Manuschau: Haare

Alisha stellte das Wasser ab und schäumte sich die Haare ein. Fast automatisch nutzte sie die Gelegenheit, das nasse Haar glatt zu streichen und zu formen. Sobald es trocknete, strubbelte es sich sowieso wieder in die widerborstige Frisur zurück, gegen die vermutlich auch ein Udo Walz nichts ausrichten könnte.

(Aus dem Galan-Manuskript)

Galan: Echt krass!

Galan – HeimkehrIm Verlauf der nächsten Woche will ich die Rohversion von Heimatlos, der Auftaktfolge von Galan, fertigstellen. Das muss ich auch, wenn es mit dem ersten Teil der Serie noch vor Weihnachten klappen soll. Es steht ja auch noch ein bisschen Überarbeitung an.

Der Einstieg soll natürlich Lust machen auf mehr. Er wird etwas kürzer sein als die späteren Folgen und soll auch dauerhaft günstiger angeboten werden. Und obwohl die Geschichte sich natürlich gerade erst zu entfalten beginnt, passiert schon jede Menge. Freundschaft, Sehnsucht, Mut, Angst, Alpträume, Prügel, Schmerzen, rote Haare – alles drin. Sogar schon ein bisschen Magie und Mysterium. Echt krass! Glaubt ihr nicht? Büdde, der Beweis:

„Zum letzten Mal, lass los!“ Alisha traten Tränen in die Augen. Die Schmerzen jedoch spürte sie kaum noch. In ihr kochte eine Wut, die kurz vorm Überschäumen war. Irgendetwas würde gleich passieren. Irgendwas Krasses!

Mc Pom Fritz: So ein Müll!

Hoffentlich hat sie es nicht gesehn! Ja, ihr glaubt es nicht, ich hab Arielle wiedergesehn! Das verdanke ich nur meinem Fahrrad, ne. Ich kam heute zufällig genau zur richtigen Zeit vom Einkaufen nach Hause. Gerade als sie aus ihrem Auto stieg. Ein Golf, glaub ich. Rot, ne.

Und sie ist noch viel hübscher als Frau Hart! Wie eine richtige Prinzessin. Obwohl sie nur eine einfache, blaue Jeans und ein schwarzes Shirt trug. Und ihre Haare! Wie ein Meer aus geschmolzenen Kastanien. Wenn man das so sagen kann. Ne. Und ihre Lippen! Ich musste gleich an Erdbeeren denken.

Blöderweise hab ich  meinen Hauseingang total verpasst. Ich hab auch gar nicht mehr gucken können, wo ich hinfahr. Ein Stück weiter stehen die Müllcontainer, ne. Hoffentlich hat sie es nicht gesehn!

Ich bin gleich wieder aufgesprungen und einfach weitergefahren, ne. Bis zum Zigarettenautomat bei der Kneipe. Dabei rauch ich gar nicht. Am liebsten hätt ich mich dahinter versteckt. Aber ich wollte sie auch noch mal sehn. Und ich musste ja sowieso zurück zur 8, ne.

Da kam sie mir dann entgegen. „Hallo“, hat sie gesagt und mit dem Kopf genickt, sodass einige Strähnen das Grün ihrer Augen bedeckten. Wie elegant sie sie mit der kleinen Hand aus dem Gesicht gestrichen hat …

Ich hab ganz vergessen, sie auch zu grüßen. So was Blödes! Und dann hätte ich beinah noch den neuen Fernseher auf dem Anhänger vergessen. Schade, dass heute Abend nicht Arielle kommt. Den Film im Fernsehn mein ich jetzt, ne. Arielle heißt ja gar nicht wirklich Arielle. Schade, dass sie heute Abend nicht kommt …

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Das Messer

Foto: TheUmf

Foto: TheUmf

Plötzlich war da das Messer. Von einem Moment zum anderen hatte sie es in der Hand. Ein Kochmesser mit einer breiten Klinge, etwa 20 Zentimeter lang, schätzte er.

Warum tat sie das? Sie zerstörte alles! Wollte sie ihn töten?

Er sah das Schimmern auf dem Stahl. Schmeckte einen metallischen Geschmack. Hatte er sich gerade auf die Zunge gebissen?

