Der Feuerwald – Teil 2

Der Feuerwald

Teil 1 verpasst? Hier entlang!

Wie es sein eigener Plan vorsah, tat Sven aufs Heftigste erschrocken, was ihm bei diesem Anblick in keinster Weise schwerfiel.

„Welcher Narr wagt es, mich in meiner Ruhe zu stören?“, donnerte Dragen, derweil ihm der flammende Speichel von den monumentalen Eckzähnen tropfte.
„Oh, verzeiht, Herr Drache“, antwortete Sven und versuchte sich vorzustellen, er spräche mir seinem Nachbarn, Herrn Grimm, was ihm seltsamerweise erstaunlich gut gelang. „Ich wusste nicht, dass dies hier Eure Ruhestätte ist. Glaubt mir, es lag mir fern, Euch zu stören, bestenfalls wollte ich Euch warnen.“
„Mich warnen?“ Die Bestie lachte derartig, dass sie beinahe an den Lavaströmen aus ihren Nüstern erstickt wäre.
Das konnte Sven nur recht sein. Ein bisschen gute Laune konnte auch bei einem Drachen nicht schaden. Als Dragen den Hustenanfall überlebt hatte und Sven sicher war, dass sein Stimmchen wieder an die Ohren des Ungeheuers dringen konnte – sofern bei einem Drachen so etwas wie Ohren existieren – entgegnete er: „Natürlich, Ihr habt recht. Welche Gefahr könnte es schon geben, vor der ich Euch warnen müsste. So beachtet mich nicht weiter und lasst mich ziehen. Schließlich müsst Ihr Euch auf die wirklich großen Kämpfe vorbereiten.“ Damit wandte er sich zum Gehen.
„Halt, Bürschchen! Von welchen Kämpfen redest du?“ Dragen Fiur richtete sich weiter auf und seine Brust kam zum Vorschein, auf der eine Jugendmannschaft bequem ein Fußballspielchen hätte abhalten können, im ausgekühlten Zustand versteht sich.
„Oh, Ihr werdet leichtes Spiel mit ihnen haben, denn sie sind sicher einen Kopf kleiner als Ihr. Die meisten jedenfalls.“
Dragen Fiur schnaubte überrascht. „Die meisten? Wie viele sind es denn?“
„Ich bin klein, Herr Drache. Ich traute mich nicht, so lange in ihrer Nähe zu bleiben, dass ich sie zählen konnte. Aber ich denke, es werden kaum mehr als zehn sein. Und sie scheinen Euch sehr zu fürchten, denn sie kämpfen statt mit Euch mit den Pflanzen Eures Waldes. Sie haben schon einen guten Teil vernichtet.“ Sven bemerkte zu spät, dass er vielleicht zu weit gegangen war. Einerseits wollte er das Ungetüm von seinem Platz hinfort locken und fürchtete, ihm möglicherweise mit der Anzahl der Gegner Angst einzujagen, andererseits fiel ihm ein, dass der Drache mit seinem Wald eng verbunden war. Vermutlich würde er es spüren, wenn jemand eine derartige Verwüstung unter seinen Feuerpflanzen anrichten würde.

Tatsächlich blickte ihn Dragen misstrauisch an. Dann schüttelte er sich. „Ich fühle mich wirklich ein bisschen schwächer als sonst.“
Sven lächelte. Einbildung ist auch eine Bildung, sagte er sich. Doch das Lächeln verging ihm, als das Ungeheuer zu brüllen begann. „Dem muss sofort Einhalt geboten werden! Wo finde ich diese Wüstlinge?“ Das Ungetüm stemmte sich aus dem See und wuchs dabei zu einer Größe heran, die selbst der mächtige Schädel Dragens nicht hatte vermuten lassen.
„Nun, wenn Ihr mir versprecht, mich vor den Eindringlingen zu beschützen, werde ich Euch zu ihnen führen.“

Dragen Fiur war einverstanden und so ging Svens Plan auf und er selbst voraus, während der Feuerdrache ihm hinterherstampfte. Zufrieden mit sich selbst suchte Sven möglichst viel Zeit zu schinden und den Herrscher des Feuerwalds dabei so weit wie möglich vom See wegzuführen, damit Lesan und Hold gefahrlos aus den Heißen Wassern schöpfen konnten, um Zoupar weiterhin die Energie für den Schutz Wanaheils zu liefern.

