Mc Pom Fritz: Eine schlechte Wahl

Ich hatte ein scheußliches Wochenende. Bianca hat sich von mir getrennt. Vielleicht auch nicht, denn wir waren ja noch gar nicht so richtig zusammen. Glaub ich jedenfalls, ne.

Dabei hat es so schön begonnen. Zum zweiten Mal war ich mit ihr einkaufen. Und diesmal hat uns Brad nicht gestört. Also er war gar nicht da, mein ich. Bianca war fröhlich und wir haben viel gelacht. Auch auf der Rückfahrt.

Als wir fast zu Hause waren, hat Bianca auf eins der Wahlplakate in unserer Straße gezeigt und gemeint, die müsste nun endlich mal jemand abhängen, die Wahl wäre schließlich vorbei. Klar, hab ich gesagt, mach ich nachher gleich. Die NPD kann sich ja schließlich nicht um alles kümmern.

Da hatte ich wohl irgendwas falsch verstanden. Bianca trat sofort auf die Bremse und guckte mich ganz wild an. Ob ich die etwa auch gewählt hätte. Ich wusste gar nicht, was ich antworten sollte. Ich wollte ja nicht lügen, ne. Aber ich hab auch gemerkt, dass Bianca die Antwort irgendwie nicht gefallen würde.

Sie hat trotzdem irgendwie gewusst, was ich gesagt hätte. Steig sofort aus meinem Auto!, hat sie gesagt. Und dass ich Glück hätte, dass wir schon zu Hause wären. Und ich sollte nicht auf die Idee kommen, sie am Freitag wieder zum Einkaufen abzuholen. Oder sie überhaupt wiederzutreffen.

Dann hat sie mich stehen lassen. Ich hab da noch lange gestanden. Sie hat sich nicht mehr umgedreht. Meine Einkäufe hat sie im Auto gelassen. Die hat sie mir am nächsten Tag einfach vor die Tür gestellt. Aber erst mal stand ich da noch. Keine Ahnung, wie lange. Ich wär am liebsten gestorben. Auch später auf meiner Couch. Da hab ich auch die letzten zwei Nächte geschlafen. Ist doch egal, ob auf der Couch oder der Matratze!

Ich hab heute Morgen überlegt, ob ich überhaupt zur Arbeit gehe. Aber dann bin ich doch los, ne. Und als ich dann auf Arbeit war, wollte ich gar nicht mehr aufhören zu arbeiten. Wolf hat mich gefragt, was denn los wäre. Aber ich hab nur geschrien, er soll mich in Ruhe lassen.

Ob ich morgen zur Arbeit geh, weiß ich noch nicht. Aber wenn ich zu Hause bleib, werd ich noch verrückt. Deshalb hab ich das jetzt auch endlich geschrieben. Ich glaub, ich muss mich bei Wolf entschuldigen, ne.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

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Leben

Leben

Er lebte noch! Hatte den unmöglichen Weg hinaus gefunden, vorbei an den Sicherheitsschützen, menschlichen wie computergesteuerten. Hinaus ins Unmögliche. In die Todeszone, die ihm letztlich das Leben nehmen musste.

Denn nichts Lebendiges konnte hier existieren, außerhalb der Stadtmauern. Das hatte man ihn von Kindesbeinen an gelehrt.

Doch längst hatte ihn alles Leben verlassen, noch in der großen Stadt. Ein letzter Wunsch war sein einziger Antrieb gewesen: Die Grenze zu überschreiten und selbst zu prüfen, ob es wahr war, was man ihm beigebracht hatte, selbst wenn er damit auch seinem Körper den Tod brachte.

Weiter und weiter ging er, erwartete jeden Moment zu sterben und hoffte, vorher noch etwas zu sehen, das mehr war als toter Stein.

Und dann sah er es: Ein Gebilde, wie er noch nie zuvor eines gesehen hatte. Zart war es und klein. Auf einem grünen Stiel ragte es aus den Steinen hervor, denn selbst war es kein Stein und angefüllt mit Farbe. Hell leuchtete ein roter Kopf, der aus unzähligen kleinen Kügelchen zu bestehen schien und in dem Federn steckten, weißblau und weitaus gleichmäßiger als die der Grauvögel.

