Der Feuerwald – Teil 1

Der Feuerwald

Sven starrte in das Feuer. Allein bei dem Anblick trat ihm der Schweiß in dicken Tropfen auf die Stirn. Was mache ich hier? Ich muss bescheuert sein. Er schaute zu Lesan. Ihr Blick aus den dunklen Augen ruhte auf ihm, als wolle sie ihn prüfen. Sie hob die Schultern. „Es tut mir leid, Haltar. Ich habe alles versucht, um dich nicht rufen zu müssen.“
„Ich weiß“, antwortete Sven und wusste wieder, warum er hier war. „Ich bin froh, dass du an mich gedacht hast. Und ich halte mein Wort: Wann immer du mich brauchst, will ich dir zur Seite stehen.“
„Dann los!“, sagte Hold und schritt voran.
Sven betrachtete den Recken und schmunzelte. Es war noch immer ein seltsames Gefühl, dass Königin Lesan Thiarna, die Auserwählte, auf die Hilfe eines Sonderlings aus der anderen Welt angewiesen war, wo ihr doch ein 1. Ritter treu ergeben war, dem Hollywood kein heldenhafteres Aussehen hätte verpassen können.

Er tat es Lesan gleich und verabschiedete sich von den Pferden. Dorthin, wo sie jetzt hingingen, konnten die Tiere sie nicht begleiten. Lesans Lächeln verlieh ihm Kraft und gemeinsam folgten sie Hold, der ohne jedes Zögern direkt auf den Feuerwald zumarschierte.

Die Nacht war taghell, mit jedem Schritt wurde es heißer und es fühlte sich an, als liefen sie direkt auf die Sonne zu. Einen Wald wie diesen hatte Sven noch nie gesehen. Die Bäume, wenn es denn welche waren, wirkten eher wie riesige Gräser. Sie standen so dicht, dass man den Eindruck hatte, man steuere auf eine geschlossene Wand zu. Eine Wand aus Feuer. Bestehend aus unzähligen spitzzüngigen Flammen, die sich dem Nachthimmel entgegenreckten und ihn in Brand setzten.

Sie erreichten Hold direkt vor der Waldgrenze. Er hatte die leeren Drachenlederschläuche von Zoupar abgelegt und sich seines Wamses aus demselben Material entledigt.
„Bist du verrückt?“, fuhr ihn Lesan an. „Hast du denn alles vergessen? Wenn du ungeschützt in den Wald gehst, wird es dir die Haut abschälen, bis du vollständig verbrennst!“
Hold sah sie ratlos an. „Und was soll ich nun tun, Herrin?“
„Zieh das Wams wieder an! Und vergiss den Gesichtsschutz nicht!“
Sven musste ein Kichern unterdrücken. Die Wan waren ein so schönes Volk, doch abgesehen von ihrer jungen Königin waren sie erbärmliche Trottel. So liebenswert sie das machte, manchmal konnte es einen an den Rand der Verzweiflung bringen. Für Sven allerdings bot das letztlich einen großen Vorteil, das war ihm durchaus bewusst. Endlich einmal fühlte nicht er sich als Trottel! Das stärkte das Selbstbewusstsein. Denn in Wanaheil wurde er bewundert, obwohl alle um ihn herum viel besser aussahen als er. Doch hier zählte seine Intelligenz und sein strategisches Geschick.

Viel sympathischer machte das den Feuerwald nicht. Und obgleich das Drachenleder an ihrem Körper das Schlimmste verhindern sollte, half es kaum gegen die Hitze. Schon nach wenigen Metern hätte Sven einen Saunagang mit seiner Familie, dieses wöchentliche Ritual, dem er sich seit Jahren vergeblich zu entziehen suchte, als willkommene Abkühlung empfunden.

Je weiter sie kamen, desto beschwerlicher wurde es. Der Schweiß sammelte sich unter dem Leder, statt zu verdampfen, und bildete einen Film aus kochender Flüssigkeit. Die Haut darunter brannte, als habe Sven es sich in einem Pizzaofen bequem gemacht. Das Blut pulsierte siedend heiß, in der Kehle kratzte die Trockenheit, der Kopf wollte zerspringen. Sein ganzer Körper bestand aus feurigem Schmerz. Der Geruch von schwitzendem Leder und verbrannter Haut stieg ihm in die Nase. In seinen Ohren summte es wie ein Schwarm Hornissen.

