Der Geisterorden: 60 – Spürbar

Nohs spürte es jetzt auch. Je weiter sie liefen, desto deutlicher wusste er, dass sich etwas geändert hatte. Mutter Redna spannte all ihre Sinne an. Wehrte sich gegen die Eindringlinge. In ihm stieg ein seltsames Gefühl auf. Eine Mischung aus Sorge um die Mutter und dem Stolz, zu denen zu gehören, die sie ein für allemal erretten würden.

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Eigentlich

Heute ist, da erzähle ich nichts Neues, der 15. Januar. Eigentlich muss ich demzufolge heute abgeben. Da aber heute Samstag ist, hat mir die Verlagslektorin gesagt, es reiche aus, wenn ich das Manuskript am Montag schicke.

Nun bin ich eigentlich seit gestern fertig, habe also den gesamten Roman überarbeitet und in eine abgabegerechte Form gebracht. Die Version „L“ (für Lektorat) existiert seit gestern Abend auf meinem Rechner.

Heute Vormittag habe ich noch die wenigen Angaben meiner Profi-Testleserin eingearbeitet. Bis Kapitel fünf. Denn sechs bis neun bekomme ich erst morgen Abend zurück, was also der erste Grund ist, warum ich die zwei Tage bis Montag noch in Anspruch nehme.

Außerdem habe ich durch eben diese Testleserin noch einen  Hinweis bekommen, aus dem eine neue Idee entstanden ist, wie ich den Roman noch um einen kleinen, aber feinen Aspekt erweitern kann. Eine Randfigur, die bisher gar nicht selbst aufgetreten und nur dem Namen nach bekannt war, sollte nun zum Leben erweckt werden.

Daher habe ich heute Nachmittag eine ganze Weile gegrübelt und dann die Ausgangsszene dafür geschrieben. Die Anschlussszene habe ich am Anfang komplett umgeschrieben und nahezu auf die doppelte Länge ausgebaut.

Nun muss die Figur, ein gewisser Alexander Leitner, seines Zeichens Manager für Sportler, noch geschickt in den weiteren Romanverlauf eingebunden werden. Damit will ich nach diesem Posting beginnen und es morgen fortführen.

Dennoch, eines lasse ich mir nicht nehmen: Das gute Gefühl, nach der langen Arbeit an dem Roman, gut am Ende angekommen zu sein. Und eigentlich rechtzeitig zum Abgabetermin. Sogar einen Tag vorher!

 

Der Held

Der Held

Matti kramte nach seinem Mut. Er musste doch irgendwo stecken. Ein Blick genügte, um zu sehen, dass die Situation sich noch immer nicht entschärft hatte. Der Typ stand weiterhin neben Sabine, drängte sich an sie ran, stöhnte genüsslich. Er war augenscheinlich betrunken, hatte den Mut gefunden, den Matti vergeblich suchte.

Er war für Sabine, die sich unbeeindruckt weiter mit Steffi unterhielt, nicht verantwortlich. Gern wäre er es gewesen und vielleicht hätte ihm ein wenig Mut dabei helfen können.

Matti schätzte den Gegner ab, der zu träumen schien, während er die Berührung mit Sabines Körper genoss. Sie stieß nur hin und wieder seine übermütige Hand weg, ließ ihn ansonsten gewähren. Was sollte sie auch anderes tun, wenn der einzige Kerl, der ihr zur Seite stehen könnte, ein Waschlappen war?

Der Typ war eher dick als muskulös, brachte sicherlich annähernd das doppelte Gewicht Mattis auf die Wage. Matti versuchte, mit Sabine Blickkontakt aufzunehmen, ihr wortlos zu verstehen zu geben, dass er das böse Spiel auf ihre Bitte hin jeder Zeit beenden könne. Sie schien ihn verstanden zu haben, winkte aber ab. Wie nobel von ihr, dass sie ihren schmächtigen Begleiter keiner Gefahr aussetzen wollte.