Sie fingen seine Tränen auf, als er erkannte, dass er das Leben in der Todeszone entdeckt hatte.

 

Leben
Er lebte noch! Hatte den unmöglichen Weg hinaus gefunden, vorbei an den Sicherheitsschützen, menschlichen wie computergesteuerten. Hinaus ins Unmögliche. In die Todeszone, die ihm letztlich das Leben nehmen musste.
Denn nichts Lebendiges konnte hier existieren, außerhalb der Stadtmauern. Das hatte man ihn von Kindesbeinen an gelehrt.
Doch längst hatte ihn alles Leben verlassen, noch in der großen Stadt. Ein letzter Wunsch war sein einziger Antrieb gewesen: Die Grenze zu überschreiten und selbst zu überprüfen, ob es wahr war, was man ihm beigebracht hatte, selbst wenn er damit auch seinem Körper den Tod brachte.
Weiter und weiter ging er, erwartete jeden Moment zu sterben und hoffte, vorher noch etwas zu sehen, das mehr war als toter Stein.
Und dann sah er es: Ein Gebilde, wie er noch nie zuvor eines gesehen hatte. Zart war es und klein. Auf einem grünen Stiel ragte es aus den Steinen hervor, denn selbst war es kein Stein und angefüllt mit Farbe. Hell leuchtete ein roter Kopf, der aus unzähligen kleinen Kügelchen zu bestehen schien und in dem Federn steckten, weißblau und weitaus gleichmäßiger als die der Grauvögel.
Sie fingen seine Tränen auf, als er erkannte, dass er das Leben in der Todeszone entdeckt hatte.Er lebte noch! Hatte den unmöglichen Weg hinaus gefunden, vorbei an den Sicherheitsschützen, menschlichen wie computergesteuerten. Hinaus ins Unmögliche. In die Todeszone, die ihm letztlich das Leben nehmen musste.Denn nichts Lebendiges konnte hier existieren, außerhalb der Stadtmauern. Das hatte man ihn von Kindesbeinen an gelehrt.

Doch längst hatte ihn alles Leben verlassen, noch in der großen Stadt. Ein letzter Wunsch war sein einziger Antrieb gewesen: Die Grenze zu überschreiten und selbst zu überprüfen, ob es wahr war, was man ihm beigebracht hatte, selbst wenn er damit auch seinem Körper den Tod brachte.

Weiter und weiter ging er, erwartete jeden Moment zu sterben und hoffte, vorher noch etwas zu sehen, das mehr war als toter Stein.

Und dann sah er es: Ein Gebilde, wie er noch nie zuvor eines gesehen hatte. Zart war es und klein. Auf einem grünen Stiel ragte es aus den Steinen hervor, denn selbst war es kein Stein und angefüllt mit Farbe. Hell leuchtete ein roter Kopf, der aus unzähligen kleinen Kügelchen zu bestehen schien und in dem Federn steckten, weißblau und weitaus gleichmäßiger als die der Grauvögel.

Sie fingen seine Tränen auf, als er erkannte, dass er das Leben in der Todeszone entdeckt hatte.

Das Messer

Foto: TheUmf

Foto: TheUmf

Plötzlich war da das Messer. Von einem Moment zum anderen hatte sie es in der Hand. Ein Kochmesser mit einer breiten Klinge, etwa 20 Zentimeter lang, schätzte er.

Warum tat sie das? Sie zerstörte alles! Wollte sie ihn töten?

Er sah das Schimmern auf dem Stahl. Schmeckte einen metallischen Geschmack. Hatte er sich gerade auf die Zunge gebissen?

Er trat einen Schritt zurück, löste seinen Blick von der Klinge. Ihre Augen fuchtelten wilder umher als das Messer, in dem nur ein leichtes Zittern gewesen war. Sie fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare, die längst keine Frisur mehr zeigten.