Die Aufregung hatte ihn fast vergessen lassen, wo er sich befand, doch schon bald spürte er seine Umgebung wieder und die Hitze, verstärkt durch die Anwesenheit seines unangenehmen Begleiters, drängte alle anderen Gedanken und Wahrnehmungen zurück. Er war am Ende seiner Kräfte und getraute sich dennoch nicht, jetzt schon sein eigenes Leben zu retten. Doch mehr und mehr fürchtete er, sein Hinhalten könne in Dragen wieder das Misstrauen wecken.

Tatsächlich blieb dieser plötzlich stehen und fauchte, dass die Funken stoben. „Jetzt spüre ich es ganz deutlich! Jemand stiehlt mir meine Lebenssäfte!“
Da wusste Sven, dass Lesan und ihr Ritter das Reich des Drachen verlassen hatten. „Seht Ihr!“, rief er. „Die Räuber müssen ganz in der Nähe sein.“ Er mühte sich, am ganzen Körper möglichst auffällig zu schlottern, was ihm angesichts der Temperaturen höchst unpassend schien. „Ich bin kein Held und fürchte mich, ihnen näher zu kommen. Doch wenn ihr nur ein Stück weiter in diese Richtung geht, könnt ihr sie nicht verfehlen.“
In unübersehbarerer Erregung und ohne ein Dankeswort stürmte Dragen Fiur an ihm vorbei, eine Spur der Verbrennung in einem verbrannten Land hinter sich lassend. Sven dagegen beeilte sich, davonzukommen. Er hatte den Drachen nah an der Rand seines Machtbereichs geführt und brauchte nur noch wenige Meter hinter sich zu bringen, um aus dem Feuerwald zu treten. Dennoch hielt er nicht inne, bis er den Abstand um ein Vielfaches vergrößert und die Hitze deutlich nachgelassen hatte.

Nun fühlte er sich in Sicherheit, denn Dragen konnte außerhalb seines Waldes nicht überleben. Noch immer sah er die wütende Kreatur nahe des Waldrands toben, auf der Suche nach den erfundenen Gegnern.

Sven befand sich nun fast auf der gegenüberliegenden Seite des Feuerwalds und wusste noch einen weiten Weg vor sich, bis er den Treffpunkt erreichte. Dort aber sähe er Lesan wieder, hoffend, ihre Dankbarkeit für seine Taten würde endlich in größere Gefühle umschlagen.

Küchenspiele

Küchenspiele

Lisa und Moni umarmten sich.
„Ist der Neue schon da?“, fragte Lisa.
„Ja, er war mehr als überpünktlich. Wahrscheinlich noch ein bisschen nervös.“ Moni lachte. „Ich hab ihm schon mal gezeigt, wo alles steht. Du kannst gleich anfangen, ihn einzuarbeiten.“
Lisa nickte und ging am Tresen vorbei.
Moni hielt sie am Arm fest. „Ich bin fast ein bisschen neidisch auf dich. Er ist ja ein ganz schnuckeliger.“

Lisa gab nicht viel auf die Einschätzung ihrer Chefin. In den zwei Jahren, die sie jetzt bei ihr arbeitete, hatte sie nahezu jeden Kerl schnuckelig gefunden, wenn er denn nur jünger war als sie.

