Blogroman: 20 – Leichtgewicht

Sie hielt sich an keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Tom schielte zu Mona, fragte sich, warum ihn diese Frau derart einschüchterte. Fast noch mehr, als es Boss getan hatte.
Er war ein ganzer Kerl. Den Beinamen Terminator hatten ihm seine Kollegen ja schließlich nicht umsonst gegeben. Er war ziemlich durchtrainiert und brachte trotzdem sicherlich an Gewicht mehr als das Doppelte seiner Befreierin auf die Waage. Dass er sich kaum traute, sie anzusprechen, war eigentlich albern. Er gab sich einen Ruck. „Wissen Sie, was es mit diesem Art… Arti… Artefarkt auf sich hat?“
„Artefakt. Es ist besser, wenn Sie so wenig wie möglich darüber wissen.“
Sie hatte ihn nicht einmal angeschaut. Er dagegen hätte am liebsten jeden Zentimeter von ihr genauer in Augenschein genommen. Noch einmal raffte er sich auf. „Und wer ist Boss?“
„Für sie gilt das Gleiche wie für das Artefakt.“
„Warum wollten Sie mich dann unbedingt mitnehmen, wenn Sie mir nichts erzählen.“ Für einen Moment kam ihm die absurde Antwort in den Sinn: „Weil Sie mir so gut gefallen.“
„Möglicherweise brauche ich Sie noch. Wenn ich das Artefakt habe, trennen sich unsere Wege. Und Sie sollten mich schnellstens vergessen!“
Seltsamerweise fühlte es sich an wie ein Korb. Der Verdacht stieg in ihm hoch, dass er sich um ganz andere Dinge sorgen sollte. Um Lisa zum Beispiel.
„Sagen Sie mal, träumen Sie? Wo lang?“
Der schneidende Tonfall in Monas Stimme brachte ihn dazu, sich kerzengerade hinzusetzen. Er blickte sich um. „Links. Nach links. Wir sind gleich da.“

Was bisher geschah

Blogroman: 19 – Diskussionen

Die Frau verwirrte ihn. Nicht viel weniger als es Boss getan hatte. Konnte er ihr vertrauen? Und musste er es überhaupt? Durfte man einer Frau vertrauen, die sich gerade an einem fremden Auto zu schaffen machte?
„Also, wo wohnt ihre Ex?“ Sie hatte die Tür geöffnet. Wenige Sekunden waren verstrichen. Schon saß sie auf dem Fahrersitz und entriegelte auch die Beifahrertür.
Tom blieb bei der Fahrertür stehen, trat von einem Fuß auf den anderen und rieb sich die Handgelenke, in denen noch der Schmerz der Fesseln gespeichert war. Er beobachtete, wie sich seine Befreierin nach vorn beugte, eine Klappe unter dem Armaturenbrett öffnete und in den Drähten wühlte. „Warum wollen Sie das wissen?“
Ihre Stimme klang etwas gedämpft unter dem Sportlenkrad des Audis hervor: „Weil die Frau in großer Gefahr schwebt. Wenn wir ihr noch helfen wollen, sollten wir uns beeilen.“
Das klang nicht nur logisch, es entsprach auch dem, was er längst befürchtet hatte. Dennoch blieb er stehen. „Wer sind Sie eigentlich?“
„Mona. Das muss reichen.“ Ihre Stimme war noch immer gedämpft. Dennoch hörte er deutlich den genervten Unterton. Der Motor sprang an und Monas roter Haarschopf tauchte wieder auf. Noch einmal deutete sie auf den freien Platz neben sich, ärgerlich, mit einem Funkeln in den grünen Augen.
„Haben Sie Piet getötet?“
„Sollte ich mit ihm ein Kaffekränzchen abhalten?“ Ihr Blick fing Toms unruhig wandernden Augen ein und hielt sie fest. Ganz langsam sagte sie: „Ich stehe nicht sonderlich auf langwierige Diskussionen!“
„Rote Gasse 5.“

Was bisher geschah

Blogroman: 17 – Stille

Tom lauschte angestrengt, doch das Einzige, was er mit ziemlicher Sicherheit wusste, war, dass Piet aufgesprungen sein musste, denn dabei war dessen Stuhl mit einem Poltern umgekippt. Die Stille, die nun folgte, füllte den Raum beinahe noch konsequenter aus als die Dunkelheit. Dann hörte er Piet fluchen. Ein Schuss. Ein dumpfer Schlag. Ein großer Körper fiel zu Boden. Wieder alles still.
Tom begann, soweit es seine Fesseln zuließen, auf dem Stuhl hin- und herzurutschen. Ein Schweißtropfen brannte ihm im Auge. Seine Nackenhaare richteten sich auf. „Ist da noch wer?“ Er flüsterte die Frage, war sich nicht sicher, was er sich wünschen sollte. Wäre da noch jemand, könnte das gut, aber auch ausgesprochen schlecht für ihn sein. Gleichzeitig packte ihn die Furcht, er könne allein hier zurückbleiben. Möglicherweise mit einer Leiche irgendwo im Raum. „Ist da noch wer?“ Jetzt schrie er es.
„Ja.“
Tom erstarrte. Die Stimme war direkt hinter ihm. Es war die Stimme einer Frau.
„Es ist vorbei.“
Er spürte kalten Stahl.

Was bisher geschah

Blogroman: 12 – Blut und Fesseln

Tom schmeckte Blut. Warm und ein bisschen metallisch. „Verdammte Scheiße! Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen?“
Wieder schlug die Frau zu. Mit der blanken Faust. Tom hätte nie gedacht, dass ein so zierliches Wesen derart hart zuschlagen könnte.
„Wo ist es?“
„Was denn bloß?“ In seiner Schläfe zog sich das Stechen zu einem dumpfen Schmerz zusammen. Die Fesseln an seinen Fuß- und Handgelenken schnitten ihm ins Fleisch. Wenigstens einen bequemeren Stuhl hätten sie auswählen können, dachte er.
„Vielleicht weiß er es wirklich nicht, Boss.“
Die Frau warf dem Mann, der den Wagen gefahren hatte, einen bösen Blick zu. „Warum sollte er nicht wissen, worum es geht?“ Sie wandte sich wieder an Tom: „Also, spiel hier nicht den Dummen. Wo ist das Artefakt?“
„Das Artewas?“
Die Frau griff nach einem Schlagstock.
„So glauben Sie mir doch, wenn ich irgendetwas wüsste, würde ich es Ihnen sofort sagen. Aber Sie verwechseln mich. Ich hab nicht einmal eine Ahnung, wovon sie da reden.“
Seine Peinigerin hob den Schlagstock.

Was bisher geschah