Der Betrunkene stellte sich jetzt hinter Sabine, rieb sich an ihrem Hintern. Sie unterbrach ihr Gepräch mit Steffi nur kurz, lächelte dann, als habe lediglich ein sanfter Windstoß ihr Kleid gelüftet. Doch das konnte ihr nicht gefallen. Jetzt ging es endgültig zu weit!

Matti ging um den Stehtisch herum, zögerlich, doch mit dem Willen zur Entschlossenheit. Er tippte dem Störenfried an die Schulter. Der Kerl erwachte aus seiner Trance, sah ihn an, als sei er der Osterhase.

„Ich glaube“, begann Matti zaghaft, „du belästigst die Dame.“ Es kam ihm mächtig geschwollen vor, was er da redete, zugleich aber gab es ihm ein gutes Gefühl. Wie ein Gentleman.

Sein Gegenüber wirkte auf einmal erstaunlich nüchtern, richtete sich auf, schaute ihn von oben herab an, ohne ein einziges Wort zu verlieren.

Matti trat einen Schritt zurück. Jetzt müsste er sich eigentlich in irgendeine kämpferische Stellung begeben. Doch dann ging alles ganz schnell. Der Typ schlug einfach zu. Krachend landete seine Faust auf Mattis Nasenrücken. Matti taumelte. Vor seinen Augen verschwamm alles. Nur schemenhaft sah er – war das Sabine? Sie konnte offenbar irgendeinen Kampfsport. Er knallte hart auf dem Boden auf. Dunkelheit.

Sabine beugte sich über ihn. „Na, mein Held. Tu so etwas nicht noch einmal! Ich sag dir schon, wenn ich dich brauche.“

Küchenspiele

Küchenspiele

Lisa und Moni umarmten sich.
„Ist der Neue schon da?“, fragte Lisa.
„Ja, er war mehr als überpünktlich. Wahrscheinlich noch ein bisschen nervös.“ Moni lachte. „Ich hab ihm schon mal gezeigt, wo alles steht. Du kannst gleich anfangen, ihn einzuarbeiten.“
Lisa nickte und ging am Tresen vorbei.
Moni hielt sie am Arm fest. „Ich bin fast ein bisschen neidisch auf dich. Er ist ja ein ganz schnuckeliger.“

Lisa gab nicht viel auf die Einschätzung ihrer Chefin. In den zwei Jahren, die sie jetzt bei ihr arbeitete, hatte sie nahezu jeden Kerl schnuckelig gefunden, wenn er denn nur jünger war als sie.

Als sie die Küche betrat, schluckte sie. Diesmal hatte Moni recht. Nun ja, nicht ganz. „schnuckelig“ war nicht wirklich der passende Ausdruck, für das, was sie jetzt zu sehen bekam. Der Mann war zu groß dafür, aber das fand Lisa alles andere als schlecht. Er wirkte männlich, sportlich und nicht übertrieben muskulös. Seine Augen, dunkel wie die Haare, versprachen Intelligenz und … Zärtlichkeit.

Lisa schaute schnell nach unten, während sich ihr Gegenüber aufrichtete und seine Hände, die eben noch eine Tomate geschnitten hatten, an der blauen Schürze abwischte. Diese Hände! Kaum waren sie in ihr Blickfeld gerückt, schon wünschte sie sie sich auf ihrer Haut. Sie spürte die sanften Fingerkuppen, wie sie unter ihrem Shirt um ihren Bauchnabel kreisten. Sie konnte fühlen, wie sich jedes einzelne Haar an ihrem Körper aufrichtete, roch sein Deo, das den Geruch nach Küche und Schweiß zu überdecken suchte.

„Hi, ich bin Frank.“ Er streckte ihr die Hand entgegen und Lisa starrte sie an. Es kam ihr vor, als seien Stunden vergangen, bevor ihr bewusst wurde, dass sie diese Hand jetzt tatsächlich berühren sollte, wenn auch weit zurückhaltender, als sie es sich eben noch vorgestellt hatte. Sie musste sich räuspern, bevor sie ein leises „Lisa“ herausbekam und zaghaft seine Hand ergriff.

