Mc Pom Fritz: Nicht da

Heute hatte ich meinen Zahnarzttermin in Tessin. Ich war ganz aufgeregt. Ihr wisst ja, weshalb ich den überhaupt gemacht hab, ne? Ich wollte doch endlich Arielle treffen. Aber dann kam alles ganz anders, als ich gedacht hab.

Erstmal hab ich mich total gefreut, ne. Vor der Praxis stand Arielles roter Golf. Jetzt konnte ich endlich sicher sein. Ich hatte sie gefunden! Ich hab richtig gezittert, als sich zur Tür rein bin. Da war dann so ein großer, weißer Tresen, wo die Schwester hinter stand. Also, die Krankenschwester. Ne, da heißt das noch anders. Sprechstundenhilfe, glaub ich, ne.

Ich dachte erst, das ist Frau Bernhard, mit der ich telefoniert hatte. Aber die hieß Albatros. Im Wartezimmer saß nur ein Mann. Arielle war nirgends zu sehn. Dafür sagte mir Frau Albatros, ich käme gleich dran, weil zwei Patienten vor mir abgesagt hatten.

Tja, was sollte ich machen? Ich also gleich ins Behandlungszimmer, ne. Da wurde mir dann schon ein bisschen anders. Weil ich hatte ja gar nix. Keine Zahnschmerzen und so. Aber da warteten schon die ganzen Bohrer und so auf mich. Was sollte das bloß werden?

Aber ich hab Glück gehabt, ne. Frau Dr. Maus hat sich alle Zähne angeguckt und gesagt, sie könnte sich gar nicht vorstellen, wo ich Schmerzen haben soll, weil alle Zähne top in Ordnung wären. Da hab ich dann gesagt, dass es auch schon viel besser wäre und dass ich ihr sehr danken würde.

Frau Dr. Maus hat den Kopf geschüttelt und dann gesagt, ich sollte wiederkommen, wenn ich doch noch einmal Schmerzen haben sollte. Ich hab schon nur noch mit halbem Ohr hingehört, weil ich so gehofft habe, dass Arielle vielleicht da wäre, wenn ich aus dem Behandlungsraum komme, ne. Aber es war nur noch eine ältere Frau dazugekommen, die jetzt auch im Warteraum wartete.

Mann, war ich enttäuscht, ne. Ich konnte ja auch die Frau Albatros nicht nach Arielle fragen. Die würde ja gar nicht wissen, wen ich meine. Ich musste einfach noch mal wiederkommen. Dann aber brauchte ich wirklich Zahnschmerzen! Ich wollte mir gleich ganz viele Süßigkeiten kaufen und mit dem Zähneputzen aufhören.

Bis zum nächsten Mal, sagte ich zu Frau Albatros und ging. Das heißt, ich wollte gehn, ne. Aber ich bin mit einer Frau zusammengestoßen, die gerade zur Tür reinkam. Arielle!

Das war wirklich Arielle! Ich stammelte eine Entschuldigung und rannte zur Tür raus. Mann, war das peinlich! Mann, war ich blöd gewesen! Du Hornochse! Hab ich gedacht, ne. Und dann bin ich zurückgegangen.

In meiner Aufregung fragte ich Frau Albatros jetzt doch, wo Arielle ist. Die war nämlich schon wieder nicht zu sehen. Ich musste dann natürlich erklären, dass ich die Frau meine, mit der ich eben zusammengestoßen war. Ach, Frau Bernhard, sagte Frau Albatros. Die hätte Feierabend und käme gleich wieder.

Und da kam sie auch schon aus einem der Behandlungszimmer, ne. Frau Bernhard! Ich hatte mit ihr telefoniert!