Lächelte sie? Oder löste sich nur ein Krampf von ihren Lippen? Sie folgte seiner Rückwärtsbewegung.

Er versuchte, zu beschwichtigen. Es sei doch alles nicht so schlimm und bis eben so schön gewesen. Er wollte ihr den Schweiß von der Stirn wischen, dann war sie über ihm.

Endlich begriff er, dass es mit ihm zu Ende gehen würde. Jedes Mal, wenn sie zustach, betäubte der neue Schmerz den vorigen. Er versuchte sich vorzustellen, wie er jetzt aussah. Er hatte nie besonders gut ausgesehen.

Bedauerlich, dass es so weit hatte kommen müssen. Ein Spiel mit bösem Ende. Sie hätten Spaß haben können in ihrer Küche. Vielleicht hätte er sie auch ins Schlafzimmer geführt. Aber sie hatte sich gewehrt. Mehr als alle vor ihr. Nun war sie die Letzte. Und war es doch nicht. Mit ihm ging es zu Ende.

 

Malthorns Sohn

Foto: 3drenderings

Foto: 3drenderings

Thelkar starrte seine Mutter an. Die Jahre harter Arbeit hatten Furchen in Isgaldas Antlitz getrieben. Wie oft hatte er bei diesem Anblick beschämt zu Boden geschaut und sich geschworen, seinen Tagträumereien ein Ende zu bereiten, um den Eltern mit all seinen Kräften zur Hand zu gehen. Doch dieses Mal empfand er nur den aufkommenden Ärger, als er ihre traurigen Augen sah. Er wollte etwas erwidern, doch er entschied sich anders.

Thelkar ging hinaus und stellte seinen Vater, der auf einem Schemel vor dem Haus saß und seine Axt schärfte. Als er seinen Sohn kommen sah, richtete Malthorn sich auf und blinzelte in die Abendsonne. „Sind die Tiere schon versorgt?“
„Nein, Vater“, antwortete Thelkar und gab sich keine Mühe, seine Wut zu unterdrücken. „Du hast im Krieg gekämpft?“
Malthorn blickte ihn überrascht an. Sein ganzer Körper, alt, aber immer noch stark, straffte sich. Dann ließ er die Schultern sinken. Alle Kraft schien mit einem Mal aus seinem Gliedern zu schwinden und er ließ sich zurück auf den Schemel fallen.
„Ist es so?“, hakte Thelkar nach. Sein Zorn kannte kein Mitleid mit der Schwäche des Vaters. „Stimmt es, was mir meine Schwester erzählt und Mutter bestätigt hat?“
Malthorn bedeutet ihm, sich vor ihm auf dem Boden niederzulassen. Widerwillig folgte Thelkar.
„Du bist nun ein junger Mann, mein Sohn. Der Tag musste kommen, an dem du die Wahrheit erfährst, wenn ich ihn auch lieber selbst bestimmt hätte.“
Er schwieg lange. Thelkar hielt nur der Respekt zurück, seinen Vater zum Weitersprechen anzutreiben.

„Der Krieg ist ein Scheusal“, fuhr Malthorn endlich fort. „Deine Geschwister haben erlebt, was es heißt, um den Vater zu bangen, zu fürchten, er könne ihnen im Kampf für immer verloren gehen. Schlimmer noch: Sie mussten erfahren, wie es selbst denjenigen ergeht, die nicht für Reich und König in die Schlacht ziehen. Denn der Krieg fordert auch von den Daheimgebliebenen seine Opfer.“ Malthorn seufzte.
Thelkar fragte sich, worauf der Vater hinauswollte. Konnte er nicht einfach die Frage beantworten?
„Ja, mein Sohn, ich habe im Krieg gekämpft. Viele Male. Doch ich bin immer ein Holzfäller geblieben. Ich kämpfte, weil ich dazu gezwungen war, nicht weil ich ein Held sein wollte. Denn Helden sterben auf dem Schlachtfeld und kehren niemals heim. Der Krieg nimmt sie ihren Familien für immer.“ Malthorn sah ihn eindringlich an.
Thelkar hielt dem Blick nicht stand und schaute auf seine Hände. Hände, die sein ganzes Leben lang nur die Werkzeuge eines Holzfällers und Bauern geführt hatten. Ja, er wünschte sich so sehr, ein Held zu sein. Für Reich und König wollte er kämpfen und die Feinde mit dem Schwert vor sich hertreiben. Seit er laufen konnte, war jedes Stück Holz für ihn eine Waffe, mit der er unsichtbaren Gegnern entgegentrat oder dem Vieh des Vaters das Fürchten lehrte. Und seit er denken konnte, hatten ihn seine Geschwister, allen voran Asura, dafür verspottet. Seine Geschwister, die so sehr nach den Eltern kamen und keinerlei Verständnis für seine Träumereien aufbrachten.

