Weihnachten, Vorfreude, Galan

Galan – HeimkehrHeimatlos, die Auftaktfolge von Galan, wollte ich eigentlich noch vor Weihnachten veröffentlichen und hatte das ja auch hier so angekündigt. Vor Weihnachten ist aber leider nur noch heute. Wenn man es großzügig nimmt, morgen zum Teil auch noch. Nun, ich hätte es schaffen können, wenn ich auch mein ursprüngliches Ziel, den 19.12., an dem auch die Story selbst startet, auf jeden Fall verpasst hätte.

Nun, es ärgert mich wahrscheinlich selbst am meisten, aber ich habe mich entschieden, den Termin Termin sein zu lassen und noch ein bisschen Zeit und Arbeit in die Überarbeitung zu stecken. Denn ich will vor allem eines: eine Geschichte präsentieren, die so gut geworden ist, wie es mir eben möglich ist. Und ich habe das Gefühl, ganz so weit ist es noch nicht. Ich bin auf einem guten Weg. Und ich habe in meiner Freundin eine großartige Reisebegleiterin.

Ich wünsche euch also an dieser Stelle frohe Weihnachten und ein besinnliches Fest. Falls ihr euch schon ein bisschen auf Galan gefreut habt, berufe ich mich einfach mal auf den etwas ausgelutschten Spruch von der Vorfreude, die die schönste sein soll, und kündige hiermit an, dass der Auftakt zu Galan nun spätestens Mitte Januar erfolgen soll. Dafür wird er dann umso schöner! 🙂

Ach ja, als kleine Entschädigung hier mal wieder ein kleiner Textauszug aus dem Manuskript:

Frau Araval war nicht verschwunden. Nicht durchs Fenster, nicht durch die Kanalisation. Sie hatte sich nicht in Luft aufgelöst, weder in buntem Rauch, Nebel oder einem Funkenregen. Sie spannte keinen Schirm auf, und – Alisha schaute ganz genau hin – sie schwebte auch nicht einige Zentimeter über dem Boden. Sie stand einfach nur bei der Tür zum Gang und winkte Alisha zu sich heran, auf eine Art, wie es eine gute Freundin tun würde.

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Noch nicht zu spät

Noch nicht zu spät

© dpaint

Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Seine Hand übertrug ihr Zittern über das Handy an sein Ohr.
Claudia versuchte ihn zu beruhigen. „Noch mal langsam. Was ist passiert?“
„Der Wagen hat eine Panne. Den Zug hab ich auch nicht geschafft. Mit dem nächsten komme ich zu spät. Bormann wird toben. Alles futsch!“ Er gab sich keine Mühe, seine Verzweiflung zu verbergen. „Die Beförderung kann ich vergessen.“
„Bist du noch am Bahnhof? Ich komme und fahr dich.“
Ihm rutschte das Handy aus der Hand. Im letzten Moment konnte er es auffangen. „Aber dein … deine …“
„Ich rufe Frau Brink gleich an, um zu verschieben. Ich weiß doch, wie wichtig der Termin für dich ist.“
Er atmete auf. „Für uns, Schatz, für uns.“ Er betonte es so sehr, dass ihm die anschließenden Sekunden wie ein schweigendes Jahrhundert vorkamen.
„Für deine Karriere.“

Der Motor lief, als er zu ihr in den Wagen stieg.
„Wie lange werden wir brauchen?“
„Das kommt darauf an, wo du hinmöchtest.“
Diesmal war es an Claudia, Überraschung zu zeigen. „Wie bitte?“
„Gönnen wir uns einen schönen Tag zu zweit.“

Die Zeitung (Teil 2)

Foto: Pack-Shot

Foto: Pack-Shot

Teil1

Niklas stand eine ganze Weile vor der Tür der Schönherrs herum. Langsam drehte er sich um und ging die Treppe wieder hinunter. Es konnte sich nur um einen bösen Scherz handeln. Je näher sich der Uhrzeiger der Vier genähert hatte, desto unwahrscheinlicher war es ihm erschienen, dass es anders sein könnte.

„Niklas?“
Er fuhr herum. Laura stand auf dem Treppenabsatz.
„Wolltest du nicht zu mir kommen?“
„Ich … ich hab was vergessen.“
„Was denn?“
„Ähm … mein … meine … meinen … nicht so wichtig.“
„Hast du vergessen, was du vergessen hast?“ Laura lachte.
„Ähm …“ Sie musste gar nichts dafür tun, dass er sich zum Trottel machte.
„Komm schon! Wenn es dir wieder einfällt, kannst du es ja noch holen. Ist ja nicht gerade eine Weltreise.“ Sie verschwand. Er hätte es ihr am liebsten gleichgetan. Dafür war es jetzt zu spät. Er konnte nicht mehr zurück.

Ihm war äußerst unwohl bei der Sache. Vorsichtig schob er sich durch den Türspalt in die Wohnung der Schönherrs. Sie war genauso geschnitten wie die seiner Eltern. Die Frage war, ob Lauras Zimmer auch am Ende des langen Flurs lag. Links war die erste Tür leicht geöffnet. Offenbar das Schlafzimmer. Wie bei seinen Eltern. Das große Zimmer dahinter musste das Wohnzimmer sein. Wohin aber war Laura verschwunden? Er ging vorsichtig ein paar Schritte voran. Klar, Bad und Küche auf der rechten Seite. Die Tür, die unten zu seinem Zimmer geführt hätte, war geschlossen.
„Herr Klein? Haben Sie einen Termin bei meiner Mutter?“ Laura stand in der Tür gegenüber des Schlafzimmers und grinste.

