Ein-Satz: Gunther glaubte von Beginn an …

Gunther glaubte von Beginn an nicht an das Geschwätz. Ja, er hatte das Böse auch gespürt und spürte es noch immer. Und ja, er war sich sicher, etwas ging seit damals nicht mit rechten Dingen zu. Aber Elisabeth? Nein, die Herrin hatte nichts Teuflisches an sich. Sie selbst litt ja am meisten unter den Grauen der Nacht. Vielleicht war es …
„Hörst du nicht?“
Diederichs Frage holte Gunther aus seinen Gedanken. „Was?“
„Hol die Herrin, wir sind so weit!“
Wieder rannte Gunther durch den Regen. Als er die Treppe zum Haus erreichte, kam ihm Elisabeth bereits entgegen.

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Die ganze Geschichte

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Ein-Satz: Es waren die Nächte …

Es waren die Nächte, die das Unglück gebaren. Selbst der alte Gustav erklärte, er habe nie solch eine Dunkelheit erlebt, die sich am Abend gleich nach Sonnenuntergang auf das Gutshaus legte wie eine schwere Last. Der Wind rüttelte an Türen und Fenstern, und gleich, welches Wetter am Tage herrschte, des Nachts regnete es.
In den Sälen des Hauses zog es. Dennoch eilte sich niemand, seine Stube aufzusuchen, denn lag man erst im Bett, flüsterten die Stimmen, hinderten den Schlaf und schlichen sich in die Träume. Es war, als habe sich mit der Hochzeit ein Fluch erfüllt, und manche gaben gar der jungen Herrin die Schuld, wenngleich sie dies nur hinter vorgehaltener Hand aussprachen, denn wen der Herr bei solchem Freverl erwischte, den verwies er ohne Umschweife seiner Ländereien.

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Ein-Satz: Die Vorbereitungen …

Die Vorbereitungen für ihren Empfang hatten über eine Woche gedauert. Länger sogar, denn der junge Graf hatte schon viel früher Umbauten angeordnet, die Dienerschaft erweitert und Gärtner angeheuert, die das verwilderte Gelände vor dem Gutshaus in einen weitläufigen, blühenden Park verwandelten. Elisabeth sollte sich wohlfühlen in ihrem neuen Heim. Und anfangs schien es, als haben sich die Mühen gelohnt, die jeder Einzelne auf sich genommen hatte – selbst der junge Herr war sich nicht zu schade gewesen, wenn es Not tat, mit anzupacken. Gunther erinnerte sich noch gut an die vielen Ohs und Ahs, als die Braut der Kutsche entstieg. Eine solche Schönheit hätte er bis zu jenem Tag gar nicht für möglich gehalten. Und bis zur Hochzeit vervielfachte sich diese Schönheit noch, denn mit jeder Stunde, die Elisabeth an der Seite ihres Zukünftigen verbrachte, strahlte sie mehr, um Gunther schließlich bei dem berauschenden Fest wie eine Prinzessin aus märchenhaften Träumen zu erscheinen. Doch schon wenige Tage nach der glücklichen Feier schoben sich Wolken vor das sonnige Gemüt. Vielleicht eine dunkle Vorahnung. Vielleicht spürte die junge Herrin schön früher als alle anderen, das etwas nicht stimmte.

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Ein-Satz: Mit einem letzten Blick …

Mit einem letzten Blick auf Elisabeth verließ er den Raum. Bedächtig stieg er die breite Treppe hinab. Einen Moment verharrte er vor dem Bildnis des alten Grafen. Die letzten Stufen nahm er mit zwei riesigen Sätzen, rannte zum Ausgang und von dort zu den Stallungen. Der Regen durchnässte seine Jacke im Handumdrehen, doch Gunther nahm sich nicht einmal die Zeit, den Kragen hochzuschlagen. „Können wir denn nicht bald aufbrechen?“, rief er, noch bevor er bei Diederich angelangt war.
Der Stallmeister drehte sich nicht einmal um, während er den Kutschpferden das Geschirr anlegte. „Ah, der junge Herr Gunther. Ist er inzwischen geadelt worden, dass er mir Befehle geben darf?“
„Entschuldige, ich wollte dir nicht befehlen. Doch die Zeit drängt! Elisabeth muss fort!“
„Nun ist sie schon weit über zwei Jahre hier, da wird es auf den einen Moment mehr oder weniger auch nicht ankommen.“
Ja, sie war schon lange auf dem Gut. Viel zu lange. Gunther konnte sich des Gefühls nicht erwehren, jeder weitere Augenblick würde ihr nachhaltig schaden. Er erinnerte sich noch gut an den Tag, als er ihr das erste Mal begegnet war.

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Ein-Satz: Die Kutsche war noch nicht bereit

Die Kutsche war noch nicht bereit. Elisabeth stand am Fenster und schaute in den Regen, der das Gut schon seit dem frühen Morgen wie ein grauer Vorhang verhüllte. Gunther betrachtete die traurige Gestalt. Sie gehört hier nicht her. Er seufzte tief, dann straffte er sich.

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