Der Geisterorden: 52 – Kurz angebunden

Lisa stand kurz vor der Explosion. Tom griff nach ihrer Hand. Sie schnaubte, riss sich los und begann, auf und ab zu marschieren.
Er wandte sich an Mona. „Also, wo sind wir?“
„Redna.“
„Nie gehört.“
„Das wundert mich nicht.“
„Geht es vielleicht etwas ausführlicher?“, schrie Lisa dazwischen.
„Redna ist der Name für eine Parallelwelt.“

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Der Geisterorden: 50 – Hand in Hand

„Runter!“, schrie Mona und warf sich hinter den Tisch.
Tom zog Lisa mit sich. Noch im Fallen bemerkte er, wie Mona Tsieg schnappte und in ihrer Jacke verschwinden ließ. „Sie haben Verstärkung bekommen“, flüsterte er ihr zu.
Mona nickte und kontrollierte ihre Waffe.

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Der Held

Der Held

Matti kramte nach seinem Mut. Er musste doch irgendwo stecken. Ein Blick genügte, um zu sehen, dass die Situation sich noch immer nicht entschärft hatte. Der Typ stand weiterhin neben Sabine, drängte sich an sie ran, stöhnte genüsslich. Er war augenscheinlich betrunken, hatte den Mut gefunden, den Matti vergeblich suchte.

Er war für Sabine, die sich unbeeindruckt weiter mit Steffi unterhielt, nicht verantwortlich. Gern wäre er es gewesen und vielleicht hätte ihm ein wenig Mut dabei helfen können.

Matti schätzte den Gegner ab, der zu träumen schien, während er die Berührung mit Sabines Körper genoss. Sie stieß nur hin und wieder seine übermütige Hand weg, ließ ihn ansonsten gewähren. Was sollte sie auch anderes tun, wenn der einzige Kerl, der ihr zur Seite stehen könnte, ein Waschlappen war?

Der Typ war eher dick als muskulös, brachte sicherlich annähernd das doppelte Gewicht Mattis auf die Wage. Matti versuchte, mit Sabine Blickkontakt aufzunehmen, ihr wortlos zu verstehen zu geben, dass er das böse Spiel auf ihre Bitte hin jeder Zeit beenden könne. Sie schien ihn verstanden zu haben, winkte aber ab. Wie nobel von ihr, dass sie ihren schmächtigen Begleiter keiner Gefahr aussetzen wollte.

Der Betrunkene stellte sich jetzt hinter Sabine, rieb sich an ihrem Hintern. Sie unterbrach ihr Gepräch mit Steffi nur kurz, lächelte dann, als habe lediglich ein sanfter Windstoß ihr Kleid gelüftet. Doch das konnte ihr nicht gefallen. Jetzt ging es endgültig zu weit!

Matti ging um den Stehtisch herum, zögerlich, doch mit dem Willen zur Entschlossenheit. Er tippte dem Störenfried an die Schulter. Der Kerl erwachte aus seiner Trance, sah ihn an, als sei er der Osterhase.

„Ich glaube“, begann Matti zaghaft, „du belästigst die Dame.“ Es kam ihm mächtig geschwollen vor, was er da redete, zugleich aber gab es ihm ein gutes Gefühl. Wie ein Gentleman.

Sein Gegenüber wirkte auf einmal erstaunlich nüchtern, richtete sich auf, schaute ihn von oben herab an, ohne ein einziges Wort zu verlieren.

Matti trat einen Schritt zurück. Jetzt müsste er sich eigentlich in irgendeine kämpferische Stellung begeben. Doch dann ging alles ganz schnell. Der Typ schlug einfach zu. Krachend landete seine Faust auf Mattis Nasenrücken. Matti taumelte. Vor seinen Augen verschwamm alles. Nur schemenhaft sah er – war das Sabine? Sie konnte offenbar irgendeinen Kampfsport. Er knallte hart auf dem Boden auf. Dunkelheit.

