Foto… was?

Vor einer Woche:

Ich bin auf Fotosafari in den Wäldern hinter Sanitz. Auf dem Rückweg kommt mir ein Vater mit zwei kleinen Töchtern entgegen.

Tochter 1: Ist das ein Jäger?

Vater: Nein.

Tochter 2: Ist das ein Mann?

Vater: Ja.

Tochter 1: Was macht der Mann hier?

Vater (amüsiert, mit Blick auf meinen Fotoapparat): Der jagt Fotos.

Tochter2: Ist das ein Fotografer?

Vater: Ja.

Tja …

© PBPfoto

 

Advertisements

Die Aliens

Die Aliens

© Raisa Kanareva

Es war mir gar nicht recht, dass Frau Hostilis mich wieder einmal vor der Holhalle abgefangen hatte. Sie war alles andere als eine meiner liebsten Nachbarinnen, schaffte es aber beinah täglich, mich irgendwo abzupassen und in eines ihrer so geliebten Gespräche unter Müttern hineinzuziehen. Ich wollte nach dem Einkaufen so schnell wie möglich nach Hause, aber die Höflichkeit gebot es, wenigstens einige Minuten Interesse zu heucheln.

Allein, es fiel mir nicht leicht und mein Blick schweifte zu Regina. Wenigstens musste sie sich nicht langweilen, denn sie verstand sich gut mit dem Sohn der Nachbarin, der ich nun wieder meine Aufmerksamkeit schenkte.

Doch nur kurz darauf wurde ich wieder abgelenkt. Die Kinder schienen etwas bemerkt zu haben und bewegten sich vorsichtig, aber zielstrebig darauf zu. Nur am Rande wunderte ich mich, wie Frau Hostilis ihrem Paullus so unverwandt den Rücken zukehren konnte, wo doch ihr Lieblingsthema Verantwortung war.

Was war das, was die Neugier der Kinder so vollständig auf sich zog, ihnen aber doch nicht ganz geheuer zu sein schien? Sie bewegten sich auf eine Gasse zu. Regina zog ein Stück des süßen Panis aus der Tasche und hielt ihn vor sich, als wolle sie ein Tier damit locken. Es schien zu wirken. Etwas kroch auf die Kinder zu. Noch langsamer und noch vorsichtiger als Regina und Paullus.

Einen Moment lang fühlte ich mich wie versteinert. Konnte nur beobachten, wie der Abstand zwischen Regina und den Aliens schmolz. Dann, einem Impuls folgend, wollte ich laufen und schreien …

Aber warum eigentlich? Die Aliens waren selbst noch Kinder, kaum älter als ihre Gegenüber. Dass sie sich aus ihren Ghettos bis hier ins noble Zentrum vorgewagt hatten, war noch erstaunlicher, als dass sie dabei bisher offenbar nicht erwischt worden waren. Selbst aus der Entfernung sahen sie ausgemergelt und hungrig aus. Und wohl auch dreckig. Wenn Regina jetzt so offen auf sie zuging, lag das daran, dass ich selbst ihr immer eingetrichtert hatte, man solle sich auch dem Fremden gegenüber aufgeschlossen zeigen. Was immer auch die öffentliche Meinung besagte, ich glaubte nicht, dass von diesen elenden Geschöpfen eine Gefahr ausgehen könnte. Waren doch eigentlich wir die, unter denen sie zu leiden hatten.

Es blieb mehr als ein wenig Unsicherheit, als ich mich wieder Frau Hostilis zuwandte. Zu spät! Selbst sie hatte inzwischen bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Erstaunlich schnell fuhr sie herum und noch schneller erfasste sie die Situation. Ein Aufschrei und schon stürmte sie auf die Gasse zu. „Kommt da weg! Weg da! Vertreib doch jemand dieses Gesindel!“
Ich war mir sicher, sie hätte den Aliens ihre traurigen Augen ausgekratzt oder ihnen gleich die Köpfe abgerissen, hätte sie sie zu fassen bekommen.