„Und dann kam der Tag, an dem ich zum Helden wurde“, erzählte Malthorn weiter. „Es geschah ohne jede Absicht, dass ich den Befehlshaber des feindlichen Heeres besiegte, als ich mich nur meiner Haut erwehren wollte. So wendete ich die Schlacht und sie sangen Lieder über mich.“
Erstaunt betrachtete Thelkar den Vater. Es fiel ihm schwer, sich den Mann in glänzender Rüstung vorzustellen, bejubelt von Kameraden und Heerführern.
„Mir wurde klar, als Held würde ich mein Haus und meine Familie verlieren, denn man erwartete mich von nun an allzeit in vorderster Front. Also verriet ich Reich und König und kehrte zu deiner Mutter und deinen Geschwistern zurück.“
Thelkar konnte einen entsetzten Ausruf nicht unterdrücken. „Du, ein Verräter? Hat man dich denn nicht verfolgt?“
„Doch. Der Mann, der mich verfolgte, ein Feldwebel, stand schon am Morgen nach meiner Rückkehr an dieser Tür.“ Malthorn zeigte auf die Eingangstür des Blockhauses, in dem Thelkar sein ganzes Leben verbracht hatte. „Aber er sah keinen Kriegshelden, sondern nur einen einfachen Holzfäller, der bei seiner Familie leben wollte, um sie zu beschützen. Er ist es, dem ich mein Leben verdanke und der auch in all den Jahren dafür gesorgt hat, dass weder ich noch meine Söhne in Kriege ziehen mussten, die nicht die unseren waren.“
Wieder schwieg Malthorn für einen Moment. Dann fuhr er fort: „Und auch du verdankst diesem Mann dein Leben, denn in der folgenden Nacht wurdest du gezeugt. Daher gaben wir dir seinen Namen.“

Nun war es Thelkar, der sich in nachdenkliches Schweigen hüllte. „Warum habt ihr mich belogen?“, fragte er schließlich.
„Schon, als du noch ein kleines Kind warst, konnten deine Mutter und ich in deinen Augen lesen, dass du anders bist als deine Geschwister. Wir ahnten, du würdest stets das Abenteuer suchen und der Krieg könnte dir keinen Schrecken einjagen. Um dich nicht zu verlieren, erzählten wir dir, dass der Fürst Menschen wie dich und mich nicht für den Dienst an der Waffe brauche. Wir wollten dich glauben machen, du würdest, selbst wenn du es wolltest, allenfalls für niedere Dienste abberufen. Doch glaube mir, mein Sohn, es kann keinen schlechteren Dienst als den an der Waffe geben. Also verzeihe uns die Lügen, denn wir sprachen sie aus Liebe und in Sorge um dich. Willst du mir versprechen, das Heldentum ein für alle Mal zu vergessen?“
Thelkar nickte langsam, schwieg aber und bat darum, sich zurückziehen zu dürfen.

Sein Ärger war verflogen. Nie hatte er sich ganz mit seinem vermeintlichen Schicksal abfinden können. Doch nun wusste er, dass er den Namen eines Kriegsmannes trug. „Thelkar!“ Er sprach ihn aus und empfand einen ganz neuen Klang dabei. Noch einmal sagte er ihn, lauter jetzt. Und schon im selben Moment fasste er einen Entschluss. Noch heute Nacht wollte er sich auf die Suche machen nach dem Mann, dessen Name er seit 16 Jahren trug. Seinen Eltern würde er nichts davon erzählen. Denn er, Thelkar, wollte Thelkar berichten, dass er bereit sei, endlich die Schuld des Vaters an Reich und König abzutragen.