Ich entschuldigte mich noch mal. Wir haben letzte Woche telefoniert, sag ich. Das musste ich ihr dann noch erklären, von wegen Termin gemacht und so. Ich bedank mich noch mal, weil sie ja eigentlich nichts frei hatte und es dann doch möglich gemacht hat. Kein Problem, sagt sie und lächelt. Dieses Lächeln! Mir fällt nichts mehr ein. Also entschuldige ich mich noch mal. Sie lächelt immer noch. Dann guckt sie auf die Uhr, streicht mir über den Arm, dass ich eine Gänsehaut bekomme, und meint, sie muss jetzt los. Ich steh noch blöd da. Dabei muss ich ja auch los, ne.

Eigentlich wollte ich gar nicht gehen, ne. Aber Frau Albatros, von der sich Arielle … Frau Bernhard gerade verabschiedete, guckte mich schon so komisch an. Ich also raus zu meinem Fahrrad, ne. Und als ich am Schloss rumfummel, ein bisschen langsamer als sonst, kommt sie auch raus, nickt mir zu und geht zu ihrem Golf. Ich will noch was sagen. Sie wohnen in Prangendorf Ausbau, ne, ruf ich ihr zu. Sie guckt ganz komisch. Ich wohn auch da, sag ich schnell. Sie überlegt und dann lacht sie. Bist du nicht der, der neulich in die Mülltonnen gefahren ist?

Scheiße! Sie hat es doch gesehn. Bianca, sagt sie. Fritz, sag ich und denk, dass ihr Name noch viel schöner ist als Arielle. Bianca Bernhard! Irgendwie muss ich schon wieder an einen Film denken, aber mir fällt nicht mehr ein, welcher. Ob ich jetzt mit dem Fahrrad nach Hause fahre, will sie wissen. Ich nicke. Wenn das Fahrrad ins Auto passt, kann ich dich mitnehmen.

Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie sehr ich gehofft hab, dass es passt. Bianca – Bianca! – musste die Rücksitze umklappen und ich das neue Rad fast verbiegen. Außerdem musste ich ihre Einkäufe auf den Schoß nehmen. Dabei fiel mir ein, dass ich selbst noch einkaufen wollte. Muss ich jetzt morgen noch mal losfahren, ne. Aber dafür hab ich neben Bianca im Auto gesessen.

Sie wohnt auch noch nicht lange in Prangendorf Ausbau. Hat vorher in Tessin gewohnt. Aber warum sie umgezogen ist, hat sie nicht verraten. Dafür sollte ich die ganze Zeit von mir erzählen. Na ja, sie hat gefragt und ich hab geantwortet, ne. Wo ich vorher gewohnt hab, was ich arbeite, ob es mir in meiner neuen Wohnung gefällt und so, ne. Dann waren wir auch schon zu Hause. Unglaublich, wie kurz der Weg ist, wenn man ihn mit dem Auto fährt!

Als ich mein Fahrrad aus dem Kofferraum gezerrt hatte, hat sie mich gefragt, ob ich immer mit dem Fahrrad einkaufen fahre. Freitags, sag ich, weil ich da früher Schluss hab, sag aber nicht, dass ich sonst immer nach Sanitz fahr. Und dann sag ich noch, dass ich früher immer mit dem Bus gefahren bin. Ich könnte doch nächsten Freitag wieder mit dem Bus fahren, sagt sie, dann könnte ich sie um 16.00 Uhr von der Praxis abholen und sie würde mich dann zum Einkaufen mitnehmen.

Ich kann euch sagen, heute war mein Glückstag. Und jetzt mach ich mir einen gemütlichen Abend. Der Führerschein muss jedenfalls noch ein bisschen auf mich warten.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Mc Pom Fritz: Der Plan

Nächste Woche geh ich zum Zahnarzt. Nö, Zahnschmerzen hab ich nicht. Ich putz mir ja immer fleißig die Zähne, ne. Eigentlich wollte ich mich nur mal durchchecken lassen. Aber jetzt hab ich doch Zahnschmerzen. Also, das hab ich denen gesagt, ne.

