kleinen Hand aus dem Gesicht gestrichen hat …

Ich hab ganz vergessen, sie auch zu grüßen. So was Blödes! Und dann hätte ich beinah noch den neuen Fernseher auf dem Anhänger vergessen. Schade, dass heute Abend nicht Arielle kommt. Den Film im Fernsehn mein ich jetzt, ne. Arielle heißt ja gar nicht wirklich Arielle. Schade, dass sie heute Abend nicht kommt …

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Des Abends im Gesträuch

Des Abends im Gesträuch

Des Abends im Gesträuch
da wachsen sie heran,
du hörst es am Geräusch,
ein Rascheln schleicht sich an.

Die Sicherheit der Augen
verliert sich wie das Licht,
die Blicke nicht mehr taugen,
erkennst die Wahrheit nicht.

Es gruseln Kreaturen,
erobern deinen Geist,
zwing sie in Strukturen,
damit du dich befreist!

Blutroter Himmel

Blutroter Himmel

Maria hetzte durch die Nacht. Längst hatte sie das Zentrum der Stadt verlassen. Doch sie musste weiter, konnte nicht umkehren. Hier drang das Licht der wenigen Straßenlaternen kaum bis zur brüchigen Decke des Gehsteigs vor, verfing sich in den nebligen Schwaden, die aus dem Boden krochen wie Schlangen aus dem Korb ihres Beschwörers.

Maria wusste, nur noch wenige Meter, bis die letzte Laterne das Ende des Gehsteigs ankündigte. Dort versanken die Absätze in feuchtem Matsch, den der geschmolzene Schnee zurückgelassen hatte. Kein Weiß mehr, das der Nacht wenigstens einen Schimmer des Dunkels berauben konnte.

Maria stockte in ihrem Schritt. Den Baum, der mit nackten Fingern nach der Unendlichkeit des Alls griff, schmückte eine einzelne Plastiktüte, die alles Licht der Laterne einzufangen suchte. Es war, als ob dieser einsame Vertreter der Vorhut des Waldes, den die Neustädter den Geisterwald nannten, ihr die weiße Fahne schwenkte.

Sie wandte den Blick ab und sah den Schatten auf sie zukommen. Sie ahnte, dass er es war. Er, von dem sie gehofft hatte, ihm nie wieder zu begegnen.

Noch einmal schaute sie zur weißen Fahne. Der Himmel färbte sich blutrot. Ein Schütteln begleitete den Griff ins Innenfutter ihres Mantels, wo das Messer darauf wartete, ihn zu treffen. Ihn, der der einzige Grund war, warum sie jeden Abend diesen Weg ging.

Blutroter Himmel
Maria hetzte durch die Nacht. Längst hatte sie das Zentrum der Stadt verlassen. Doch sie musste weiter, konnte nicht umkehren. Hier drang das Licht der wenigen Straßenlaternen kaum bis zur brüchigen Decke des Gehsteigs vor, verfing sich in den nebligen Schwaden, die aus dem Boden krochen wie Schlangen aus dem Korb ihres Beschwörers.
Maria wusste, nur noch wenige Meter, bis die letzte Laterne das Ende des Gehsteigs ankündigte. Dort versanken die Absätze in feuchtem Matsch, den der geschmolzene Schnee zurückgelassen hatte. Kein Weiß mehr, das der Nacht wenigstens einen Schimmer des Dunkels berauben konnte.
Maria stockte in ihrem Schritt. Den Baum, der mit nackten Fingern nach der Unendlichkeit des Alls griff, schmückte eine einzelne Plastiktüte, die alles Licht der Laterne einzufangen suchte. Es war, als ob dieser einsame Vertreter der Vorhut des Waldes, den die Neustädter den Geisterwald nannten, ihr die weiße Fahne schwenkte.
Sie wandte den Blick ab und sah den Schatten auf sie zukommen. Sie ahnte, dass er es war. Er, von dem sie gehofft hatte, ihm nie wieder zu begegnen.
Noch einmal schaute sie zur weißen Fahne. Der Himmel färbte sich blutrot. Ein Schütteln begleitete den Griff ins Innenfutter ihres Mantels, wo das Messer darauf wartete, ihn zu treffen. Ihn, der der einzige Grund war, warum sie jeden Abend diesen Weg ging.Blutroter Himmel

Maria hetzte durch die Nacht. Längst hatte sie das Zentrum der Stadt verlassen. Doch sie musste weiter, konnte nicht umkehren. Hier drang das Licht der wenigen Straßenlaternen kaum bis zur brüchigen Decke des Gehsteigs vor, verfing sich in den nebligen Schwaden, die aus dem Boden krochen wie Schlangen aus dem Korb ihres Beschwörers.

