Zwischen den Zeilen

Zwischen den Zeilen

© Adi

Mit einem Knall fiel die Wohnungstür ins Schloss. Dorit lehnte sich dagegen und ballte die Fäuste. Einen Moment lang musste sie sich bewusst machen, dass sie jetzt daheim war. In ihrem kleinen Schloss. Die Zugbrücke hochgezogen. Frust und Enttäuschung mussten draußen bleiben. Noch einmal wandte sie sich der Tür zu, zeigte der Welt, allen voran Thomas, den Finger.

Keine Zeit verstreichen lassen. Einen Tee, eine Tafel Schokolade. Zartbitter! Ihre Ungeduld verlangte drei Versuche, um die Duftkerze zu entzünden.

Rosen! Endlich konnte sie es sich auf ihrer Kuschelcouch bequem machen. Einige besinnliche Sekunden, in denen sie mit zarten Fingerspitzen über das Cover strich, bevor sie das Buch öffnete und sich auf die Zeilen stürzte. Begierig saugte sie an jedem einzelnen Buchstaben, sehnte ihn herbei, den magischen Moment. Dann trat er hervor, ließ sich nicht mehr lange bitten. Dorit spürte, dass er sich ganz auf die Beziehung eingelassen hatte. Und beide ließen sie die Geschichte Geschichte sein und widmeten sich ihrem eigenen Märchen, daheim, auf der Kuschelcouch.

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Blogroman: 7 – Durchnässt

Tom hatte gar nicht bemerkt, dass es inzwischen zu regnen begonnen hatte. Er zog die Kapuze seines Shirts über den Kopf und die Schultern hoch.
Bis zur nächsten Polizeistation hatte er nur etwa zehn Minuten Fußweg. Er kam sich komisch vor. Würden die ihm überhaupt glauben? Was ihm da passiert war, hätte vielleicht zur Mafia gepasst. Oder zu Geheimdiensten. Stoff für einen Thriller. Wäre er ein erfolgreicher Geschäftsmann oder Anwalt, hätte sich vielleicht niemand gewundert. Aber er war Gebäudereiniger. Immerhin seit einem halben Jahr selbstständig. Dennoch konnte nicht einmal er sich vorstellen, was es in seinem Arbeitszimmer Bedeutendes zu holen gab. Gerade deshalb drängte es ihn, die Polizei einzuschalten. Für die Tat an sich gab es schließlich genug Beweise. Das Motiv herauszufinden war ja wohl deren Aufgabe.
Der beschissene Regen machte ihn nur noch wütender. Er ärgerte sich jetzt doch, dass er für das kurze Stück nicht den Wagen genommen hatte. Jeder andere war mit Besserem beschäftigt, als sich um diese Zeit die Klamotten durchnässen zu lassen. Nur noch zwei Straßen und er würde seinen Frust ausschütten können. Irgendetwas stach ihm in den Rücken. Er wollte sich umdrehen.
„Stopp! Keine Bewegung! Hände hoch!“

Was bisher geschah