Nein!

© Aga & Miko (arsat)

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Jan stand der Mund offen. „Was hast du gesagt?“
„Nein!“ Tilo fiel es gar nicht schwer. Er zitterte nicht einmal.
Jan lachte und drehte sich zu Lukas um. „Hast du das gehört?“
Lukas nickte, schaute Jan einen Moment lang verunsichert an und stimmte dann in das Lachen ein.
„Unser kleiner Hosenscheißer wird plötzlich mutig.“ Jan wandte sich wieder Tilo zu. „Jetzt aber Schluss mit den Faxen! Rück die Kohle raus!“
„Nein!“ Es überraschte ihn selbst, wie entschieden das klang. Es würde die beiden nicht abhalten, das wusste er genau. Er hatte es längst zu spüren bekommen. Es war Monate her, doch er hatte es noch gut in Erinnerung. Die Schläge und Tritte, vor allem aber die Schmerzen. Jetzt lächelte er. „Heute brauche ich mein Taschengeld noch.“
„Wofür?“ Jans Frage klang nicht wirklich interessiert. Eher ein bisschen ratlos.
„Das geht dich nichts an. Nicht für mich jedenfalls.“ Tilo dachte an Anna. Würde sie ihn bewundern, wenn sie ihn jetzt sehen würde? Den Außenseiter, der nach der langen Zeit der Erniedrigung erstmals den Brutalos der Schule Paroli bietet. Er wusste es besser. Den größten Mut hatte er nur eine halbe Stunde zuvor aufgeboten. Nun war alles ganz leicht.

„Hosenscheißer! Konzentrier dich mal! Ich dachte, du hättest verstanden.“ Jan zeigte ihm seine Faust und Lukas tat es ihm nach. „Dein Taschengeld gehört uns. Keine Ausnahmen!“

Tilo zog den sauber gefalteten Schein aus der Hosentasche. Er hielt ihn hoch. Dann schloss er seine zierlichen Finger um die zehn Euro, presste sie an die Brust, drehte sich um und legte sich bäuchlings auf den Bürgersteig.

Er begann zu zählen. Bis zur Neun kam er, bevor er die Spitze von Jans Schuh zum ersten Mal in der Leiste spürte. Er krümmte sich, gab damit Lukas von der anderen Seite noch mehr Angriffsfläche. Er wand sich unter den Tritten, während sich die beiden an seinem Körper nach oben vorarbeiteten.

Gern hätte er wenigstens sein Gesicht geschützt, doch beide Hände verkrampften sich wie von selbst um den Geldschein. Zehn Euro, mit denen er heute Nachmittag Anna zu einem Eisbecher einladen durfte. Er konnte es noch gar nicht glauben: Sie hatte Ja gesagt!

Die besondere Zutat

Foto: Arctos

Foto: Arctos

Marlene rührte gedankenverloren das Gulasch um. Sie hatte sich besondere Mühe mit Rolands Lieblingsessen gegeben. Denn heute war ein besonderer Tag. Sein Tag. Der Vierzigste war schließlich nicht irgendein Geburtstag.

Sie probierte mit einem kleinen Löffel, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und probierte ein weiteres Mal. Fast perfekt.

Perfekt für Roland. Beinah bedauerte sie, wie sich alles entwickelt hatte. Doch sie hatte eine Entscheidung getroffen. Eine, wie sie endgültiger nicht sein konnte. Sie musste handeln, bevor das Leid, das er ihr antat, ihr den Verstand raubte.

Es fehlte nur noch diese besondere Zutat. Sie öffnete den Vorratsschrank und suchte zwischen den Gewürzen. Schnell hatte sie das kleine Döschen gefunden. Eine Prise genügte. Still verschwand das rotbraune Pulver in der brodelnden Soße. Ein Hauch von Weihnachten kitzelte ihre Nase. Ein Hauch von Rolands letztem Lächeln.

Sie sah sein Gesicht vor sich. Ein Gesicht, das vor Verzückung über das Mahl, Rolands letztes Abendmahl, in Zuckungen geriet. Verursacht nicht zuletzt durch das rotbraune Pulver. Die besondere Zutat für Roland. Marlene kannte niemanden, der diesen Hauch von Zimt an einem herzhaften Essen schätzte. Bis auf Roland.

Noch einmal rührte sie das Gulasch um, bevor sie sich an den Küchentisch setzte und sich eine Zigarette anzündete.

Sie gönnte Roland sein Lieblingsessen. Ob mit Zimt oder ohne. Sollte er noch einmal genießen, bevor sie mit ihm anstoßen würde. Und den Sekt würde er mit einem Glas Wasser herunterspülen, wie er es immer tat. Dass er den Geruch nach Bittermandeln nicht wahrnahm, hatte sie schon ausgetestet.

Sie kannte die Wirkung von Zyanid sehr gut. Lange hatte sie gedacht, Roland könnte der Erste sein, der nicht unter Krämpfen sterben müsste. Doch obwohl er nicht nur gut betucht, sondern auch kaum älter als sie und attraktiv war, obwohl er ihr jeden Wunsch von den Augen ablas, litt sie inzwischen unter seiner Anwesenheit, konnte ihn einfach nicht mehr ertragen, hatte ihn satt.