Basierend auf der Geschichte „Lass sie nicht von dir singen“ von Klaus Mundt, erschienen in „Geschichten eines Krieges“, vph 2008.

Die besondere Zutat

Foto: Arctos

Foto: Arctos

Marlene rührte gedankenverloren das Gulasch um. Sie hatte sich besondere Mühe mit Rolands Lieblingsessen gegeben. Denn heute war ein besonderer Tag. Sein Tag. Der Vierzigste war schließlich nicht irgendein Geburtstag.

Sie probierte mit einem kleinen Löffel, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und probierte ein weiteres Mal. Fast perfekt.

Perfekt für Roland. Beinah bedauerte sie, wie sich alles entwickelt hatte. Doch sie hatte eine Entscheidung getroffen. Eine, wie sie endgültiger nicht sein konnte. Sie musste handeln, bevor das Leid, das er ihr antat, ihr den Verstand raubte.

Es fehlte nur noch diese besondere Zutat. Sie öffnete den Vorratsschrank und suchte zwischen den Gewürzen. Schnell hatte sie das kleine Döschen gefunden. Eine Prise genügte. Still verschwand das rotbraune Pulver in der brodelnden Soße. Ein Hauch von Weihnachten kitzelte ihre Nase. Ein Hauch von Rolands letztem Lächeln.

Sie sah sein Gesicht vor sich. Ein Gesicht, das vor Verzückung über das Mahl, Rolands letztes Abendmahl, in Zuckungen geriet. Verursacht nicht zuletzt durch das rotbraune Pulver. Die besondere Zutat für Roland. Marlene kannte niemanden, der diesen Hauch von Zimt an einem herzhaften Essen schätzte. Bis auf Roland.

Noch einmal rührte sie das Gulasch um, bevor sie sich an den Küchentisch setzte und sich eine Zigarette anzündete.

Sie gönnte Roland sein Lieblingsessen. Ob mit Zimt oder ohne. Sollte er noch einmal genießen, bevor sie mit ihm anstoßen würde. Und den Sekt würde er mit einem Glas Wasser herunterspülen, wie er es immer tat. Dass er den Geruch nach Bittermandeln nicht wahrnahm, hatte sie schon ausgetestet.

Sie kannte die Wirkung von Zyanid sehr gut. Lange hatte sie gedacht, Roland könnte der Erste sein, der nicht unter Krämpfen sterben müsste. Doch obwohl er nicht nur gut betucht, sondern auch kaum älter als sie und attraktiv war, obwohl er ihr jeden Wunsch von den Augen ablas, litt sie inzwischen unter seiner Anwesenheit, konnte ihn einfach nicht mehr ertragen, hatte ihn satt.

Sollte er sich noch einmal sattessen, bevor sie ihn beerbte.