Maria wusste, nur noch wenige Meter, bis die letzte Laterne das Ende des Gehsteigs ankündigte. Dort versanken die Absätze in feuchtem Matsch, den der geschmolzene Schnee zurückgelassen hatte. Kein Weiß mehr, das der Nacht wenigstens einen Schimmer des Dunkels berauben konnte.

Maria stockte in ihrem Schritt. Den Baum, der mit nackten Fingern nach der Unendlichkeit des Alls griff, schmückte eine einzelne Plastiktüte, die alles Licht der Laterne einzufangen suchte. Es war, als ob dieser einsame Vertreter der Vorhut des Waldes, den die Neustädter den Geisterwald nannten, ihr die weiße Fahne schwenkte.

Sie wandte den Blick ab und sah den Schatten auf sie zukommen. Sie ahnte, dass er es war. Er, von dem sie gehofft hatte, ihm nie wieder zu begegnen.

Noch einmal schaute sie zur weißen Fahne. Der Himmel färbte sich blutrot. Ein Schütteln begleitete den Griff ins Innenfutter ihres Mantels, wo das Messer darauf wartete, ihn zu treffen. Ihn, der der einzige Grund war, warum sie jeden Abend diesen Weg ging.

Partnerlook

Foto: ID1974

Foto: ID1974

Die sorgsam bereitgelegten Klamotten konnten mir meine Vorfreude nicht nehmen. Ich war ein leidenschaftlicher, wenn auch durchschnittlicher Bowler, und Ilses Tradition des Partnerlooks zum Neujahrsbowlen entlockte mir bestenfalls noch ein leichtes Zähneknirschen.

Frisch geduscht wie ich war, zog ich mir zuerst Unterwäsche an, die ich aus dem Schrank holte, da sie glücklicherweise nicht dem Beziehungsexhibitionismus meiner Frau unterlag. Gleiches galt für die Socken.

Dann wandte ich mich der Hose zu. Eines dieser Dinger für Sie und Ihn in schwarz. Sie, Ilse, legte sie jedes Jahr zurecht, damit ich gar nicht erst auf die Idee kommen könnte, eine andere anzuziehen. Danach wartete noch das weiße Shirt mit der Aufschrift „Das Herz-Team“ auf mich, wobei das Herz natürlich durch ein rotes Herz symbolisiert wurde.

Als ich die Hose über die Beine zerrte, bekam ich eine erste Ahnung, dass die Weihnachtszeit nicht spurlos an mir vorbeigegangen war. Wieso war das verflixte Teil auf einmal so eng? Aber es sollte noch schlimmer kommen. Der Knopf, endlich in eine Höhe über dem Boden gebracht, die ein Zuknöpfen rechtfertigte, befand sich so weit von dem entsprechenden Knopfloch entfernt, dass man vermuten konnte, er gehöre zu einer anderen Hose.

Ich kratzte mich am Kopf, denn jeder Versuch, die beiden, Knopf und Knopfloch, einander näher zu bringen, erschien mir in etwa so sinnvoll wie die Hoffnung, aus der Bundeskanzlerin ein internationales Topmodel zu machen. Allein die Enttäuschung, die jedes andere Beinkleid Ilse am heutigen Abend bereiten würde, trieb mich dazu, es dennoch zu wagen.

Ich atmete einmal tief ein, um dann alle Luft aus meinem Körper entweichen zu lassen. Vorrangig über die Atemwege. Dann krallte ich meine Finger in der Hose fest und begann zu ziehen. Schweißperlen traten mir auf die Stirn. Meine Finger färbten sich erst rot, dann weiß. Als wollte ich mich noch mehr kasteien, richtete sich mein Blick auf den Spiegel des Kleiderschranks. Ich erkannte mich kaum wieder, denn ich entdeckte pulsierende Adern am Hals und auf den Schläfen, die ich noch nie gesehen hatte. Leider musste ich auch erkennen, dass man in dem Abstand zwischen Knopf und Knopfloch noch immer eine vierspurige Autobahn hätte bauen können. Ich ließ mich schwer atmend aufs Bett fallen.