Sollte er sich noch einmal sattessen, bevor sie ihn beerbte.

Marlene rührte gedankenverloren das Gulasch um. Sie hatte sich besondere Mühe mit Rolands Lieblingsessen gegeben. Denn heute war ein besonderer Tag. Sein Tag. Der Vierzigste war schließlich nicht irgendein Geburtstag.
Sie probierte mit einem kleinen Löffel, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und probierte ein weiteres Mal. Fast perfekt.
Perfekt für Roland. Beinah bedauerte sie, wie sich alles entwickelt hatte. Doch sie hatte eine Entscheidung getroffen. Eine, wie sie endgültiger nicht sein konnte. Sie musste handeln, bevor das Leid, das er ihr antat, ihr den Verstand raubte.
Es fehlte nur noch diese besondere Zutat. Sie öffnete den Vorratsschrank und suchte zwischen den Gewürzen. Schnell hatte sie das kleine Döschen gefunden. Eine Prise genügte. Still verschwand das rotbraune Pulver in der brodelnden Soße. Ein Hauch von Weihnachten kitzelte ihre Nase. Ein Hauch von Rolands letztem Lächeln.
Sie sah sein Gesicht vor sich. Ein Gesicht, das vor Verzückung über das Mahl, Rolands letztes Abendmahl, in Zuckungen geriet. Verursacht nicht zuletzt durch das rotbraune Pulver. Die besondere Zutat für Roland. Marlene kannte niemanden, der diesen Hauch von Zimt an einem herzhaften Essen schätzte. Bis auf Roland.
Noch einmal rührte sie das Gulasch um, bevor sie sich an den Küchentisch setzte und sich eine Zigarette anzündete.
Sie gönnte Roland sein Lieblingsessen. Ob mit Zimt oder ohne. Sollte er noch einmal genießen, bevor sie mit ihm anstoßen würde. Und den Sekt würde er mit einem Glas Wasser herunterspülen, wie er es immer tat. Dass er den Geruch nach Bittermandeln nicht wahrnahm, hatte sie schon ausgetestet.
Sie kannte die Wirkung von Zyanid sehr gut. Lange hatte sie gedacht, Roland könnte der erste sein, der nicht unter Krämpfen sterben müsste. Doch obwohl er nicht nur gut betucht, sondern auch kaum älter als sie und attraktiv war, obwohl er ihr jeden Wunsch von den Augen ablas, litt sie inzwischen unter seiner Anwesenheit, konnte ihn einfach nicht mehr ertragen, hatte ihn satt.
Sollte er sich noch einmal sattessen, bevor er sie beerbte.Marlene rührte gedankenverloren das Gulasch um. Sie hatte sich besondere Mühe mit Rolands Lieblingsessen gegeben. Denn heute war ein besonderer Tag. Sein Tag. Der Vierzigste war schließlich nicht irgendein Geburtstag.

Sie probierte mit einem kleinen Löffel, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und probierte ein weiteres Mal. Fast perfekt.

Perfekt für Roland. Beinah bedauerte sie, wie sich alles entwickelt hatte. Doch sie hatte eine Entscheidung getroffen. Eine, wie sie endgültiger nicht sein konnte. Sie musste handeln, bevor das Leid, das er ihr antat, ihr den Verstand raubte.

Es fehlte nur noch diese besondere Zutat. Sie öffnete den Vorratsschrank und suchte zwischen den Gewürzen. Schnell hatte sie das kleine Döschen gefunden. Eine Prise genügte. Still verschwand das rotbraune Pulver in der brodelnden Soße. Ein Hauch von Weihnachten kitzelte ihre Nase. Ein Hauch von Rolands letztem Lächeln.

Sie sah sein Gesicht vor sich. Ein Gesicht, das vor Verzückung über das Mahl, Rolands letztes Abendmahl, in Zuckungen geriet. Verursacht nicht zuletzt durch das rotbraune Pulver. Die besondere Zutat für Roland. Marlene kannte niemanden, der diesen Hauch von Zimt an einem herzhaften Essen schätzte. Bis auf Roland.

Noch einmal rührte sie das Gulasch um, bevor sie sich an den Küchentisch setzte und sich eine Zigarette anzündete.

Sie gönnte Roland sein Lieblingsessen. Ob mit Zimt oder ohne. Sollte er noch einmal genießen, bevor sie mit ihm anstoßen würde. Und den Sekt würde er mit einem Glas Wasser herunterspülen, wie er es immer tat. Dass er den Geruch nach Bittermandeln nicht wahrnahm, hatte sie schon ausgetestet.

Sie kannte die Wirkung von Zyanid sehr gut. Lange hatte sie gedacht, Roland könnte der erste sein, der nicht unter Krämpfen sterben müsste. Doch obwohl er nicht nur gut betucht, sondern auch kaum älter als sie und attraktiv war, obwohl er ihr jeden Wunsch von den Augen ablas, litt sie inzwischen unter seiner Anwesenheit, konnte ihn einfach nicht mehr ertragen, hatte ihn satt.

Sollte er sich noch einmal sattessen, bevor er sie beerbte.