Blogroman: 29 – Jahre

Mona wunderte sich selbst ein wenig über die Ruhe, mit der sie im Auto saß. So viele Jahre ohne Training. Ohne Gefahr. Jahre, die anfangs ein langersehntes Leben in Frieden versprachen. Jahre in der ruhigen Harmonie des Alltags. Einem Alltag, der ihr zunehmend öder erschien. Einem Alltag, der sie vermutlich auch ohne den Auftrag noch vor Ablauf des Jahres aus der Wohnung getrieben hätte. Aus der Wohnung und aus der Ehe mit Frank. Frank. Ja, sie hatte ihn geliebt. Vielleicht liebte sie ihn immer noch. Doch sie hielt es nicht mehr aus.

Was bisher geschah

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Blogroman: 10 – Versteckspiel am Hauptbahnhof

Es war ihr unbegreiflich, für wie dämlich Frank sie hielt. Sicher, er hatte nicht den leisesten Schimmer, mit wem er es eigentlich zu tun hatte, aber dass sie sein Auto erkennen würde, wenn er ihr damit folgte, sollte er ihr schon zutrauen. Sie musste sich nicht einmal anstrengen, um ihn auf dem Bahnhof abzuhängen. Eine kleine Finte in Richtung der Damentoiletten, den richtigen Moment abgepasst, um sich ungesehen wieder unter die Reisenden zu mischen, und nach nicht einmal fünf Minuten, war sie aus dem Bahnhofsgebäude raus und saß wieder in einem Taxi.
„Hotel Sonne, bitte.“
Nein, eine Herausforderung war Frank wahrlich nicht. Sie blickte auf der Fahrt nicht einmal nach hinten, um sich abzusichern, dass er ihr nicht wieder folgte.

Was bisher geschah

Blogroman: 8 – Planänderung

„Zum Hotel Sonne.“
„Hotel Sonne. Geht klar, schöne Frau. Das schaffen wir schon.“
Mona schenkte dem Taxifahrer über die Sitzlehne hinweg die Andeutung eines Lächelns. Dann schaute sie aus dem der Fahrerseite abgewandten Fenster, was den Mann nicht davon abhielt, sie mit Belanglosigkeiten zu überziehen. Sie antwortete, wo es nötig war, so kurz angebunden wie möglich. Immerhin hinderte er sie so am Nachdenken. Denn nachdenken wollte sie nicht. Schon gar nicht über die vergangenen viereinhalb Jahre. Sie musste dieses Kapitel abschließen. Auch wenn sie noch nicht wusste, was genau jetzt auf sie zukommen würde, es würde ihre ganze Aufmerksamkeit fordern.
„Gehen Sie gern ins Kino?“
„Ab und zu.“
„Sehen Sie das Gebäude, an dem wir gerade vorbeigefahren sind? Das ist unser größtes Kino.“
Der Taxifahrer hielt sie wohl für eine Touristin. Kein Wunder, wollte sie doch in ein Hotel. Dabei war es kaum zwei Wochen her, dass sie mit Frank das letzte Mal im Filmpalast gewesen war. Sie drehte sich um und schaute zu dem gläsernen Bau. Dann bemerkte sie im Schein der Straßenlaternen den dunklen Audi, der ihnen folgte.
„Kleine Planänderung. Zum Bahnhof, bitte.“

Was bisher geschah

Blogroman: 5 – Viereinhalb Jahre

Frank hatte sie an einen Tisch in einer Ecke des Drinx gezerrt, die sich hinter einem bepflanzten Raumteiler versteckte. Mona war überrascht, wie grob er in seiner Wut sein konnte. Über eine Stunde hatte er seinen Zorn über sie ausgeschüttet und sie kitzelte ihn noch. Es beschämte sie beinah, wie leicht ihr das fiel. Doch sie wusste, so war es am besten.
Nun aber kam es, wie sie befürchtet hatte. Urplötzlich, als sei mit einem Mal alle Kraft aus ihm gewichen, sackte er in sich zusammen. Seine Schultern sanken so tief, als wären sie mit seinen Füßen verabredet, und sein Kinn schien sie auf diesem Weg noch überholen zu wollen.
„Ich bitte dich, bleib!“ Seine Stimme klang jetzt wie die eines alten Mannes. Nicht gerade sexy für einen 36-Jährigen.
„Nein! Ich kann nicht. Und ich will nicht.“
„Was habe ich die letzten viereinhalb Jahre falsch gemacht?“
Viereinhalb Jahre waren es schon! „Mach es uns nicht schwerer, als es schon ist. Du wirst darüber hinwegkommen.“
„Aber warum?“
Mona spürte seine Tränen, bevor sie seine Augen befeuchteten. „Hab ich dir doch gesagt. Ich liebe einen anderen. Also, lass mich gehen.“
Wieso schrie er sie nicht einfach weiter an? Jetzt, da er ihr leid tat, fiel ihr das Lügen schwer. Doch die Wahrheit konnte sie ihm nicht sagen. Schon um seinetwillen. Sie musste hier raus!
„Frank! Schau mich an!“ Sie selbst war es, die seinem flehenden Blick auswich. „Akzeptiere es. Ich hole morgen, wenn du nicht da bist, meinen Sachen und dann bin ich weg. Du siehst mich nie wieder!“
Sie sprang auf, warf ihm einen warnenden Blick zu, als er ihr folgen wollte, knallte einen Fünzig-Euroschein auf den Tresen und verließ das Drinx. Als sie draußen stand, atmete sie tief ein und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. Glücklicherweise warteten direkt vor dem Drinx ein paar Taxis.

Was bisher geschah