Dabei musste Sven immer wieder die Augen schließen, weil er das Gefühl hatte, er hielte sein Gesicht direkt in ein blendendes Lagerfeuer und müsse dabei unweigerlich erblinden. Die gleißende Helligkeit um ihn herum ließ ihn nur wenig erkennen. Nur einmal fiel ihm auf, dass selbst die Feuerpflanzen dicke, rötlich glitzernde Tropfen ausschieden.

Bei jedem Schritt kämpfte sein Geist mit dem verführerischen Gedanken umzukehren. Wenigstens den schweren Rucksack hätte er gern abgelegt, doch genau den würde er noch brauchen. Mit dem Ziel dieser Tour durch die Hölle wollte er sich allerdings gar nicht erst befassen.

Quälend war es auch, mit anzusehen, wie selbst das schöne Gesicht Lesans unter der Hitze litt. Anfangs hatte sie noch versucht, ihr Leiden zu verbergen, doch inzwischen hätte sie das zu viel Kraft gekostet. Wie ein verhungerndes Rehkitz schleppte sie sich vorwärts und Sven schien es, als hingen selbst die stolzen Spitzen ihrer Ohren ein wenig herab.

Auch Hold keuchte. Dabei schienen ihm die Strapazen noch am wenigsten auszumachen. Sven vermutete, dass der Ritter mit stoischer Ruhe in den Tod laufen würde, sollte Lesan das von ihm verlangen.

Doch plötzlich blieb der Recke stehen und überlegte. Langsam drehte er sich um und krächzte, als habe er seit der Entwöhnung von der Muttermilch nichts mehr zu trinken bekommen: „Ich glaube, wir sind am Ziel, Herrin.“
Lesan hob den Kopf. „Ja, hier sind wir. Im Zentrum des Feuerwalds an den Heißen Wassern. Hier lebt Dragen Fiur, der die Quelle des Waldes bewacht.“
Als Sven zu sprechen begann, fürchtete er, ihm würde die Stimme noch während der ersten Worte verloren gehen, um niemals wiederzukehren. „Wollt ihr noch etwas ausruhen, bevor wir den Plan in die Tat umsetzen?“
Lesan schüttelte kaum merklich den Kopf. „Je schneller wir diesen Ort verlassen können, desto besser.“
Sven bemühte sich, seine Strategie noch einmal ausführlich zu erklären, wobei er vor allem Hold fixierte. Glücklicherweise sah sein Plan vor, dass der 1. Ritter bei Lesan bleiben würde, die ihm zur Not noch einmal die genauen Anweisungen geben könnte.

Er wartete, bis sich die beiden außer Sichtweite befanden. Es kam ihm so vor, als wären Stunden vergangen, bis es endlich so weit war. Dann kroch er näher an den See heran, und setzte sich ans Ufer, als sei er ein Tourist an der Müritz. Doch gleich darauf sprang er wieder auf. Er hätte sich denken können, dass der Boden ihm den Hintern verbrennen würde.

Er schaute sich um. Lesan hatte recht gehabt. Weit und breit war nicht ein einziger Stein zu sehen. Sven öffnete seinen Rucksack und griff hinein. Selbst die Kaltsteine, die ihm Lesans Magier Zoupar mitgegeben hatte, waren so heiß, dass er sie trotz der Handschuhe kaum berühren konnte. Jeder andere Stein wäre längst geschmolzen.

Er nahm sich keine Zeit zum Zielen. Er hätte ohnehin nicht gewusst, welche Stelle in dem rot glühenden See die beste für sein Vorhaben war. Mit einem lauten Platschen und zischenden Dämpfen verschwand der Stein in den Lavafluten. Sven warf gleich noch einen zweiten hinterher, nach einer kleinen Pause einen dritten.