Konnte es tatsächlich sein, dass ich über die Feiertage derartig zugenommen hatte? So sehr ich sie hasste, nun musste die Waage Aufschluss bringen. Aber sie gab mir nur ein weiteres Rätsel auf. Sicher, ich hatte ein bisschen zugelegt, aber obwohl ich das letzte Mal nicht direkt vor dem Fest auf dieses Wahrsagergerät gestiegen war, dürften es jetzt höchstens zwei, drei Kilo mehr sein. Die konnten doch eigentlich keinen Hosenkampf verursachen, der selbst mit der Kraft eines Tyrannosaurus nicht zu gewinnen war.

Ich war geneigt, aufzugeben. Doch da drohte ja noch Ilse! Nie war ich so froh gewesen, dass die Gute sich vor dem Bowlen immer mit Angelika traf, um Partysalate vorzubereiten.

Einen Versuch musste ich noch wagen. Mit offener Hose schleppte ich mich in die Garage. Die Hoffnung, mich nicht der ganzen Welt zu öffnen, zerbarst, als ich den Gruß von Herrn Blick erwiderte, der mir über die Straße zuwinkte. Endlich angekommen stellte ich mich vor dem Schraubstock auf.

Mir war selbst nicht klar, wie ich es anstellen sollte, daher dachte ich auch nicht weiter darüber nach und fummelte so lange herum, bis die Hose auf der Knopflochseite fest im Schraubstock verklemmt war. Wieder zog ich den Bauch ein und zerrte und zerrte und zerrte.

Schließlich war es geschafft. Der Knopf steckte im Knopfloch – wenn auch nicht vorauszusehen war, wie lange dieses halten würde. Und ich steckte noch immer in der Hose, wobei ich das Gefühl hatte, ich sei ein zu eng gebundener Strauß Blumen. Vermutlich leuchtete ich inzwischen auch ähnlich bunt im Gesicht.

In diesem Zustand war an Bowling gar nicht zu denken. Aber das Denken hatte ich ohnehin aufgegeben. Lediglich die Freude, über die Hose gesiegt zu haben, ließ mich die Schmerzen ertragen, und so krampfte ich mich wieder ins Schlafzimmer, um mir das Partnerlookshirt überzustreifen.

Als ich es in den Händen hielt, kam es mir vor, als habe ich dieses Shirt das letzte Mal im Kindergarten getragen. Was, verdammt noch …

Das Telefon klingelte. Viel zu hastig drehte ich mich um. Der Hosenknopf schoss mit solcher Wucht von dannen, dass er im Spiegelglas eine gut sichtbare Schramme hinterließ. Mit offener Hose, die dennoch weiter vom Rutschen entfernt war als Spikes mit einer Schicht Industriekleber, stürzte ich zum Apparat.

„Ach, hallo Schatz. Wie weit seid ihr denn?“ Es gestaltete sich nicht leicht, gleichzeitig das Hecheln zu unterdrücken und möglichst unschuldig zu klingen.
„Wir sind gleich so weit. Sag mal, hast du die Sachen schon angezogen?“
„Aber natürlich“, antwortete ich beinahe wahrheitsgemäß. Doch was nun kam, hatte ich ganz und gar nicht erwartet. Ilse lachte! Sie lachte so laut, dass ich zügigst Abstand zwischen mein Ohr und den Hörer brachte und darüber nachdachte, das Fenster zu schließen, damit sich die Nachbarn nicht gestört fühlten.
Sie konnte sich gar nicht beruhigen, schnappte zwischendurch nach Luft und hustete eine Erklärung, die offenbar an Angelika gerichtet war: „Er sagt, er hat sie angezogen.“
„Könntest du mir mal verraten, was daran so lustig ist!“ Was der Knopf nicht geschafft hatte, schien Ilse gelingen zu wollen. Ich stand kurz vorm Platzen!
„Weißt du, Schatz, ich rufe eigentlich an, weil ich dir gestehen muss, dass mir da ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Als ich mich eben umziehen wollte, habe ich festgestellt, dass ich statt meiner deine Sachen mitgenommen habe.“

Ich musste mich setzen. Mit einem kräftigen Knall riss die Hosennaht.