Mc Pom Fritz: Auf eigenen Beinen

So, jetzt bin ich aber echt in die Hufe gekommen, ne. Heute bin ich nämlich nur mit dem Bus nach Sanitz hingefahren. Da bin ich dann nicht wie sonst zum Supermarkt,  sondern zu ’nem Geschäft, wo man Fahrräder kaufen kann. Da gibt’s auch Motorräder und Autos, aber die darf ich ja noch nicht fahren, ne. Weil ich ja keinen Führerschein hab. Den kann man da aber auch machen. Aber eins nach dem anderen, ne.

Ich hab mir also ein Fahrrad gekauft, damit ich mobil bin. Und einen Anhänger, damit ich auch was transportieren kann. Ich hab lange gebraucht, bis ich mich entschieden hab. Ich wollte eins, wo ich mit auf der Straße fahren kann, aber das auch fürs Gelände taugt, damit ich auch mal in den Wald bei uns fahren kann.

Jetzt hab ich eins. Richtig mit Gangschaltung. 24 Gänge! Und mit Licht und mit Schutzblechen. Und mit Federung. Und mit Scheibenbremse. Weil der Verkäufer gesagt hat, das ist besser, ne. Und dann musste ich noch ein Schloss kaufen. Und eine Luftpumpe. Und eine Anhängerkupplung.

Weil das alles so viel gekostet hat, hab ich dann irgendwie keine Lust mehr gehabt, noch mehr Geld auszugeben, und hab nur ganz wenig zu essen gekauft. Aber ich freu mich! Hat echt Spaß gemacht, mit dem neuen Fahrrad nach Hause zu fahren. Ist zwar auch anstrengend, vor allem mit dem Anhänger, aber jetzt kann ich immer von zu Hause weg, auch wenn kein Bus fährt, ne. Sogar am Wochenende!

Nächste Woche guck ich dann mal, wo ich was für meine Wohnung kaufen kann. Damit sich der Besuch auch wohlfühlt bei mir, wenn er kommt. Muss dann nur noch hoffen, dass ich Arielle wiedertreffe, ne.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

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Das Geschäft auf dem WC

Foto: happydancing

Foto: happydancing

Der größte Tank kann einen nicht davor bewahren: Manchmal muss man auf der Autobahn einfach eine Zwischenstation einlegen. Eben weil man mal muss. Und schon ist man in den Händen der Abzocker!

Die A 7. Auf der Rückfahrt von Frankfurt nach Rostock. Die Anzeige verspricht einen noch beruhigend vollen Tank. Doch je näher man Hamburg kommt, desto schleichender wird der Verkehr. Im Stau schließlich stirbt die Hoffnung, man könne der Blase befehlen, noch bis zum heimischen Klo durchzuhalten.

Endlich eine Raststätte! Vorbei an der Tankstelle zum gut gefüllten Parkplatz. Dann, schon auf dem Weg, noch einmal umkehren. Das Geld nicht vergessen! Schließlich soll die freundliche Klofrau nicht leer ausgehen. Nun gut, so naiv denkt vermutlich keiner mehr. Klofrauen, freundlich oder nicht, gehören ganz sicher zu einer aussterbenden Spezies. In ein paar Jahren weiß niemand mehr, was das überhaupt ist.

Geld nicht vergessen!

Aber das Geld braucht man natürlich trotzdem. Denn ist man erst einmal durch den Einkaufs- und Gastronomiebereich hindurch, sieht man, wie sich die Bedürftigen an gleich drei Schranken-Automaten drängen, die an die Vorrichtungen in den Frankfurter U-Bahnhöfen erinnern. „SANIFAIR“ lässt sich überall lesen. Fairness wird offenbar großgeschrieben, wenn auch die arbeitslosen Klofrauen davon wenig haben.

Dann der Schock! 70 Cent möchte der Wechselautomat haben, damit man in das SANIFAIR-Reich eintreten darf. An die 30 Cent kann man sich mit Mühe noch erinnern, über die 50 Cent meckert man kaum noch, aber 70 Cent?