Als er sich erneut bückte, um den vierten Stein aufzunehmen, hörte er ein deutliches Brodeln, das die üblichen Geräusche der Heißen Wasser noch übertönte. Weit schneller, als er es sich bei diesen Temperaturen zugetraut hätte, fuhr er herum. Riesige Blasen entstanden um einen noch größeren Strudel in der Mitte des Sees. Dann hob sich ein Kopf aus dem dampfenden Rot, der die Dimensionen eines Kleinbusses hatte und aussah wie bei einer Kreuzung aus Krokodil, Nashorn und Flammenwerfer.

Weiter zu Teil 2.

Malthorns Sohn

Foto: 3drenderings

Foto: 3drenderings

Thelkar starrte seine Mutter an. Die Jahre harter Arbeit hatten Furchen in Isgaldas Antlitz getrieben. Wie oft hatte er bei diesem Anblick beschämt zu Boden geschaut und sich geschworen, seinen Tagträumereien ein Ende zu bereiten, um den Eltern mit all seinen Kräften zur Hand zu gehen. Doch dieses Mal empfand er nur den aufkommenden Ärger, als er ihre traurigen Augen sah. Er wollte etwas erwidern, doch er entschied sich anders.

Thelkar ging hinaus und stellte seinen Vater, der auf einem Schemel vor dem Haus saß und seine Axt schärfte. Als er seinen Sohn kommen sah, richtete Malthorn sich auf und blinzelte in die Abendsonne. „Sind die Tiere schon versorgt?“
„Nein, Vater“, antwortete Thelkar und gab sich keine Mühe, seine Wut zu unterdrücken. „Du hast im Krieg gekämpft?“
Malthorn blickte ihn überrascht an. Sein ganzer Körper, alt, aber immer noch stark, straffte sich. Dann ließ er die Schultern sinken. Alle Kraft schien mit einem Mal aus seinem Gliedern zu schwinden und er ließ sich zurück auf den Schemel fallen.
„Ist es so?“, hakte Thelkar nach. Sein Zorn kannte kein Mitleid mit der Schwäche des Vaters. „Stimmt es, was mir meine Schwester erzählt und Mutter bestätigt hat?“
Malthorn bedeutet ihm, sich vor ihm auf dem Boden niederzulassen. Widerwillig folgte Thelkar.
„Du bist nun ein junger Mann, mein Sohn. Der Tag musste kommen, an dem du die Wahrheit erfährst, wenn ich ihn auch lieber selbst bestimmt hätte.“
Er schwieg lange. Thelkar hielt nur der Respekt zurück, seinen Vater zum Weitersprechen anzutreiben.

„Der Krieg ist ein Scheusal“, fuhr Malthorn endlich fort. „Deine Geschwister haben erlebt, was es heißt, um den Vater zu bangen, zu fürchten, er könne ihnen im Kampf für immer verloren gehen. Schlimmer noch: Sie mussten erfahren, wie es selbst denjenigen ergeht, die nicht für Reich und König in die Schlacht ziehen. Denn der Krieg fordert auch von den Daheimgebliebenen seine Opfer.“ Malthorn seufzte.
Thelkar fragte sich, worauf der Vater hinauswollte. Konnte er nicht einfach die Frage beantworten?
„Ja, mein Sohn, ich habe im Krieg gekämpft. Viele Male. Doch ich bin immer ein Holzfäller geblieben. Ich kämpfte, weil ich dazu gezwungen war, nicht weil ich ein Held sein wollte. Denn Helden sterben auf dem Schlachtfeld und kehren niemals heim. Der Krieg nimmt sie ihren Familien für immer.“ Malthorn sah ihn eindringlich an.
Thelkar hielt dem Blick nicht stand und schaute auf seine Hände. Hände, die sein ganzes Leben lang nur die Werkzeuge eines Holzfällers und Bauern geführt hatten. Ja, er wünschte sich so sehr, ein Held zu sein. Für Reich und König wollte er kämpfen und die Feinde mit dem Schwert vor sich hertreiben. Seit er laufen konnte, war jedes Stück Holz für ihn eine Waffe, mit der er unsichtbaren Gegnern entgegentrat oder dem Vieh des Vaters das Fürchten lehrte. Und seit er denken konnte, hatten ihn seine Geschwister, allen voran Asura, dafür verspottet. Seine Geschwister, die so sehr nach den Eltern kamen und keinerlei Verständnis für seine Träumereien aufbrachten.

