Blutroter Himmel

Blutroter Himmel

Maria hetzte durch die Nacht. Längst hatte sie das Zentrum der Stadt verlassen. Doch sie musste weiter, konnte nicht umkehren. Hier drang das Licht der wenigen Straßenlaternen kaum bis zur brüchigen Decke des Gehsteigs vor, verfing sich in den nebligen Schwaden, die aus dem Boden krochen wie Schlangen aus dem Korb ihres Beschwörers.

Maria wusste, nur noch wenige Meter, bis die letzte Laterne das Ende des Gehsteigs ankündigte. Dort versanken die Absätze in feuchtem Matsch, den der geschmolzene Schnee zurückgelassen hatte. Kein Weiß mehr, das der Nacht wenigstens einen Schimmer des Dunkels berauben konnte.

Maria stockte in ihrem Schritt. Den Baum, der mit nackten Fingern nach der Unendlichkeit des Alls griff, schmückte eine einzelne Plastiktüte, die alles Licht der Laterne einzufangen suchte. Es war, als ob dieser einsame Vertreter der Vorhut des Waldes, den die Neustädter den Geisterwald nannten, ihr die weiße Fahne schwenkte.

Sie wandte den Blick ab und sah den Schatten auf sie zukommen. Sie ahnte, dass er es war. Er, von dem sie gehofft hatte, ihm nie wieder zu begegnen.

Noch einmal schaute sie zur weißen Fahne. Der Himmel färbte sich blutrot. Ein Schütteln begleitete den Griff ins Innenfutter ihres Mantels, wo das Messer darauf wartete, ihn zu treffen. Ihn, der der einzige Grund war, warum sie jeden Abend diesen Weg ging.

Blutroter Himmel
Maria hetzte durch die Nacht. Längst hatte sie das Zentrum der Stadt verlassen. Doch sie musste weiter, konnte nicht umkehren. Hier drang das Licht der wenigen Straßenlaternen kaum bis zur brüchigen Decke des Gehsteigs vor, verfing sich in den nebligen Schwaden, die aus dem Boden krochen wie Schlangen aus dem Korb ihres Beschwörers.
Maria wusste, nur noch wenige Meter, bis die letzte Laterne das Ende des Gehsteigs ankündigte. Dort versanken die Absätze in feuchtem Matsch, den der geschmolzene Schnee zurückgelassen hatte. Kein Weiß mehr, das der Nacht wenigstens einen Schimmer des Dunkels berauben konnte.
Maria stockte in ihrem Schritt. Den Baum, der mit nackten Fingern nach der Unendlichkeit des Alls griff, schmückte eine einzelne Plastiktüte, die alles Licht der Laterne einzufangen suchte. Es war, als ob dieser einsame Vertreter der Vorhut des Waldes, den die Neustädter den Geisterwald nannten, ihr die weiße Fahne schwenkte.
Sie wandte den Blick ab und sah den Schatten auf sie zukommen. Sie ahnte, dass er es war. Er, von dem sie gehofft hatte, ihm nie wieder zu begegnen.
Noch einmal schaute sie zur weißen Fahne. Der Himmel färbte sich blutrot. Ein Schütteln begleitete den Griff ins Innenfutter ihres Mantels, wo das Messer darauf wartete, ihn zu treffen. Ihn, der der einzige Grund war, warum sie jeden Abend diesen Weg ging.Blutroter Himmel

Maria hetzte durch die Nacht. Längst hatte sie das Zentrum der Stadt verlassen. Doch sie musste weiter, konnte nicht umkehren. Hier drang das Licht der wenigen Straßenlaternen kaum bis zur brüchigen Decke des Gehsteigs vor, verfing sich in den nebligen Schwaden, die aus dem Boden krochen wie Schlangen aus dem Korb ihres Beschwörers.

Maria wusste, nur noch wenige Meter, bis die letzte Laterne das Ende des Gehsteigs ankündigte. Dort versanken die Absätze in feuchtem Matsch, den der geschmolzene Schnee zurückgelassen hatte. Kein Weiß mehr, das der Nacht wenigstens einen Schimmer des Dunkels berauben konnte.

Maria stockte in ihrem Schritt. Den Baum, der mit nackten Fingern nach der Unendlichkeit des Alls griff, schmückte eine einzelne Plastiktüte, die alles Licht der Laterne einzufangen suchte. Es war, als ob dieser einsame Vertreter der Vorhut des Waldes, den die Neustädter den Geisterwald nannten, ihr die weiße Fahne schwenkte.

Sie wandte den Blick ab und sah den Schatten auf sie zukommen. Sie ahnte, dass er es war. Er, von dem sie gehofft hatte, ihm nie wieder zu begegnen.

Noch einmal schaute sie zur weißen Fahne. Der Himmel färbte sich blutrot. Ein Schütteln begleitete den Griff ins Innenfutter ihres Mantels, wo das Messer darauf wartete, ihn zu treffen. Ihn, der der einzige Grund war, warum sie jeden Abend diesen Weg ging.

Blogroman: 28 – Leder

Tilo öffnete die Tür. Ganz langsam und vorsichtig, dennoch konnte er ein Knarren nicht vermeiden. Erstaunlich, dass es in dem Gebäude überhaupt noch Türen gab, die sich schließen ließen. Noch einmal atmete er tief ein. Dann schob er sich vorsichtig hinein.

Drinnen war es still. Still und dunkel. Nicht gerade stockduster, aber durch die kleinen Milchglasfenster bekam das Wort „Morgengrauen“ eine ganz eigene Bedeutung.

Noch könnte er umkehren. Doch er machte einen leisen Schritt vorwärts. Er lauschte. Nichts. Einen zweiten Schritt. Immer noch nichts. Der dritte Schritt war schon etwas beherzter. Beim vierten stolperte er über irgendetwas am Boden. Er konnte sich gerade noch fangen. Tilo kniete sich hin und tastete nach dem Hindernis. Etwas Großes in einem festen, kalten Stoff. Leder vielleicht. Eine Jacke.

Tilo sprang auf und schrie. Er wollte davonlaufen, doch dazu hätte er über den leblosen Körper springen müssen. War er wirklich leblos? Tilo holte tief Luft und wollte wieder schreien. Da hörte er den Wagen, der den Weg heraufkam.

Was bisher geschah

Tilo öffnete die Tür. Ganz langsam und vorsichtig, dennoch konnte er ein Knarren nicht vermeiden. Erstaunlich, dass es in dem Gebäude überhaupt noch Türen gab, die sich schließen ließen. Noch einmal atmete er tief ein. Dann schob er sich vorsichtig durch die Tür.
Drinnen war es still. Still und dunkel. Nicht gerade stockduster, aber durch die kleinen Milchglasfenster bekam das Wort „Morgengrauen“ eine ganz eigene Bedeutung.
Noch könnte er umkehren. Doch er machte einen leisen Schritt vorwärts. Er lauschte. Nichts. Einen zweiten Schritt. Immer noch nichts. Der dritte Schritt war schon etwas beherzter. Beim vierten stolperte er über irgendetwas am Boden. Er konnte sich noch fangen, kniete sich hin und tastete nach dem Hindernis. Etwas großes in einem festen, kalten Stoff. Leder vielleicht. Eine Jacke.
Tilo sprang auf und schrie. Er wollte davonlaufen, doch dazu hätte er über den leblosen Körper springen müssen. War er wirklich leblos? Tilo holte tief Luft und wollte wieder schreien. Da hörte er den Wagen, der den Weg heraufkam.Tilo öffnete die Tür. Ganz langsam und vorsichtig, dennoch konnte er ein Knarren nicht vermeiden. Erstaunlich, dass es in dem Gebäude überhaupt noch Türen gab, die sich schließen ließen. Noch einmal atmete er tief ein. Dann schob er sich vorsichtig durch die Tür.

Drinnen war es still. Still und dunkel. Nicht gerade stockduster, aber durch die kleinen Milchglasfenster bekam das Wort „Morgengrauen“ eine ganz eigene Bedeutung.

Noch könnte er umkehren. Doch er machte einen leisen Schritt vorwärts. Er lauschte. Nichts. Einen zweiten Schritt. Immer noch nichts. Der dritte Schritt war schon etwas beherzter. Beim vierten stolperte er über irgendetwas am Boden. Er konnte sich noch fangen, kniete sich hin und tastete nach dem Hindernis. Etwas großes in einem festen, kalten Stoff. Leder vielleicht. Eine Jacke.

Tilo sprang auf und schrie. Er wollte davonlaufen, doch dazu hätte er über den leblosen Körper springen müssen. War er wirklich leblos? Tilo holte tief Luft und wollte wieder schreien. Da hörte er den Wagen, der den Weg heraufkam.

Wasel und Waseline (Teil 2)

Wusel 3

Illustration: Kristina Ruprecht

Er richtet sich auf und lauscht genauer. Die Stimme kennt er doch. Und sie kommt genau auf ihn zu. Er muss nur warten.

Nach allerhöchstens zehn Weselsekunden kommt Wusel durch das hohe Gras gerannt. Er ist ganz außer Atem und als er Wasel erreicht, bleibt er stehen, stützt die Hände auf die Knie und schnappt erst einmal eine Weile nach Luft.

„Was ist denn los?“, fragt Wasel.
„Wasel… Wasel… Wasel…“, stottert Wusel und zeigt mit zitternden Fingern hinter sich.
„Ja, so heiße ich“, sagt Wasel verwundert. „Aber was ist denn nun?“
„Wasel… Wasel… Waseline! Am … am … am See!“
„Ach, Waseline meinst du“, sagt Wasel. „Aber nun beruhige dich doch erst einmal.“
Wusel atmet dreimal tief ein und aus. Es hört sich an wie ein kleiner Wind. Besser gesagt, wie drei kleine Winde. „Waseline ist in Gefahr! Am See. Der Frosch!“
Jetzt versteht Wasel. Ohne zu zögern macht er sich auf den Weg und läuft zum See. Wusel kann ihm kaum folgen, weil er schon so aus der Puste ist. Und weil Wasel wirklich schnell rennt. Wie ein kleiner Sturmwind fegt er durch die Wiese, vorbei am Haus der Frau Maus, am Bach entlang, quer durch das Dorf der kleinen Feen.

Als Wasel am See ankommt, ist von Wusel nichts mehr zu sehen. Dafür sieht er Wiesel, der in seiner Weselbadehose hinter einem Gebüsch steht und zittert. Und dann ist da noch Herr Frosch.

Herr Frosch hüpft aufgeregt vor dem Schilfgras hin und her, bleibt einen Moment sitzen, quakt laut und böse und hüpft wieder hin und her. Nur Waseline kann Wasel nicht entdecken. Hat sie Herr Frosch etwa gefressen?

Aber dann hört Wasel Waseline schimpfen. Noch lauter als der Frosch quakt. Wasel sucht und sucht, bis er sie endlich entdeckt. Waseline sitzt ganz oben auf einem Schilfhalm und schimpft auf den Frosch. Waseline ist leicht wie eine Feder, zumindest denkt sich Wasel das. Dennoch biegt sich der Schilfhalm unter ihrem Gewicht gefährlich dem Boden entgegen. Es ist eben nur ein dünner Schilfhalm.

Jetzt bleibt Herr Frosch wieder sitzen, direkt unter Waselines Halm. Er quakt und seine Zunge fährt heraus, so schnell, dass Wasel sie kaum sehen kann. Sie ist lang, die Zunge, doch nicht lang genug. Waseline schimpft noch immer auf ihrem Halm und Herr Frosch springt wieder hin und her.

Keuchend kommt Wusel angelaufen. Er ist noch immer ganz außer Atem. Oder schon wieder.
„Was ist passiert?“, fragt ihn Wasel, als Wusel sich ein wenig beruhigt hat.
„Waseline und Wiesel haben Ball gespielt“, erklärt Wusel. „Herr Frosch kam ans Ufer, um sich zu sonnen. Da hat Waseline ihn mit dem Ball mit voller Wucht am Rücken getroffen. Genau auf seinen Mückenstich.“

Jetzt erkennt Wasel, dass Herr Frosch nicht nur aus Wut hin und her springt. Sein Rücken, der eigentlich grün sein müsste, ist rot und blau angelaufen. Seine großen Froschaugen sind feucht und eine dicke Träne kullert ihm über die grüne Wange. Herr Frosch hat große Schmerzen.

Auch Waseline kann ihre Tränen nicht mehr unterdrücken. Sie hat doch ein bisschen Angst vor dem ärgerlichen Frosch und will endlich von dem Schilfhalm herunter. Wiesel zittert immer noch hinter dem Gebüsch.

Doch Wasel hat eine Idee. „Herr Frosch!“, ruft er laut. „Kann ich Sie kurz sprechen?“
Herr Frosch hört auf zu hüpfen und dreht sich um. „Noch so ein Knirps“, murrt er und ärgert sich immer noch.
„Wollen Sie nicht Ihre Schmerzen loswerden?“, fragt Wasel schnell.
„Natürlich“, quakt Herr Frosch.
„Wenn Waseline sich bei Ihnen entschuldigt und ich Ihnen Ihre Schmerzen nehme, lassen Sie Waseline dann in Ruhe?“, fragt Wasel weiter.
„Wie soll das gehen?“, fragt Herr Frosch. Er ist schon ein bisschen weniger ärgerlich.
Wasel kramt in der Tasche seiner Weselhose und holt die Weselsalbe hervor, die ihm seine Mutti immer mitgibt. „Meine Wundersalbe wird Ihnen helfen“, sagt Wasel und hofft, dass er Recht behält.
Langsam kommt Herr Frosch näher und schaut auf die Salbe in Wasels Hand.
„Drehen Sie sich um“, sagt Wasel mit fester Stimme. Dann nimmt er ein bisschen von der Salbe und streicht es vorsichtig auf den Rücken des Herrn Frosch.
„Mhhhhhmmmmm“, macht Herr Frosch. „Das kühlt aber schön.“

Langsam klettert Waseline von ihrem Schilfhalm.
Wasel hört auf, die Salbe zu verreiben. „Sind Sie einverstanden, Herr Frosch?“
„Ja, ja“, sagt Herr Frosch. „Aber hör nicht auf.“
Wasel macht weiter und auch Wusel kommt dazu. Schließlich gesellt sich auch Waseline zu ihnen und sie reiben zu dritt die Salbe auf den wunden Rücken des Herrn Frosch.

Als sie fertig sind, quakt Herr Frosch zufrieden. Waseline entschuldigt sich bei ihm und bedankt sich bei Wasel. „Mein Retter!“, sagt sie zu ihm.

Dann verabschieden sich die drei von Herrn Frosch und gehen gemeinsam zurück nach Weseln. Nur Wiesel steht noch immer hinter dem Gebüsch. Ob er noch zittert? Nun, darauf haben unsere drei Wesel jetzt gar nicht mehr geachtet.

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Wusel 4

Illustration: Kristina Ruprecht