Sabine beugte sich über ihn. „Na, mein Held. Tu so etwas nicht noch einmal! Ich sag dir schon, wenn ich dich brauche.“

Die Zeitung (Teil 1)

Foto: Pack-Shot

Foto: Pack-Shot

Niklas überlegte, ob er einfach vorbeigehen sollte. Schaute sie ihn an? Beinahe hoffte er, dass es nicht so war. Er riskierte einen kurzen Blick. Laura lehnte mit dem Rücken an der Hauswand und beobachtete ihn, während sie sich mit Vanessa unterhielt. Er überlegte, ob er die Mädchen ansprechen sollte, nickte dann aber einfach nur, eher ein unmotiviertes Wippen als ein richtiger Gruß. Sie reagierten nicht darauf und würdigten ihn keines Blickes mehr. Er hoffte, dass er nicht rot wurde und ging ins Haus.

Hatte er wirklich geglaubt, es würde sich etwas ändern, nur weil Lauras Familie in das Haus gezogen war, in dem auch er mit seinen Eltern lebte? Er war in der Schule Luft für sie, also war er es auch hier. Es war doch ohnehin utopisch. Er und das schönste Mädchen der Klasse.

Er ging zu den Briefkästen. Die meisten waren längst geleert. Zumindest die Zeitungen waren alle weg. Alle! Auch die von Herrn Morsch. Sehr seltsam. Er stieg die Treppe hinauf und klingelte beim Nachbarn. Es dauerte wie üblich eine Weile, bis sich die Tür öffnete. „Guten Tag, Herr Morsch, haben Sie Ihre Zeitung schon?“
„Hallo Niklas.“ Er schüttelte den Kopf. „Hast du sie denn nicht mitgebracht?“
„Sie war nicht da.“
„Hm, bist du sicher?“ Herr Morsch wirkte richtig niedergeschlagen. „Das ist aber traurig.“
„Ich bin sicher, da ist nur irgendwas schiefgelaufen“, tröstete Niklas. „Morgen ist sie bestimmt wieder da.“

Aber so war es nicht. Niklas trommelte ärgerlich mit den Fingern auf die Tür des leeren Briefkastens. Als er morgens aus dem Haus gegangen war, hatte er extra nachgeschaut. Die Zeitung war gebracht worden. Jemand musste sie zwischendurch geklaut haben.
„Na, wartest du auf einen Liebesbrief?“
Niklas fuhr herum. Vor ihm stand Laura und grinste. Er starrte sie an.
„Muss dir nicht peinlich sein.“
„Was? Nein, ist es nicht. Ich meine, nein, ich warte nicht. Nicht auf einen Liebesbrief.“ Was sprach er da für wirres Zeug?
„Worauf dann?“ Laura grinste immer noch.
„Die Zeitung von Herrn Morsch.“
„Meinst du, die kommt noch oder wartest du hier bis morgen früh?“
„Sie ist weg.“
Lauras spöttischer Gesichtsausdruck zeigte einen Anflug von Neugier. „Wer?“
„Die Zeitung. Heute Morgen war sie noch da und jetzt ist sie weg.“ Hörte sich das irgendwie vernünftig an?
„Was geht dich das an?“
„Aber ich bringe sie ihm doch jeden Tag, dem Herrn Morsch. Er kann nicht mehr so gut Treppen steigen, deshalb. Und er hat doch nicht viel mehr als seine Zeitung.“ Niklas staunte selbst, wie es aus ihm heraussprudelte. Warum erzählte er ihr das alles? Sie würde sich am Ende nur über ihn lustig machen.
„Du meinst, jemand hat dem armen Herrn Morsch die Zeitung geklaut?“ Lauras Blick wurde ernst.
Niklas nickte. Er spürte ein Prickeln in der Magengegend. Da standen sie nun und er hatte keine Ahnung, was jetzt geschehen würde.
Laura fuhr sich mir der Hand durch die Mähne mit den blonden Strähnen, in der sich sein Blick im Unterricht so gern verfing. „Und was hast du jetzt vor?“
„Keine Ahnung.“ Er hob die Schultern. „Wahrscheinlich werde ich die Zeitung einfach schon morgens vor der Schule mitnehmen.“
„Aber dann weißt du ja nie, wer sie weggenommen hat!“ In Lauras Augen blitzte Abenteuerlust auf. Sie packte ihn am Arm. „Nein, wir müssen den Täter stellen!“
Ihre Erregung steckte ihn an. Oder war es ihre Hand an seinem Arm? „Wie willst du das anstellen?“
„Weiß ich auch noch nicht. Aber uns fällt schon etwas ein.“ Sie schaute auf die Uhr. „Ich muss jetzt erst mal zum Mittagessen. Kannst du nachher vorbeikommen? Du weißt doch, wir wohnen direkt über euch. So um vier, ja?“