„Und dann kam der Tag, an dem ich zum Helden wurde“, erzählte Malthorn weiter. „Es geschah ohne jede Absicht, dass ich den Befehlshaber des feindlichen Heeres besiegte, als ich mich nur meiner Haut erwehren wollte. So wendete ich die Schlacht und sie sangen Lieder über mich.“
Erstaunt betrachtete Thelkar den Vater. Es fiel ihm schwer, sich den Mann in glänzender Rüstung vorzustellen, bejubelt von Kameraden und Heerführern.
„Mir wurde klar, als Held würde ich mein Haus und meine Familie verlieren, denn man erwartete mich von nun an allzeit in vorderster Front. Also verriet ich Reich und König und kehrte zu deiner Mutter und deinen Geschwistern zurück.“
Thelkar konnte einen entsetzten Ausruf nicht unterdrücken. „Du, ein Verräter? Hat man dich denn nicht verfolgt?“
„Doch. Der Mann, der mich verfolgte, ein Feldwebel, stand schon am Morgen nach meiner Rückkehr an dieser Tür.“ Malthorn zeigte auf die Eingangstür des Blockhauses, in dem Thelkar sein ganzes Leben verbracht hatte. „Aber er sah keinen Kriegshelden, sondern nur einen einfachen Holzfäller, der bei seiner Familie leben wollte, um sie zu beschützen. Er ist es, dem ich mein Leben verdanke und der auch in all den Jahren dafür gesorgt hat, dass weder ich noch meine Söhne in Kriege ziehen mussten, die nicht die unseren waren.“
Wieder schwieg Malthorn für einen Moment. Dann fuhr er fort: „Und auch du verdankst diesem Mann dein Leben, denn in der folgenden Nacht wurdest du gezeugt. Daher gaben wir dir seinen Namen.“

Nun war es Thelkar, der sich in nachdenkliches Schweigen hüllte. „Warum habt ihr mich belogen?“, fragte er schließlich.
„Schon, als du noch ein kleines Kind warst, konnten deine Mutter und ich in deinen Augen lesen, dass du anders bist als deine Geschwister. Wir ahnten, du würdest stets das Abenteuer suchen und der Krieg könnte dir keinen Schrecken einjagen. Um dich nicht zu verlieren, erzählten wir dir, dass der Fürst Menschen wie dich und mich nicht für den Dienst an der Waffe brauche. Wir wollten dich glauben machen, du würdest, selbst wenn du es wolltest, allenfalls für niedere Dienste abberufen. Doch glaube mir, mein Sohn, es kann keinen schlechteren Dienst als den an der Waffe geben. Also verzeihe uns die Lügen, denn wir sprachen sie aus Liebe und in Sorge um dich. Willst du mir versprechen, das Heldentum ein für alle Mal zu vergessen?“
Thelkar nickte langsam, schwieg aber und bat darum, sich zurückziehen zu dürfen.

Sein Ärger war verflogen. Nie hatte er sich ganz mit seinem vermeintlichen Schicksal abfinden können. Doch nun wusste er, dass er den Namen eines Kriegsmannes trug. „Thelkar!“ Er sprach ihn aus und empfand einen ganz neuen Klang dabei. Noch einmal sagte er ihn, lauter jetzt. Und schon im selben Moment fasste er einen Entschluss. Noch heute Nacht wollte er sich auf die Suche machen nach dem Mann, dessen Name er seit 16 Jahren trug. Seinen Eltern würde er nichts davon erzählen. Denn er, Thelkar, wollte Thelkar berichten, dass er bereit sei, endlich die Schuld des Vaters an Reich und König abzutragen.

Basierend auf der Geschichte „Lass sie nicht von dir singen“ von Klaus Mundt, erschienen in „Geschichten eines Krieges“, vph 2008.