Das war nämlich so: Ich hatte doch Arielle wiedergesehn, ne. Leider hatte ich danach kein Glück mehr. Immer, wenn ich mit meinem Fahrrad nach Hause kam, stand ihr Auto schon da. Das war ganz schön blöd für mich, ne. Und da hab ich mir mal ihr Auto genauer angeguckt. Ganz unauffällig natürlich, ne. Und da hab ich diesen Aufkleber entdeckt, von der Zahnarztpraxis von Frau Dr. Maus in Tessin.

Frau Dr. Arielle Maus. Dachte ich erst, ne. Aber dann ist mir eingefallen, dass Arielle ja gar nicht Arielle heißt. Und außerdem, dass ja beim Zahnarzt noch mehr Leute arbeiten. Ich war ja schon früher mal beim Zahnarzt. Jedes Jahr sogar. Also bei einem anderen, ne. Nicht bei Frau Dr. Maus. Also, Arielle muss gar nicht Frau Dr. Maus sein.

Jedenfalls hab ich dann da angerufen. Ich wollte einen Termin. Aber ich hätte fast einen Monat warten müssen. Da hab ich dann gesagt, dass ich ganz dolle Zahnschmerzen hab. Die Frau am Telefon war sehr nett. Ich werde sehen, was sich machen lässt, hat sie gesagt. Das war übrigens auch nicht Frau Dr. Maus. Frau Bernhard oder so. Fand ich erst komisch, weil das ja ein Männername is, ne. Aber dann fiel mir ein, dass das ja ihr Nachname is. Hatte auch eine ganz liebe Stimme. Sanft und so, ne.

Jedenfalls geh ich jetzt nächsten Freitag zum Zahnarzt. Da muss ich ganz tapfer sein, ne. Und hoffentlich seh ich dann endlich Arielle wieder.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Mc Pom Fritz: So ein Müll!

Hoffentlich hat sie es nicht gesehn! Ja, ihr glaubt es nicht, ich hab Arielle wiedergesehn! Das verdanke ich nur meinem Fahrrad, ne. Ich kam heute zufällig genau zur richtigen Zeit vom Einkaufen nach Hause. Gerade als sie aus ihrem Auto stieg. Ein Golf, glaub ich. Rot, ne.

Und sie ist noch viel hübscher als Frau Hart! Wie eine richtige Prinzessin. Obwohl sie nur eine einfache, blaue Jeans und ein schwarzes Shirt trug. Und ihre Haare! Wie ein Meer aus geschmolzenen Kastanien. Wenn man das so sagen kann. Ne. Und ihre Lippen! Ich musste gleich an Erdbeeren denken.

Blöderweise hab ich  meinen Hauseingang total verpasst. Ich hab auch gar nicht mehr gucken können, wo ich hinfahr. Ein Stück weiter stehen die Müllcontainer, ne. Hoffentlich hat sie es nicht gesehn!

Ich bin gleich wieder aufgesprungen und einfach weitergefahren, ne. Bis zum Zigarettenautomat bei der Kneipe. Dabei rauch ich gar nicht. Am liebsten hätt ich mich dahinter versteckt. Aber ich wollte sie auch noch mal sehn. Und ich musste ja sowieso zurück zur 8, ne.

Da kam sie mir dann entgegen. „Hallo“, hat sie gesagt und mit dem Kopf genickt, sodass einige Strähnen das Grün ihrer Augen bedeckten. Wie elegant sie sie mit der kleinen Hand aus dem Gesicht gestrichen hat …

Ich hab ganz vergessen, sie auch zu grüßen. So was Blödes! Und dann hätte ich beinah noch den neuen Fernseher auf dem Anhänger vergessen. Schade, dass heute Abend nicht Arielle kommt. Den Film im Fernsehn mein ich jetzt, ne. Arielle heißt ja gar nicht wirklich Arielle. Schade, dass sie heute Abend nicht kommt …