Wieder verharrte sie, wollte den Moment nicht verstreichen lassen. Endlich riss sie sich zusammen und zog die Hand zurück. Den Blick zu Boden gerichtet, wollte sie sich abwenden, doch dann spürte sie erneut seine Hand, die die ihre umschloss.

„Jetzt, da ich dich kennengelernt habe, bin ich froh, dass ich die Chance bekommen habe, hier mit dir zu arbeiten.“ Mehr sagte er nicht, hielt nur weiter ihre Hand.

Für eine Sekunde kam ihr der Gedanke, er sei dreist. Dann erwiderte sie seinen Blick und las in seinen Augen, dass ihre Träume wahr werden würden. Hier in dieser Küche und darüber hinaus.

Das Ende der Reise

Leuchtende Fliesen, copyright: BennoP

Verbissen schrubbte Timm das Weibchen der Gattung Wrings. Inzwischen war er im Umgang mit der großen Bürste einigermaßen geübt, und im Moment saß die Wrings ganz ruhig. Da er darum auch nicht um sein Leben fürchten musste, hing er seinen Gedanken nach. Wäre es nicht seine eigene Geschichte, die ihm durch den Kopf ging, er hätte lauthals losgelacht.

Hier war er nun angekommen, in einem großen Raum mit seltsam leuchtenden Kacheln. Fünf Jahre Studium, fast zehn Jahre Forschungstätigkeit und eine Expedition, die noch einmal dieselbe Zeit in Anspruch genommen hatte, hatten ihn hierher geführt. Viel hätte nicht gefehlt und er wäre hier gar nicht eingetroffen. Eine große Portion Glück hatte ihn den Absturz überleben lassen. Glück! Ha!

Die Wrings schob sich zurück und Timm musste achtgeben, dass sie ihn nicht zwischen sich und der Wand zerquetschte. Sie waren alles andere als intelligent. Aber sie waren groß. Und sie stanken.

Er war ohnehin fertig mit seiner Arbeit, sprang ab und läutete die Glocke. Während er der Wrings hinterherschaute, fiel ihm ein, wie man die Crew und ihn verabschiedet hatte. Sie waren schon damals als Helden gefeiert worden, als wären sie bereits erfolgreich zurückgekehrt, nicht erst hoffnungsfroh aufgebrochen. Aufgebrochen, neue Lebensräume zu erschließen und neue Kulturen zu entdecken. Nun war er der einzige Überlebende. Ein dummer technischer Defekt, als sie bereits den Erfolg feierten. Nur der Umstand, dass er sich gerade auf der Toilette befand, hatte ihn allein das Ziel erreichen lassen. Welche Ironie!

Beinahe gelassen schaute er zu, wie sich die nächste Wrings in die Kabine schob. Groß wie ein Elefant. Es waren meistens Wrings. Ihre Anzahl reichte ins Unendliche. Timm empfand es beinahe als willkommene Abwechslung, wenn ein Weibchen der Drunks oder der Korks zu ihm kam. Obwohl seine Arbeit auch dann um keinen Deut angenehmer war.

Er hielt sich die Nase zu, während er auf seinen Einsatz wartete.

Das erhebende Gefühl, der erste Mensch auf diesem Planeten zu sein, hatte sich schnell ins Gegenteil verkehrt. Ja, den Bewohnern hier war er sehr willkommen gewesen. Lange hatte man nach einem Ersatz für die aussterbenden Drohner gesucht. Und dann war ihnen Timm erschienen und hatte ihnen eine Lösung aufgezeigt.

Timm, die Speerspitze der expansionswilligen Menschheit. Timm, der Forschungsreisende. Timm, der Held, der den Menschen die Zukunft sichern wollte.

Timm, der nun am Ende der Reise angekommen war. Auf einem Planeten, auf dem er für die heimischen Spezies niederste Dienste leisten musste. In einem Damenklo auf Murks, dessen Spezies kein Klopapier kannten.