Als Niklas bei Herrn Morsch klingelte, musste er sich arg zusammenreißen. Schließlich hatte er ihm die traurige Nachricht zu überbringen, dass es heute wieder keine Zeitung gab. Dass Laura ihm vom Treppenabsatz noch einmal zuwinkte, machte es ihm nicht leichter, seine Freude zu verbergen.

Küchenspiele

Küchenspiele

Lisa und Moni umarmten sich.
„Ist der Neue schon da?“, fragte Lisa.
„Ja, er war mehr als überpünktlich. Wahrscheinlich noch ein bisschen nervös.“ Moni lachte. „Ich hab ihm schon mal gezeigt, wo alles steht. Du kannst gleich anfangen, ihn einzuarbeiten.“
Lisa nickte und ging am Tresen vorbei.
Moni hielt sie am Arm fest. „Ich bin fast ein bisschen neidisch auf dich. Er ist ja ein ganz schnuckeliger.“

Lisa gab nicht viel auf die Einschätzung ihrer Chefin. In den zwei Jahren, die sie jetzt bei ihr arbeitete, hatte sie nahezu jeden Kerl schnuckelig gefunden, wenn er denn nur jünger war als sie.

Als sie die Küche betrat, schluckte sie. Diesmal hatte Moni recht. Nun ja, nicht ganz. „schnuckelig“ war nicht wirklich der passende Ausdruck, für das, was sie jetzt zu sehen bekam. Der Mann war zu groß dafür, aber das fand Lisa alles andere als schlecht. Er wirkte männlich, sportlich und nicht übertrieben muskulös. Seine Augen, dunkel wie die Haare, versprachen Intelligenz und … Zärtlichkeit.

Lisa schaute schnell nach unten, während sich ihr Gegenüber aufrichtete und seine Hände, die eben noch eine Tomate geschnitten hatten, an der blauen Schürze abwischte. Diese Hände! Kaum waren sie in ihr Blickfeld gerückt, schon wünschte sie sie sich auf ihrer Haut. Sie spürte die sanften Fingerkuppen, wie sie unter ihrem Shirt um ihren Bauchnabel kreisten. Sie konnte fühlen, wie sich jedes einzelne Haar an ihrem Körper aufrichtete, roch sein Deo, das den Geruch nach Küche und Schweiß zu überdecken suchte.

„Hi, ich bin Frank.“ Er streckte ihr die Hand entgegen und Lisa starrte sie an. Es kam ihr vor, als seien Stunden vergangen, bevor ihr bewusst wurde, dass sie diese Hand jetzt tatsächlich berühren sollte, wenn auch weit zurückhaltender, als sie es sich eben noch vorgestellt hatte. Sie musste sich räuspern, bevor sie ein leises „Lisa“ herausbekam und zaghaft seine Hand ergriff.

Wieder verharrte sie, wollte den Moment nicht verstreichen lassen. Endlich riss sie sich zusammen und zog die Hand zurück. Den Blick zu Boden gerichtet, wollte sie sich abwenden, doch dann spürte sie erneut seine Hand, die die ihre umschloss.

„Jetzt, da ich dich kennengelernt habe, bin ich froh, dass ich die Chance bekommen habe, hier mit dir zu arbeiten.“ Mehr sagte er nicht, hielt nur weiter ihre Hand.

Für eine Sekunde kam ihr der Gedanke, er sei dreist. Dann erwiderte sie seinen Blick und las in seinen Augen, dass ihre Träume wahr werden würden. Hier in dieser Küche und darüber hinaus.