Blogroman: 34 – Allein

Tom packte sie am Arm. Schneller, als er es erfassen konnte, bekam er dafür die Quittung. Mühsam richtete er sich wieder auf und rieb sich die schmerzende Schulter. Monas beinahe mitleidiges Lächeln reizte ihn noch mehr. „Was soll das? Wo willst du hin?“
„Wir müssen deine Ex finden.“ Mona wandte sich wieder zum Gehen.
„Was ist mit dem Jungen?“
„Wir können nichts für ihn tun.“
„Bleib stehen! Ich komme nicht mit dir mit!“ Tom stellte sich bereits in Abwehrhaltung und spannte die Beinmuskeln an, als müsse er einen Tauziehwettbewerb bestreiten.
Mona blieb stehen und drehte sich um. „So, kommt jetzt der kleine Held in dir hoch?“ In ihrer Stimme schwang wirklich ein bisschen Verwunderung mit. „Da drinnen sind drei schwer bewaffnete Killer.“
„Du hast schon einen von ihnen kaltgemacht.“ Tom wollte hart und cool klingen, doch bei dem Gedanken an die Leiche schüttelte es ihn.
„Bist du taub? Das sind drei, ich bin quasi alleine.“
„Wenn wir das Kind da rausholen, kannst du auf mich zählen. Ansonsten musst du mich schon umbringen, damit ich dich weiter unterstütze!“ Tom ärgerte sich, dass er in seiner Aufregung so einen verqueren Mist erzählte.
Mona aber lachte. „Ich glaube, dazu brauchst du mich nicht. Dann lass uns mal sehen, ob wir die Gefahr verringern können, dass du zum ersten und letzten Mal den Helden spielst.“

Was bisher geschah

Das Ende der Reise

Leuchtende Fliesen, copyright: BennoP

Verbissen schrubbte Timm das Weibchen der Gattung Wrings. Inzwischen war er im Umgang mit der großen Bürste einigermaßen geübt, und im Moment saß die Wrings ganz ruhig. Da er darum auch nicht um sein Leben fürchten musste, hing er seinen Gedanken nach. Wäre es nicht seine eigene Geschichte, die ihm durch den Kopf ging, er hätte lauthals losgelacht.

Hier war er nun angekommen, in einem großen Raum mit seltsam leuchtenden Kacheln. Fünf Jahre Studium, fast zehn Jahre Forschungstätigkeit und eine Expedition, die noch einmal dieselbe Zeit in Anspruch genommen hatte, hatten ihn hierher geführt. Viel hätte nicht gefehlt und er wäre hier gar nicht eingetroffen. Eine große Portion Glück hatte ihn den Absturz überleben lassen. Glück! Ha!

Die Wrings schob sich zurück und Timm musste achtgeben, dass sie ihn nicht zwischen sich und der Wand zerquetschte. Sie waren alles andere als intelligent. Aber sie waren groß. Und sie stanken.

Er war ohnehin fertig mit seiner Arbeit, sprang ab und läutete die Glocke. Während er der Wrings hinterherschaute, fiel ihm ein, wie man die Crew und ihn verabschiedet hatte. Sie waren schon damals als Helden gefeiert worden, als wären sie bereits erfolgreich zurückgekehrt, nicht erst hoffnungsfroh aufgebrochen. Aufgebrochen, neue Lebensräume zu erschließen und neue Kulturen zu entdecken. Nun war er der einzige Überlebende. Ein dummer technischer Defekt, als sie bereits den Erfolg feierten. Nur der Umstand, dass er sich gerade auf der Toilette befand, hatte ihn allein das Ziel erreichen lassen. Welche Ironie!

Beinahe gelassen schaute er zu, wie sich die nächste Wrings in die Kabine schob. Groß wie ein Elefant. Es waren meistens Wrings. Ihre Anzahl reichte ins Unendliche. Timm empfand es beinahe als willkommene Abwechslung, wenn ein Weibchen der Drunks oder der Korks zu ihm kam. Obwohl seine Arbeit auch dann um keinen Deut angenehmer war.

Er hielt sich die Nase zu, während er auf seinen Einsatz wartete.