Doch es gab einen schwachen Trost. Wenn er auch nie wieder zu den Menschen zurückkehren würde, sie würden ihm folgen. Längst waren riesige Frachtschiffe zur Erde unterwegs, um seinesgleichen in Massen nach Murks zu transportieren, wo man mit ihnen die Toiletten des Planeten bestücken wollte. Denn die Menschen eigneten sich ganz hervorragend. Sie waren zwar nicht weniger empfindlich als die Drohner, aber sie waren zahlreich, klein und geschickt.

Das Ende der Reise

Verbissen schrubbte Timm das Weibchen der Gattung Wrings. Inzwischen war er im Umgang mit der großen Bürste einigermaßen geübt, und im Moment saß die Wrings ganz ruhig. Da er darum auch nicht um sein Leben fürchten musste, hing er seinen Gedanken nach. Wäre es nicht seine eigene Geschichte, die ihm durch den Kopf ging, er hätte lauthals losgelacht.
Hier war er nun angekommen, in einem großen Raum mit seltsam leuchtenden Kacheln. Fünf Jahre Studium, fast zehn Jahre Forschungstätigkeit und eine Expedition, die noch einmal dieselbe Zeit in Anspruch genommen hatte, hatten ihn hierher geführt. Viel hätte nicht gefehlt und er wäre hier gar nicht eingetroffen. Eine große Portion Glück hatte ihn den Sturz überleben lassen. Glück! Ha!
Die Wrings schob sich zurück und Timm musste Acht geben, dass sie ihn nicht zwischen sich und der Wand zerquetschte. Sie waren alles andere als intelligent. Aber sie waren groß. Und sie stanken.
Er war ohnehin fertig mit seiner Arbeit, sprang ab und läutete die Glocke. Während er der Wrings hinterherschaute, fiel ihm ein, wie man die Crew und ihn verabschiedet hatte. Sie waren schon damals als Helden gefeiert worden, als wären sie bereits erfolgreich zurückgekehrt, nicht erst hoffnungsfroh aufgebrochen. Aufgebrochen, neue Lebensräume zu erschließen und neue Kulturen zu entdecken. Nun war er der einzige Überlebende. Ein dummer technischer Defekt, als sie bereits den Erfolg feierten. Nur der Umstand, dass er sich gerade auf der Toilette befand, hatte ihn allein das Ziel erreichen lassen. Welche Ironie!
Beinahe gelassen schaute er zu, wie sich die nächste Wrings in die Kabine schob. Groß wie ein Elefant. Es waren meistens Wrings. Ihre Anzahl reichte ins Unendliche. Timm empfand es beinahe als willkommene Abwechslung, wenn ein Weibchen der Drunks oder der Korks zu ihm kam. Obwohl seine Arbeit auch dann um keinen Deut angenehmer war.
Er hielt sich die Nase zu, während er auf seinen Einsatz wartete.
Das erhebende Gefühl, der erste Mensch auf diesem Planeten zu sein, hatte sich schnell ins Gegenteil verkehrt. Ja, den Bewohnern hier war er sehr willkommen gewesen. Lange hatte man nach einem Ersatz für die aussterbenden Drohner gesucht. Und dann war ihnen Timm erschienen und hatte ihnen eine Lösung aufgezeigt.
Timm, die Speerspitze der expansionswilligen Menschheit. Timm, der Forschungsreisende. Timm, der Held, der den Menschen die Zukunft sichern wollte.
Timm, der nun am Ende der Reise angekommen war. Auf einem Planeten, auf dem er für die heimischen Spezies niederste Dienste leisten musste. In einem Damenklo auf Murks, dessen Spezies kein Klopapier kannten.
Doch es gab einen schwachen Trost. Wenn er auch nie wieder zu den Menschen zurückkehren würde, sie würden ihm folgen. Längst waren riesige Frachtschiffe zur Erde unterwegs, um seinesgleichen in Massen nach Murks zu transportieren, wo man mit ihnen die Toiletten des Planeten bestücken wollte. Denn die Menschen eigneten sich ganz hervorragend. Sie waren zwar nicht weniger empfindlich als die Drohner, aber sie waren zahlreich, klein und geschickt.