Mc Pom Fritz: So ein Müll!

Hoffentlich hat sie es nicht gesehn! Ja, ihr glaubt es nicht, ich hab Arielle wiedergesehn! Das verdanke ich nur meinem Fahrrad, ne. Ich kam heute zufällig genau zur richtigen Zeit vom Einkaufen nach Hause. Gerade als sie aus ihrem Auto stieg. Ein Golf, glaub ich. Rot, ne.

Und sie ist noch viel hübscher als Frau Hart! Wie eine richtige Prinzessin. Obwohl sie nur eine einfache, blaue Jeans und ein schwarzes Shirt trug. Und ihre Haare! Wie ein Meer aus geschmolzenen Kastanien. Wenn man das so sagen kann. Ne. Und ihre Lippen! Ich musste gleich an Erdbeeren denken.

Blöderweise hab ich  meinen Hauseingang total verpasst. Ich hab auch gar nicht mehr gucken können, wo ich hinfahr. Ein Stück weiter stehen die Müllcontainer, ne. Hoffentlich hat sie es nicht gesehn!

Ich bin gleich wieder aufgesprungen und einfach weitergefahren, ne. Bis zum Zigarettenautomat bei der Kneipe. Dabei rauch ich gar nicht. Am liebsten hätt ich mich dahinter versteckt. Aber ich wollte sie auch noch mal sehn. Und ich musste ja sowieso zurück zur 8, ne.

Da kam sie mir dann entgegen. „Hallo“, hat sie gesagt und mit dem Kopf genickt, sodass einige Strähnen das Grün ihrer Augen bedeckten. Wie elegant sie sie mit der kleinen Hand aus dem Gesicht gestrichen hat …

Ich hab ganz vergessen, sie auch zu grüßen. So was Blödes! Und dann hätte ich beinah noch den neuen Fernseher auf dem Anhänger vergessen. Schade, dass heute Abend nicht Arielle kommt. Den Film im Fernsehn mein ich jetzt, ne. Arielle heißt ja gar nicht wirklich Arielle. Schade, dass sie heute Abend nicht kommt …

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Blogroman: 33 – Tsieg

Lisa stand vor der Mülltonne. Warum war immer alles so schwer? Sie betrachtete die unförmige Figur in ihrer Hand. Sie hatte ihr einmal viel bedeutet. Nicht, weil sie so besonders schön war. Sie war sogar ausgesprochen hässlich. Das hölzerne Gesicht eine schwarze Fratze, der dunkle Rumpf ein dickleibiges Ei und die Beine viel zu kurz. Aber sie besaß eine Geschichte. Eigentlich sogar zwei.

Lisa erinnerte sich genau, wie Tom ihr das Ding vom Flohmarkt mitgebracht hatte. „Der Verkäufer war ein seltsamer Vogel, wie man ihn sich in einem Märchenfilm vorstellt. Er trug einen schäbigen Hut mit bunten Bändern dran, machte einen südländischen Eindruck und sprach gebrochen Deutsch. Er sagte mir, das sei Tsieg, der Geist des Übergangs, der seinen Besitzer beschützen und in fremde Welten führen könne.“

Lisa war begeistert gewesen. Sie mochte alles, was mit Mystik und Zauberei zu tun hatte. Mehr noch aber zählte die Geste, denn Tom fand diesen ganzen Märchenquatsch albern. Dass er dennoch an sie gedacht und sich die Erzählungen des Verkäufers so genau eingeprägt hatte, wurde zu ihrer ganz persönlichen Geschichte.

Konnte sie nur neu anfangen, wenn sie das Relikt ihrer alten Beziehung in die Mülltonne warf? Und war es nicht doch noch zu früh? Gerade erst war die schönste Nacht ihres Lebens so unsanft beendet worden. Sie hatte die Frau nicht gesehen, die da an die Tür gepoltert hatte, aber sie hatte sie keifen hören. Sie wollte Lars glauben, dass mit seiner Ex lange Schluss war und sie nicht jeden Morgen an seine Tür pochen und ihn um Hilfe bitten würde. Und irgendwo gab es auch eine leise Stimme in ihr, die es rührend fand, dass er sie nicht einfach wieder nach Hause geschickt hatte.

Aber nun war sie wieder unsicher. Sie steckte Tsieg zurück in die Handtasche und ging ins Haus. Die Wohnungstür war aufgebrochen!

Was bisher geschah