Das erhebende Gefühl, der erste Mensch auf diesem Planeten zu sein, hatte sich schnell ins Gegenteil verkehrt. Ja, den Bewohnern hier war er sehr willkommen gewesen. Lange hatte man nach einem Ersatz für die aussterbenden Drohner gesucht. Und dann war ihnen Timm erschienen und hatte ihnen eine Lösung aufgezeigt.

Timm, die Speerspitze der expansionswilligen Menschheit. Timm, der Forschungsreisende. Timm, der Held, der den Menschen die Zukunft sichern wollte.

Timm, der nun am Ende der Reise angekommen war. Auf einem Planeten, auf dem er für die heimischen Spezies niederste Dienste leisten musste. In einem Damenklo auf Murks, dessen Spezies kein Klopapier kannten.

Doch es gab einen schwachen Trost. Wenn er auch nie wieder zu den Menschen zurückkehren würde, sie würden ihm folgen. Längst waren riesige Frachtschiffe zur Erde unterwegs, um seinesgleichen in Massen nach Murks zu transportieren, wo man mit ihnen die Toiletten des Planeten bestücken wollte. Denn die Menschen eigneten sich ganz hervorragend. Sie waren zwar nicht weniger empfindlich als die Drohner, aber sie waren zahlreich, klein und geschickt.

Das Ende der Reise

Verbissen schrubbte Timm das Weibchen der Gattung Wrings. Inzwischen war er im Umgang mit der großen Bürste einigermaßen geübt, und im Moment saß die Wrings ganz ruhig. Da er darum auch nicht um sein Leben fürchten musste, hing er seinen Gedanken nach. Wäre es nicht seine eigene Geschichte, die ihm durch den Kopf ging, er hätte lauthals losgelacht.
Hier war er nun angekommen, in einem großen Raum mit seltsam leuchtenden Kacheln. Fünf Jahre Studium, fast zehn Jahre Forschungstätigkeit und eine Expedition, die noch einmal dieselbe Zeit in Anspruch genommen hatte, hatten ihn hierher geführt. Viel hätte nicht gefehlt und er wäre hier gar nicht eingetroffen. Eine große Portion Glück hatte ihn den Sturz überleben lassen. Glück! Ha!
Die Wrings schob sich zurück und Timm musste Acht geben, dass sie ihn nicht zwischen sich und der Wand zerquetschte. Sie waren alles andere als intelligent. Aber sie waren groß. Und sie stanken.
Er war ohnehin fertig mit seiner Arbeit, sprang ab und läutete die Glocke. Während er der Wrings hinterherschaute, fiel ihm ein, wie man die Crew und ihn verabschiedet hatte. Sie waren schon damals als Helden gefeiert worden, als wären sie bereits erfolgreich zurückgekehrt, nicht erst hoffnungsfroh aufgebrochen. Aufgebrochen, neue Lebensräume zu erschließen und neue Kulturen zu entdecken. Nun war er der einzige Überlebende. Ein dummer technischer Defekt, als sie bereits den Erfolg feierten. Nur der Umstand, dass er sich gerade auf der Toilette befand, hatte ihn allein das Ziel erreichen lassen. Welche Ironie!
Beinahe gelassen schaute er zu, wie sich die nächste Wrings in die Kabine schob. Groß wie ein Elefant. Es waren meistens Wrings. Ihre Anzahl reichte ins Unendliche. Timm empfand es beinahe als willkommene Abwechslung, wenn ein Weibchen der Drunks oder der Korks zu ihm kam. Obwohl seine Arbeit auch dann um keinen Deut angenehmer war.
Er hielt sich die Nase zu, während er auf seinen Einsatz wartete.
Das erhebende Gefühl, der erste Mensch auf diesem Planeten zu sein, hatte sich schnell ins Gegenteil verkehrt. Ja, den Bewohnern hier war er sehr willkommen gewesen. Lange hatte man nach einem Ersatz für die aussterbenden Drohner gesucht. Und dann war ihnen Timm erschienen und hatte ihnen eine Lösung aufgezeigt.
Timm, die Speerspitze der expansionswilligen Menschheit. Timm, der Forschungsreisende. Timm, der Held, der den Menschen die Zukunft sichern wollte.
Timm, der nun am Ende der Reise angekommen war. Auf einem Planeten, auf dem er für die heimischen Spezies niederste Dienste leisten musste. In einem Damenklo auf Murks, dessen Spezies kein Klopapier kannten.
Doch es gab einen schwachen Trost. Wenn er auch nie wieder zu den Menschen zurückkehren würde, sie würden ihm folgen. Längst waren riesige Frachtschiffe zur Erde unterwegs, um seinesgleichen in Massen nach Murks zu transportieren, wo man mit ihnen die Toiletten des Planeten bestücken wollte. Denn die Menschen eigneten sich ganz hervorragend. Sie waren zwar nicht weniger empfindlich als die Drohner, aber sie waren zahlreich, klein und geschickt.