Als sie die Küche betrat, schluckte sie. Diesmal hatte Moni recht. Nun ja, nicht ganz. „schnuckelig“ war nicht wirklich der passende Ausdruck, für das, was sie jetzt zu sehen bekam. Der Mann war zu groß dafür, aber das fand Lisa alles andere als schlecht. Er wirkte männlich, sportlich und nicht übertrieben muskulös. Seine Augen, dunkel wie die Haare, versprachen Intelligenz und … Zärtlichkeit.

Lisa schaute schnell nach unten, während sich ihr Gegenüber aufrichtete und seine Hände, die eben noch eine Tomate geschnitten hatten, an der blauen Schürze abwischte. Diese Hände! Kaum waren sie in ihr Blickfeld gerückt, schon wünschte sie sie sich auf ihrer Haut. Sie spürte die sanften Fingerkuppen, wie sie unter ihrem Shirt um ihren Bauchnabel kreisten. Sie konnte fühlen, wie sich jedes einzelne Haar an ihrem Körper aufrichtete, roch sein Deo, das den Geruch nach Küche und Schweiß zu überdecken suchte.

„Hi, ich bin Frank.“ Er streckte ihr die Hand entgegen und Lisa starrte sie an. Es kam ihr vor, als seien Stunden vergangen, bevor ihr bewusst wurde, dass sie diese Hand jetzt tatsächlich berühren sollte, wenn auch weit zurückhaltender, als sie es sich eben noch vorgestellt hatte. Sie musste sich räuspern, bevor sie ein leises „Lisa“ herausbekam und zaghaft seine Hand ergriff.

Wieder verharrte sie, wollte den Moment nicht verstreichen lassen. Endlich riss sie sich zusammen und zog die Hand zurück. Den Blick zu Boden gerichtet, wollte sie sich abwenden, doch dann spürte sie erneut seine Hand, die die ihre umschloss.

„Jetzt, da ich dich kennengelernt habe, bin ich froh, dass ich die Chance bekommen habe, hier mit dir zu arbeiten.“ Mehr sagte er nicht, hielt nur weiter ihre Hand.

Für eine Sekunde kam ihr der Gedanke, er sei dreist. Dann erwiderte sie seinen Blick und las in seinen Augen, dass ihre Träume wahr werden würden. Hier in dieser Küche und darüber hinaus.

Für alle Zeit

Foto: ardni

Als er ihre Lippen berührte, spürte er, welche Macht sie über ihn haben könnte, von jetzt an und für alle Zeit. Doch als er in ihre Augen schaute, sah er, dass sie diese nie ausnutzen würde, heute nicht und zu keiner Zeit.

So gab er sich ihr hin, beruhigt und zugleich erregt, begierig auf die neue Erfahrung. Jede Berührung ein Kribbeln auf der Haut und im Herzen. Ihre Fingerspitzen das Spiel junger Gräser im Pflasterstein, ihr Atem der Hauch kühlenden Windes im Bunker, ihre Küsse erfrischende Tropfen in der Wüste.

Und als ihre Blicke ihn in die Kissen lockten, flüsterte sie ihm den Traum einer nahen Zukunft ins Ohr, heute Nacht und für alle Zeit.

Als er ihre Lippen berührte, spürte er, welche Macht sie über ihn haben könnte, von jetzt an und für alle Zeit. Doch als er in ihre Augen schaute, sah er, dass sie sie nie ausnutzen würde, heute nicht und zu keiner Zeit.
So gab er sich ihr hin, beruhigt und zugleich erregt, neugierig auf die neue Erfahrung. Jede Berührung ein Kribbeln auf der Haut und im Herzen. Ihre Fingerspitzen das Spiel junger Gräser im Pflasterstein, ihr Atem der Hauch kühlenden Windes im Bunker, ihre Küsse erfrischende Tropfen in der Wüste.
Und als ihre Blicke ihn in die Kissen lockten, flüsterte sie ihm den Traum einer nahen Zukunft ins Ohr, heute Nacht und für alle Zeit.