„Warum mögen die Leute die Aliens nicht?“
„Weil sie Fremde sind. Sie kommen von einem anderen Planeten.“
Regina überlegte kurz, während sie mir beim Kochen zusah. „Warum sind sie denn hergekommen?“
„Sie suchen hier Asyl.“ Ich sah ihr an, dass sie mich nicht verstand. „Sie kamen als Gäste und hoffen nun, für immer hier leben zu können. Leider gefällt das vielen nicht.“
„Warum gehen die Aliens dann nicht zurück? Ist es hier denn so viel schöner als bei ihnen zu Hause?“
Ich sah aus dem Fenster auf die Betonwüste der Stadt. Am Horizont sah ich die kahlen Berge. Es schien als stießen sie mit dem schmutzig-gelben Himmel zusammen, wo die kraftlose Sonne ihn bluten ließ. Eine Sonne, die schon bessere Zeiten gesehen hatte, wie ich aus den Geschichtsbüchern meines Urgroßvaters wusste. Mein Vater hatte sie mir einst in einer verschwörerischen Zeremonie vermacht. Sie berichteten von einer bunten Welt. Bunt von dem Leben auch außerhalb der Städte. Wie gern hätte ich Regina in eine solche Welt geboren.

Ich sah sie lange an. „Sie können nicht zurück. Sie haben ihren Planeten zugrunde gerichtet.“ Wieder schien sie nicht zu verstehen. „Ja, mein Schatz, sie haben ihre Heimat zerstört. Sie nannten sie Erde.“

Von Hunde- und Kindererziehung

Erziehung ist keine leichte Sache. Das gilt für den richtigen Umgang mit Hunden wie auch für die Kindererziehung. Können Eltern von Hundetrainern lernen?

Hundererziehung ist TV-tauglich geworden. Wer schaut nicht gebannt dem Hundeprofi Martin Rütter zu, wenn er uns Zugang in die Köpfe unserer geliebten Vierbeiner verschafft? Und wer hat nicht längst zumindest theoretisch verstanden, dass die Zauberformel zur Erziehung der Bellos zum großen Teil im Prinzip von Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsentzug steckt. Zuwendung von Herrchen oder Frauchen signalisieren dem Tierchen, es ist alles super, wendet sich der zweibeinige Mitbewohner ab, hat Doggie Zeit, über seine Fehler nachzudenken.

Klingt logisch. Und wenn man das nun einmal weiß, sollte es doch eigentlich klappen mit der Hundeerziehung. Leider fällt es den Herr- und Frauchen nicht leicht, sich von ihren  angestammten Verhaltensweisen zu lösen.  Wir Menschen neigen nun einmal dazu, zu tadeln und zu schimpfen, uns also ausgiebig mit dem Übeltäter zu beschäftigen. Wir sind eben keine Hunde.

Aber Moment! Wie ich gerade erst wieder in einem TV-Beitrag gesehen habe, sind Experten der Ansicht, dass wir uns  auch bei der Erziehung unserer eigenen Kinder ein Bein stellen. Wenn etwa ein Kind einem anderen Leid zufügt, sollen wir uns mit dem Opfer beschäftigen, indem wir es trösten, dem Täter dagegen keine weitere Beachtung schenken, indem wir tadeln und schimpfen. Andernfalls würde das Kind lernen, dass es  Aufmerksamkeit bekommt, wenn es etwas Unrechtes tut.

Ich bin kein Experte, aber auch das klingt in meinen Ohren logisch. Nehmen wir also einmal an, dass es stimmt. Warum müssen wir uns dieses Vorgehen dann erst antrainieren? Ich mag mich täuschen, aber meiner Erfahrung nach kommt das Prinzip in den allerwenigsten Familien zur Anwendung, erst recht nicht, wenn sie noch nie etwas davon gehört haben. Da geht es den Eltern offensichtlich nicht anders als den Hundehaltern.

Liegt es also in der Natur des Menschen, nicht die effektivsten Erziehungsmethoden anzuwenden, oder  haben wir diese Fähigkeit in tausenden Jahren Zivilisationsgeschichte verloren? Sind uns Hundemütter (inzwischen) in der Erziehung überlegen? Oder sind solche Erkenntnisse eben doch nur den Tier- und Menschenpsychologen zu verdanken, haben ihre Wurzeln gar nicht in natürlichen sozialen Verhaltensweisen?

Immerhin hat Rütter auf dem Weg zum Herrchen- und Frauchentrainer unter anderem Dingos in Australien beobachtet, es ist also anzunehmen, dass seine Ideen natürlichen Vorbildern folgen.