Er trat einen Schritt zurück, löste seinen Blick von der Klinge. Ihre Augen fuchtelten wilder umher als das Messer, in dem nur ein leichtes Zittern gewesen war. Sie fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare, die längst keine Frisur mehr zeigten.

Lächelte sie? Oder löste sich nur ein Krampf von ihren Lippen? Sie folgte seiner Rückwärtsbewegung.

Er versuchte, zu beschwichtigen. Es sei doch alles nicht so schlimm und bis eben so schön gewesen. Er wollte ihr den Schweiß von der Stirn wischen, dann war sie über ihm.

Endlich begriff er, dass es mit ihm zu Ende gehen würde. Jedes Mal, wenn sie zustach, betäubte der neue Schmerz den vorigen. Er versuchte sich vorzustellen, wie er jetzt aussah. Er hatte nie besonders gut ausgesehen.

Bedauerlich, dass es so weit hatte kommen müssen. Ein Spiel mit bösem Ende. Sie hätten Spaß haben können in ihrer Küche. Vielleicht hätte er sie auch ins Schlafzimmer geführt. Aber sie hatte sich gewehrt. Mehr als alle vor ihr. Nun war sie die Letzte. Und war es doch nicht. Mit ihm ging es zu Ende.

 

Nach dem Wind

Nach dem Wind

Nach dem großen Wind war endlich wieder schönes Wetter. Lev Leo beschloss, einen kleinen Spaziergang zu machen. Da war er nicht der Einzige. Viele Tiere nutzten die Gunst der Stunde, um sich ein bisschen die Pfoten oder die Hufe zu vertreten.

Lev Leo traf als erstes Juba Flink, die Gepardin. „Einen schönen Tag“, rief Lev ihr zu.
„Tag“, antwortete Juba und kicherte.
„Was ist denn so lustig?“, wollte Lev wissen. Ihm war durchaus zum Lachen zumute.
„Ach, nichts“, sagte Juba, kicherte wieder und sprang dann mit ein paar langen Sätzen davon.

Merkwürdig, dachte Lev. Während er noch grübelte, was Juba so amüsiert hatte, begegnete er Conno Horn. „Hallo“, begrüßte er das Gnu.
„Hi“, antwortete Conno. „Was ist denn mit dir passiert?“
„Nichts“, sagte Lev. „Ich habe Juba getroffen. Die hat so komisch gekichert, als sie mich sah.“
„Aha“, machte Conno nur. Dann schnaubte er belustigt und graste grinsend weiter.
„Ist was?“, fragte Lev, aber Conno schnaubte nur ein weiteres Mal und grinste noch breiter.

Soll er doch grinsen, dachte Lev Leo. Davon lasse ich mir doch meinen Spaziergang nicht vermiesen. Er musste nicht weit gehen, da traf er auf Cuta Tüpfel. Die Hyäne war nicht gerade seine beste Freundin, dennoch wunderte es Lev Leo, als sie lauthals lachte. Er wollte sie erst gar nicht weiter beachten, doch dann hielt er es nicht mehr aus. „Was findest du denn so lustig?“
„Hat dir das noch niemand gesagt?“, fragte Cuta. Es fiel ihr sichtlich schwer, das Lachen zu unterdrücken.
„Was denn?“, fragte Lev ungeduldig.
„Komm, ich zeige es dir.“ Cuta ging mit Lev zum nächsten Wasserloch. „Schau da rein!“
Neugierig blickte Lev in das Wasser. Er sah sein Spiegelbild und erschrak: Der große Wind hatte seine Mähne ganz zerzaust. Die Haare standen ihm zu Berge. Das sah wirklich so lustig aus, dass Lev Leo über sich selbst lachen musste. Cuta stimmte mit ein und so saßen sie noch eine Weile am Wasserloch. Immer, wenn sich Lev gerade beruhigt hatte, schaute er ins Wasser und musste wieder lachen.

Schließlich half ihm Cuta, seine Mähne wieder zu richten. Als er wieder wie ein richtiger Löwe aussah, verabschiedete er sich von Cuta und versprach, nach dem nächsten großen Wind und vor dem nächsten Spaziergang auf seine Frisur zu achten.