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Mc Pom Fritz: Auf eigenen Beinen

So, jetzt bin ich aber echt in die Hufe gekommen, ne. Heute bin ich nämlich nur mit dem Bus nach Sanitz hingefahren. Da bin ich dann nicht wie sonst zum Supermarkt,  sondern zu ’nem Geschäft, wo man Fahrräder kaufen kann. Da gibt’s auch Motorräder und Autos, aber die darf ich ja noch nicht fahren, ne. Weil ich ja keinen Führerschein hab. Den kann man da aber auch machen. Aber eins nach dem anderen, ne.

Ich hab mir also ein Fahrrad gekauft, damit ich mobil bin. Und einen Anhänger, damit ich auch was transportieren kann. Ich hab lange gebraucht, bis ich mich entschieden hab. Ich wollte eins, wo ich mit auf der Straße fahren kann, aber das auch fürs Gelände taugt, damit ich auch mal in den Wald bei uns fahren kann.

Jetzt hab ich eins. Richtig mit Gangschaltung. 24 Gänge! Und mit Licht und mit Schutzblechen. Und mit Federung. Und mit Scheibenbremse. Weil der Verkäufer gesagt hat, das ist besser, ne. Und dann musste ich noch ein Schloss kaufen. Und eine Luftpumpe. Und eine Anhängerkupplung.

Weil das alles so viel gekostet hat, hab ich dann irgendwie keine Lust mehr gehabt, noch mehr Geld auszugeben, und hab nur ganz wenig zu essen gekauft. Aber ich freu mich! Hat echt Spaß gemacht, mit dem neuen Fahrrad nach Hause zu fahren. Ist zwar auch anstrengend, vor allem mit dem Anhänger, aber jetzt kann ich immer von zu Hause weg, auch wenn kein Bus fährt, ne. Sogar am Wochenende!

Nächste Woche guck ich dann mal, wo ich was für meine Wohnung kaufen kann. Damit sich der Besuch auch wohlfühlt bei mir, wenn er kommt. Muss dann nur noch hoffen, dass ich Arielle wiedertreffe, ne.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Mc Pom Fritz: In die Hufe

Ich bin sehr nachdenklich, ne. Letztes Wochenende hat mich Katha abgeholt. Meine Schwester, ihr wisst schon, ne? Damit ich meine Mutti besuchen konnte. Hab sie ja lang nicht gesehen. In der Woche muss ich arbeiten und am Wochenende fahren keine Busse, ne. Und meine Mutti reist ja nicht so gern.

Jedenfalls war Katha ganz entsetzt, als sie bei mir war. Weil sich noch nichts verändert hat, seit ich hier eingezogen bin. In der Küche die Spüle, der alte Kühlschrank und der Miniofen. Im Schlafzimmer die Matratze und im Wohnzimmer Muttis altes Sofa. Und die zwei Kisten mit meinem Zeug. Und das Telefon, damit ich Mutti jeden Tag anrufen kann, ne.

Ob ich mir denn von meinem Geld noch nichts angeschafft hab, wollte sie wissen. Doch, den Campingstuhl für den Balkon, sag ich. Und dass ich ja kein Auto hab, ne. Aber sie könnte mich doch fahren. Ich müsste halt mal ’n Ton sagen. Und Führerschein wär ja auch nicht schlecht. Wenigstens ’n Fahrrad. Ich sollte endlich mal in die Hufe kommen.

Ich denk jetzt halt, sie hat recht, die Katha, ne. Ich mein, was mach ich schon groß, außer arbeiten? Freitags im Supermarkt einkaufen.

Und besonders gemütlich ist’s hier auch nicht. Was, wenn mal Besuch kommt? Ich hab ja nicht mal ’n Fernseher, ne.

Und Arielle hab ich auch noch nicht wiedergesehen.

Ich muss noch bisschen weiter nachdenken.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz