Gut aufgelegt

Da wollte mich doch neulich eine Dame am Telefon davon überzeugen, den Telefonanbieter zu wechseln. Ich sagte ihr, wenn ich das Bedürfnis verpürte, würde ich mich selbstständig über die verschiedenen Möglichkeiten informieren. Daraufhin erklärte sie mir, dass doch aber am folgenden Tag einer der Techniker ihrer Firma vorort sei. Ich erwiderte, das sei schön für ihn, wendete aber wahrheitsgemäß ein, ich selbst sei allerdings an diesem Tag auf Reisen.

Aufgelegt! Sang- und klanglos! Gut, Gesang hätte ich auch nicht erwartet, aber doch wenigstens ein verärgertes „Dann eben nicht, du Sau!“

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Mc Pom Fritz: Gut zu tun

Ey, ihr glaubt das nicht, ne. Zwei Wochen arbeite ich jetzt und bin total fertig. Ich mein, nicht dass mir der Job nicht gefällt. Aber ist echt anstrengend, ne. Anstrengender als die Arbeit auf dem Hof von Mutti.

Die hat mir den Job übrigens besorgt. Hab gar nicht gewusst, dass die auch Vitamin C hat … oder wie das heißt, ne. Der Chef, also der Herr Pfeifer, ist nämlich irgendwie der Sohn von einem alten Kumpel von ihr. Und er ist eben Bauleiter.

Jetzt fahr ich also jeden Morgen mit dem Bus um 7.15 Uhr nach Niekrenz. Sind nur zehn Minuten, bin aber trotzdem froh, dass ich nicht laufen muss, ne. Tja, und dann mach ich einfach alles, was anfällt. Der Chef sagt immer, was zu tun ist. Der hat es echt drauf. Und er ist fast so streng wie Mutti. Aber das macht mir nix, denn ich bin ja froh, dass ich Arbeit hab.

Nach den ersten Tagen hab ich gemerkt, eigentlich hat der Chef gar nicht das Sagen. Das hat Frau Hart, ne. Die ist Architektin und ziemlich reich, hat der Wolf erzählt. Und die hat den alten Reiterhof gekauft, der jetzt ein Kurhotel für feine Damen werden soll, die mal Pause vom Stadtleben brauchen.

Ich freu mich immer, wenn Frau Hart auf der Baustelle ist, weil so was Schönes hab ich noch nie gesehen. Und nett ist sie auch noch. Der Chef hat mir erzählt, ich wäre ihr mit meinem Fleiß aufgefallen und sie würde mir die Möglichkeit geben, jeden Tag noch zehn Euro dazuverdienen. Jetzt fahre ich eben nicht mehr mit dem Bus um 15.35 Uhr nach Hause, sondern immer erst um 17.40 Uhr.

Ihr seht, ich habe mich auf Arbeit schon gut eingefunden. Und gut zu tun habe ich auch, ne.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Hungrige Mäuler

Da stehe ich doch neulich an einem Asia-Imbiss und warte, dass meine Bestellung fertig wird. Außer mir wartete unter anderem noch eine Familie, die sich freundlicherweise zu allererst den letzten freien Tisch gesichert hatte, weshalb ich im Stehen wartete, mit der Aussicht in eben dieser Position auch die Mahlzeit einzunehmen. Na ja, ich bin ja noch jung.

Mein Essen wurde gleichzeitig mit einem derer vom Familientisch fertig, weshalb man sowohl mich als auch eines der Familienmitglieder heranwinkte.

Die junge Frau, die daraufhin aufsprang und zum Tresen stürmte, erreichte diesen kurz vor mir und griff sich beide Teller. Weder dem vorsichtigen Hinweis meinerseits noch dem aufgeregten Gestikulieren des Imbissers schenkte sie weitere Beachtung, marschierte stattdessen zu dem ebenso forsch eroberten Tisch zurück.

Ein weiterer Versuch blieb erfolglos. In Ermangelung eines Namens sprach ich sie ein drittes Mal mit „Hallo“ an, wobei ich in der Annahme, meine Stimmgewalt sei bis dahin nicht ausreichend gewesen, den Lautstärkeregler um einen kleinen weißen Strich nach oben schob.

Ein wütendes Schnauben entwich den grimmassierenden Mundwinkeln der wohlerzogenen Dame, gefolgt von einem: „Is ja gut!“

Ich konnte meine Mahlzeit im Anschluss kaum noch genießen, fragte ich mich doch die ganze Zeit, ob es unrecht war, was ich tat, ob ich die Familie nicht wenigstens erst einmal in Ruhe und jeden für sich hätte probieren lassen sollen, ob es sich wirklich nicht um ihre Bestellung handelte, oder ob es gar vermessen war, diesen Anspruch überhaupt geltend zu machen.

Schließlich hätte ich ja ein weiteres Mal bestellen und bezahlen können. Mit etwas Glück wären bis dahin alle anderen hungrigen Mäuler gestopft gewesen. Ich hätte natürlich dann noch einmal fragen müssen, ob sich nicht irgendwer mein Essen für schlechte Zeiten einpacken lassen wollte.

Kampf mit dem Zwerg

Kampf mit dem Zwerg (Foto: Mark William Penny)

Kampf mit dem Zwerg (Foto: Mark William Penny)

Als er ihm gegenüberstand, beschlich ihn das Gefühl, er beginge eine große Dummheit. Der grimmige Ausdruck im Gesicht des Zwergs erinnerte ihn schmerzlich daran, dass dieses Volk als eines der kämpferischsten galt. Einen Moment lang geisterten ihm Rückzugsgedanken durchs Hirn. Dann jedoch rief er sich im Stillen selbst Mut zu: „Ardon, reiß dich zusammen! Du bist hier, um eine edle Dame aus ihrer Notlage zu befreien. Sei der Held, der du immer sein wolltest und stelle dich dem Kampf. Die vielen Lehrjahre sollen nicht umsonst gewesen sein!“
So trat er vor und zog seinen Beidhänder. Selbst der Tod wäre ehrenvoll, dachte er, dann führte er einen ersten Schlag.
Der Zwerg wich aus. „Ich werde dich lehren, was es heißt, den Kampf mit Rodin, Sohn des Robin, aufzunehmen!“, brüllte der kleine Kerl und schwang seine Axt so geschickt, dass Ardon in arge Bedrängnis geriet.
Immer schneller und heftiger wurden die Angriffe des Zwergs und Ardon hatte Mühe, sich der Ratschläge seines ritterlichen Lehrmeisters Turo zu erinnern. „Lass dich nicht von der Leidenschaft übermannen. Verlagere dein Gewicht. Werde eins mit deiner Klinge. Überrasche deinen Gegner.“
Letzteres zumindest schien ihm mit der Zeit zu gelingen. Der Zwerg hatte wohl nicht mit der Wendigkeit des Menschen gerechnet. Ardon sah ihm an, dass er langsam müde wurde. Jetzt könnte er seine Jugend ausspielen.
Nach und nach streute er Finten und kleine Gegenangriffe in seine Abwehr ein. Er nutzte Bäume und Sträucher, um seinen Feind zu verwirren. Dann täuschte er vor, seine Kräfte schwänden. Als der Zwerg gerade mit einem breiten Grinsen zum finalen Schlag ausholte, stieß Ardon zu und rammte sein Schwert tief in die Brust Rodins.
Der Getroffene schrie nicht. Sein Blick, auf Ardon gerichtet, war Verwunderung und Anklage zugleich. Die kurzen Beine knickten ihm ein. Sein Atem wurde zu einem Röcheln. Noch immer schaute er Ardon an.
Der stieß immer tiefer zu. Wie von Sinnen stemmte er sich gegen seine Waffe, bis das Röcheln verklang und Rodins Augen ihr Licht verloren.
Ardon sank auf die Knie. Er konnte noch gar nicht fassen, was er soeben vollbracht hatte. Fast überwältigte ihn seine Tat.
Schließlich half ihm nur der Gedanke an die Herrin auf die Beine. Er zückte sein Messer und schnitt mit einiger Überwindung den Bart vom Kinn des Zwergs. Sorgfältig verstaute er ihn in der Tasche, in der sich bereits das Horn eines unachtsamen Einhorns und das Herz einer müden Waldelfe befanden. Nun könnte der Hofmagier die verlangte Wundersalbe herstellen, mit der sich die Herrin von einem unschönen Schönheitsfleck befreien wollte.