Kampf mit dem Zwerg

Kampf mit dem Zwerg (Foto: Mark William Penny)

Kampf mit dem Zwerg (Foto: Mark William Penny)

Als er ihm gegenüberstand, beschlich ihn das Gefühl, er beginge eine große Dummheit. Der grimmige Ausdruck im Gesicht des Zwergs erinnerte ihn schmerzlich daran, dass dieses Volk als eines der kämpferischsten galt. Einen Moment lang geisterten ihm Rückzugsgedanken durchs Hirn. Dann jedoch rief er sich im Stillen selbst Mut zu: „Ardon, reiß dich zusammen! Du bist hier, um eine edle Dame aus ihrer Notlage zu befreien. Sei der Held, der du immer sein wolltest und stelle dich dem Kampf. Die vielen Lehrjahre sollen nicht umsonst gewesen sein!“
So trat er vor und zog seinen Beidhänder. Selbst der Tod wäre ehrenvoll, dachte er, dann führte er einen ersten Schlag.
Der Zwerg wich aus. „Ich werde dich lehren, was es heißt, den Kampf mit Rodin, Sohn des Robin, aufzunehmen!“, brüllte der kleine Kerl und schwang seine Axt so geschickt, dass Ardon in arge Bedrängnis geriet.
Immer schneller und heftiger wurden die Angriffe des Zwergs und Ardon hatte Mühe, sich der Ratschläge seines ritterlichen Lehrmeisters Turo zu erinnern. „Lass dich nicht von der Leidenschaft übermannen. Verlagere dein Gewicht. Werde eins mit deiner Klinge. Überrasche deinen Gegner.“
Letzteres zumindest schien ihm mit der Zeit zu gelingen. Der Zwerg hatte wohl nicht mit der Wendigkeit des Menschen gerechnet. Ardon sah ihm an, dass er langsam müde wurde. Jetzt könnte er seine Jugend ausspielen.
Nach und nach streute er Finten und kleine Gegenangriffe in seine Abwehr ein. Er nutzte Bäume und Sträucher, um seinen Feind zu verwirren. Dann täuschte er vor, seine Kräfte schwänden. Als der Zwerg gerade mit einem breiten Grinsen zum finalen Schlag ausholte, stieß Ardon zu und rammte sein Schwert tief in die Brust Rodins.
Der Getroffene schrie nicht. Sein Blick, auf Ardon gerichtet, war Verwunderung und Anklage zugleich. Die kurzen Beine knickten ihm ein. Sein Atem wurde zu einem Röcheln. Noch immer schaute er Ardon an.
Der stieß immer tiefer zu. Wie von Sinnen stemmte er sich gegen seine Waffe, bis das Röcheln verklang und Rodins Augen ihr Licht verloren.
Ardon sank auf die Knie. Er konnte noch gar nicht fassen, was er soeben vollbracht hatte. Fast überwältigte ihn seine Tat.
Schließlich half ihm nur der Gedanke an die Herrin auf die Beine. Er zückte sein Messer und schnitt mit einiger Überwindung den Bart vom Kinn des Zwergs. Sorgfältig verstaute er ihn in der Tasche, in der sich bereits das Horn eines unachtsamen Einhorns und das Herz einer müden Waldelfe befanden. Nun könnte der Hofmagier die verlangte Wundersalbe herstellen, mit der sich die Herrin von einem unschönen Schönheitsfleck befreien wollte.