Blogroman: 22 – Hinter dem Bett

Die Tür war aufgebrochen und stand einen Spalt breit offen. Mona hielt Tom zurück, der drauf und dran war, in die Wohnung zu stürmen. „Sind Sie sicher, dass die Einbrecher schon fort sind?“, flüsterte sie. Um einen sarkastischen Tonfall musste sie sich gar nicht erst bemühen.
Er antwortete nicht, aber sie sah ihm an, dass es ihm peinlich war.
Sie zog ihre SP und schmunzelte, als sie sein Erschrecken sah. „Bleiben Sie stehen, bis ich Sie rufe!“ Die Pistole im Anschlag schob sie die Tür weiter auf und betrat die Wohnung Lisa Altmanns. Schon im Flur waren die Schubladen aus einer eher geschmacklosen Kommode gerissen. Mona musste sehr vorsichtig sein, um nicht über eine von ihnen zu stolpern. Langsam näherte sie sich dem ersten Raum. Der Vorhang war gewaltsam zur Seite gerissen worden, seine Verankerung hatte sich auf der einen Seite gelöst. Es roch nach Parfüm. Mona ahnte, dass sie sich dem Badezimmer näherte. Sie spähte hinein. In dem kleinen Raum glitzerten die Scherben des Spiegels und diverser Parfümfläschchen auf dem Fußboden. Eine der bräunlichen Duschkabinenwände war gesprungen.
Sie schob sich weiter zum nächsten Zimmer. Die Tür knarrte, als sie sie langsam öffnete. Über den Lauf der Halbautomatik schaute sie sich um. Das Schlafzimmer. Die Kissen und Decken auf dem Doppelbett waren durchwühlt, der Kleiderschrank stand offen, sein Inhalt zu großen Teilen auf dem Fußboden verstreut. Zur Sicherheit schaute sie hinter das Bett. Dann ging sie in die Hocke und beugte sich vor, um auch unter dem Bett nachzusehen.
Im Flur tat es einen lauten Knall.

Was bisher geschah

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Blogroman: 9 – Kein cooles Date

Tom sog die Luft ein.
„Jasmin“, sagte sie.
„Angenehm, Tom“, sagte er zynisch.
„Das Parfüm“, sagte sie.
„Ah so.“ Es ging ihm eigentlich am Arsch vorbei, welcher Duft das war. Es war in jedem Fall derselbe, den er schon in der Wohnung gerochen hatte.
Er schaute aus dem Autofenster in die vorbeifliegende Nacht. Er biss sich auf die Lippen, wollte den Ausbruch verhindern. Er, der er immer versuchte, den äußeren Schein zu wahren. Sogar als Lisa ihn verlassen hatte, war er scheinbar die Coolness in Person gewesen.
Doch diese Situation überforderte selbst ihn. Der Schlüssel, der Einbruch, das Chaos im Arbeitszimmer, der Niederschlag und jetzt das: Er saß auf der Rückbank eines BMW und eine ihm fremde Frau richtete vom Beifahrersitz aus eine Waffe auf ihn.
„Verdammt! Was wollen Sie von mir?“
„Zunächt einmal, dass du nicht zu den Bullen rennst.“
„Sie müssen mich verwechseln. Ich bin nur ein stinknormaler Gebäudereiniger. Was könnte ich Ihnen schon nutzen?“
„Das lass mal unsere Sorge sein.“
Tom schaute die Frau an. Unter anderen Umständen hätte er versucht, sie aufzureißen. „Wo bringen Sie mich hin?“
Die Frau grinste. „Es wird dir dort nicht gefallen.“

Was bisher geschah

Blogroman: 6 – Die Tür

Tom war allein. Abgesehen von dem Chaos im Arbeitszimmer und der Beule am Hinterkopf deutete nichts auf einen Einbrecher hin. Fast nichts. Als er in die kleine Abstellkammer schaute, glaubte er einen schwachen Geruch wahrzunehmen, der ihn an etwas erinnerte, den er aber nicht einordnen konnte. Ein Parfüm vielleicht. Eher einer Frau zuzurechnen.
Tom ließ sich auf seine Couch fallen. Was sollte er jetzt tun? Die Polizei rufen. Das Mobilteil lag auf dem Wohnzimmertisch. Im Arbeitszimmer hätte er es sicher nicht so schnell gefunden. Er wählte schon, als ihm bewusst wurde, dass er kein Freizeichen gehört hatte. Er drückte die rote Taste, dann die grüne. Nichts. Er versuchte es wieder und wieder. Nicht einmal ein Rauschen im Hörer. Er suchte im Arbeitszimmer nach der Basisstation. Sie lag neben dem Schreibtisch, Netz- und Telefonkabel waren durchtrennt. Er griff in die Brusttasche seiner Jacke, die er noch immer am Leibe trug. Sie war leer. Dabei war er sich sicher, dass das Handy noch an seinem Platz gewesen war, als er vor der Tür nach seinem Schlüssel gesucht hatte. Er fand es aber weder in einer anderen Tasche noch dort, wo er aus der Bewusstlosigkeit erwacht war.
Er fluchte, als ihm klar wurde, dass er wohl noch einmal aus dem Haus musste. Am liebsten wäre er einfach ins Bett gegangen. Aber diese Sache machte ihm Angst und er wollte wissen, was dahinter steckte.
Als er die Wohnung verließ, untersuchte er die Tür. Es waren keine Einbruchsspuren zu entdecken. Entweder ein Profi oder jemand hatte den Schlüssel gehabt. Aber seit Lisa sich von ihm getrennt hatte, war er selbst der Einzige, der dafür in Frage kam.

Was bisher geschah