Marlene rührte gedankenverloren das Gulasch um. Sie hatte sich besondere Mühe mit Rolands Lieblingsessen gegeben. Denn heute war ein besonderer Tag. Sein Tag. Der Vierzigste war schließlich nicht irgendein Geburtstag.
Sie probierte mit einem kleinen Löffel, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und probierte ein weiteres Mal. Fast perfekt.
Perfekt für Roland. Beinah bedauerte sie, wie sich alles entwickelt hatte. Doch sie hatte eine Entscheidung getroffen. Eine, wie sie endgültiger nicht sein konnte. Sie musste handeln, bevor das Leid, das er ihr antat, ihr den Verstand raubte.
Es fehlte nur noch diese besondere Zutat. Sie öffnete den Vorratsschrank und suchte zwischen den Gewürzen. Schnell hatte sie das kleine Döschen gefunden. Eine Prise genügte. Still verschwand das rotbraune Pulver in der brodelnden Soße. Ein Hauch von Weihnachten kitzelte ihre Nase. Ein Hauch von Rolands letztem Lächeln.
Sie sah sein Gesicht vor sich. Ein Gesicht, das vor Verzückung über das Mahl, Rolands letztes Abendmahl, in Zuckungen geriet. Verursacht nicht zuletzt durch das rotbraune Pulver. Die besondere Zutat für Roland. Marlene kannte niemanden, der diesen Hauch von Zimt an einem herzhaften Essen schätzte. Bis auf Roland.
Noch einmal rührte sie das Gulasch um, bevor sie sich an den Küchentisch setzte und sich eine Zigarette anzündete.
Sie gönnte Roland sein Lieblingsessen. Ob mit Zimt oder ohne. Sollte er noch einmal genießen, bevor sie mit ihm anstoßen würde. Und den Sekt würde er mit einem Glas Wasser herunterspülen, wie er es immer tat. Dass er den Geruch nach Bittermandeln nicht wahrnahm, hatte sie schon ausgetestet.
Sie kannte die Wirkung von Zyanid sehr gut. Lange hatte sie gedacht, Roland könnte der erste sein, der nicht unter Krämpfen sterben müsste. Doch obwohl er nicht nur gut betucht, sondern auch kaum älter als sie und attraktiv war, obwohl er ihr jeden Wunsch von den Augen ablas, litt sie inzwischen unter seiner Anwesenheit, konnte ihn einfach nicht mehr ertragen, hatte ihn satt.
Sollte er sich noch einmal sattessen, bevor er sie beerbte.Marlene rührte gedankenverloren das Gulasch um. Sie hatte sich besondere Mühe mit Rolands Lieblingsessen gegeben. Denn heute war ein besonderer Tag. Sein Tag. Der Vierzigste war schließlich nicht irgendein Geburtstag.

Sie probierte mit einem kleinen Löffel, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und probierte ein weiteres Mal. Fast perfekt.

Perfekt für Roland. Beinah bedauerte sie, wie sich alles entwickelt hatte. Doch sie hatte eine Entscheidung getroffen. Eine, wie sie endgültiger nicht sein konnte. Sie musste handeln, bevor das Leid, das er ihr antat, ihr den Verstand raubte.

Es fehlte nur noch diese besondere Zutat. Sie öffnete den Vorratsschrank und suchte zwischen den Gewürzen. Schnell hatte sie das kleine Döschen gefunden. Eine Prise genügte. Still verschwand das rotbraune Pulver in der brodelnden Soße. Ein Hauch von Weihnachten kitzelte ihre Nase. Ein Hauch von Rolands letztem Lächeln.

Sie sah sein Gesicht vor sich. Ein Gesicht, das vor Verzückung über das Mahl, Rolands letztes Abendmahl, in Zuckungen geriet. Verursacht nicht zuletzt durch das rotbraune Pulver. Die besondere Zutat für Roland. Marlene kannte niemanden, der diesen Hauch von Zimt an einem herzhaften Essen schätzte. Bis auf Roland.

Noch einmal rührte sie das Gulasch um, bevor sie sich an den Küchentisch setzte und sich eine Zigarette anzündete.

Sie gönnte Roland sein Lieblingsessen. Ob mit Zimt oder ohne. Sollte er noch einmal genießen, bevor sie mit ihm anstoßen würde. Und den Sekt würde er mit einem Glas Wasser herunterspülen, wie er es immer tat. Dass er den Geruch nach Bittermandeln nicht wahrnahm, hatte sie schon ausgetestet.

Sie kannte die Wirkung von Zyanid sehr gut. Lange hatte sie gedacht, Roland könnte der erste sein, der nicht unter Krämpfen sterben müsste. Doch obwohl er nicht nur gut betucht, sondern auch kaum älter als sie und attraktiv war, obwohl er ihr jeden Wunsch von den Augen ablas, litt sie inzwischen unter seiner Anwesenheit, konnte ihn einfach nicht mehr ertragen, hatte ihn satt.

Sollte er sich noch einmal sattessen, bevor er sie beerbte.