Ausgeklügelte Gutschein-Politik

Doch dann die Erleichterung vor der Erleichterung. Man bekommt 50 Cent wieder zurück. In Form eines Gutscheins, den man in der Raststätte für Speisen, Getränke und im Shop einlösen kann. Nicht nur an dieser Raststätte, sondern bundesweit an allen, die am SANIFAIR-System teilnehmen. Für die eigentliche Toilettenbenutzung zahlt man demnach nur noch 20 Cent! Es ist also billiger geworden, auf Deutschlands Autobahnraststätten aufs Klo zu gehen.

Vorausgesetzt man hat Hunger, Durst oder will noch shoppen gehen. Man sollte also tunlichst den Proviant zu Hause lassen und sich den Kofferaum erst hier mit allem möglichen unnützen Zeugs vollknallen. Sonst weiß man ja nicht, wofür man seinen Toilettengutschein verwenden soll.

Pfeffer an der Kasse

Und man sollte bei den Preisen in der Raststätte ein Auge zudrücken, denn essen, trinken und einkaufen sind an so einem Ort höchst exklusiv. Selbst das Selbstbedienungsrestaurant scheint sich mit der Sternegastronomie messen zu wollen, anders lässt sich die ausgefallene Preisstruktur einfach nicht erklären. Innerstädtische Tankstellen sind sicher weit von Discountern entfernt, aber im Vergleich zu einem solchen Angebot kann man sie getrost als Schnäppchenmarkt bezeichnen.

Glücklicherweise hat man ja 50 Cent von oben. Oder genauer gesagt aus der Keramik. So kommt man also für einen kombinierten Toilettengang mit Bockwurst und Brötchen für ganz knapp unter drei Euro davon. Wer jetzt rechnet, wird entdecken, dass er dafür problemlos zweimal in die WC-Welt von SANIFAIR eindringen könnte, wenn er sich die Gutscheine an die Wand nagelt und stattdessen seine Bockwurst inklusive Brötchen beim heimischen Imbiss kauft.

Leistung kostet auch auf dem Klo

Das hat den Vorteil, dass man essen kann, wenn man Hunger hat, und nicht, wenn man muss. Im doppelten Wortsinn. Denn wer nicht regelmäßig auf Autobahnraststätten angewiesen ist, wird wohl kaum SANIFAIR-Gutscheine sammeln, um sie möglicherweise während einer anderen Fahrt einzusetzen. In dem Fall kostet der zwar sehr hygienische, aber auch nicht unglaublich luxeriöse Gang aufs Klo eben 70 Cent.

Tank & Rast begründen die Aufstockung des Preises mit „dem deutlich verbesserten Leistungsumfang von SANIFAIR“. Da fragt man sich doch, ob das Management damit rechnet, dass kaum jemand seinen Gutschein einlöst, oder ob die Kosten für den SANIFAIR-Unterhalt in der Bockwurst stecken. Ich würde die Klofrau fragen, aber die ist ja längst eingespart.

Blogroman: 15 – Fahrrad fahren

Mona hasste diese Aufträge auf den letzten Drücker. Selbst, als sie noch aktiv im Geschäft gewesen war, hätte sie sich mehr Vorbereitungszeit gewünscht, nun aber war sie schon seit Jahren raus und musste sich sowieso erst wieder einfinden.
„Es ist wie Fahrrad fahren“, hätte Rainer zu ihr gesagt. „Man verlernt es nicht.“
Nur, dass man beim Fahrradfahren nicht ständig sein Leben riskierte. Nicht mehr jedenfalls, als man es sowieso schon tat, wenn man morgens aufstand.
„Hier ist es“, sagte der Taxifahrer.
Taxi, Flughafen, Taxi, dachte Mona, während sie dem Fahrer einen Schein reichte. So schnell hat einen die Vergangenheit eingeholt.
„Sind Sie sicher, dass Sie hier aussteigen möchten?“ Er schaute Mona an, als habe er ein zartes Kälbchen zur Schlachtbank gefahren.
„Auf Wiedersehen.“

Was bisher geschah