Niklas beeilte sich, ihr in ihr Zimmer zu folgen. „Du hast das zweitgrößte Zimmer der Wohnung?“ Er vergaß fast seine Aufregung, so sehr staunte er.
„Du nicht?“
Er schüttelte den Kopf. Unten arbeitete sein Vater in diesem Raum. Niklas musste sich mit dem kleinsten Zimmer begnügen. Er schaute sich um. Er hatte noch nie ein Mädchenzimmer gesehen, aber so hatte er es sich bestimmt nicht vorgestellt. Als erstes fiel ihm der Fernseher auf. Ein eigener Fernseher! Wie oft hatte er sich das gewünscht. Auf dem riesigen Flachbildschirm, der auf dem Schreibtisch am Fenster stand, lief ein Bildschirmschoner. „Emma Peel!“ Er zeigte auf den Bildschirm und dann auf die Poster.
„Hast du den Film gesehen?“
„Klar!“, antwortete er, verkniff sich aber, dass seiner Meinung nach Uma Thurman in der Rolle der Peel so ziemlich das einzig Sehenswerte in dem Streifen gewesen war. Stattdessen staunte er jetzt über die vielen Bücher. „Hast du die alle gelesen?“
„Fast. Die meisten sind Krimis und Thriller. Da steh ich total drauf. Und jetzt glotz hier nicht nur blöd rum!“ Sie deutet mit einem Kopfnicken an, dass er sich auf die Couch setzen sollte. „Wir haben selbst einen Fall zu lösen!“
Er folgte dem Befehl sofort. Als sie sich neben ihn setzte, war seine Unsicherheit wieder da.
„Rück mir nicht so auf die Pelle!“
Obwohl sie reichlich Platz zur anderen Seite hatte, zwängte sich Niklas ganz bis an den Rand der Couch. Laura goss Orangensaft in zwei bereitgestellte Gläser und hielt ihm eines davon hin. Er mochte keinen Orangensaft, aber das schien Laura nicht zu interessieren. Er wollte sie nicht verärgern, griff schnell zu und nippte an dem Glas. Auch noch mit Fruchtfleisch!
Nun hatte er doch alles falsch gemacht. Mit strengem Blick streckte sie ihm ihr Glas entgegen, bis er begriff, dass er mit ihr anstoßen sollte. „Auf meinen Plan!“, sagte sie feierlich, kurz bevor die Gläser sich mit einem leisen Pling berührten, und Niklas fragte sich, ob er noch eingeweiht werden würde.

Mc Pom Fritz: Nicht da

Heute hatte ich meinen Zahnarzttermin in Tessin. Ich war ganz aufgeregt. Ihr wisst ja, weshalb ich den überhaupt gemacht hab, ne? Ich wollte doch endlich Arielle treffen. Aber dann kam alles ganz anders, als ich gedacht hab.

Erstmal hab ich mich total gefreut, ne. Vor der Praxis stand Arielles roter Golf. Jetzt konnte ich endlich sicher sein. Ich hatte sie gefunden! Ich hab richtig gezittert, als sich zur Tür rein bin. Da war dann so ein großer, weißer Tresen, wo die Schwester hinter stand. Also, die Krankenschwester. Ne, da heißt das noch anders. Sprechstundenhilfe, glaub ich, ne.

Ich dachte erst, das ist Frau Bernhard, mit der ich telefoniert hatte. Aber die hieß Albatros. Im Wartezimmer saß nur ein Mann. Arielle war nirgends zu sehn. Dafür sagte mir Frau Albatros, ich käme gleich dran, weil zwei Patienten vor mir abgesagt hatten.

Tja, was sollte ich machen? Ich also gleich ins Behandlungszimmer, ne. Da wurde mir dann schon ein bisschen anders. Weil ich hatte ja gar nix. Keine Zahnschmerzen und so. Aber da warteten schon die ganzen Bohrer und so auf mich. Was sollte das bloß werden?

Aber ich hab Glück gehabt, ne. Frau Dr. Maus hat sich alle Zähne angeguckt und gesagt, sie könnte sich gar nicht vorstellen, wo ich Schmerzen haben soll, weil alle Zähne top in Ordnung wären. Da hab ich dann gesagt, dass es auch schon viel besser wäre und dass ich ihr sehr danken würde.

Frau Dr. Maus hat den Kopf geschüttelt und dann gesagt, ich sollte wiederkommen, wenn ich doch noch einmal Schmerzen haben sollte. Ich hab schon nur noch mit halbem Ohr hingehört, weil ich so gehofft habe, dass Arielle vielleicht da wäre, wenn ich aus dem Behandlungsraum komme, ne. Aber es war nur noch eine ältere Frau dazugekommen, die jetzt auch im Warteraum wartete.

Mann, war ich enttäuscht, ne. Ich konnte ja auch die Frau Albatros nicht nach Arielle fragen. Die würde ja gar nicht wissen, wen ich meine. Ich musste einfach noch mal wiederkommen. Dann aber brauchte ich wirklich Zahnschmerzen! Ich wollte mir gleich ganz viele Süßigkeiten kaufen und mit dem Zähneputzen aufhören.

Bis zum nächsten Mal, sagte ich zu Frau Albatros und ging. Das heißt, ich wollte gehn, ne. Aber ich bin mit einer Frau zusammengestoßen, die gerade zur Tür reinkam. Arielle!

Das war wirklich Arielle! Ich stammelte eine Entschuldigung und rannte zur Tür raus. Mann, war das peinlich! Mann, war ich blöd gewesen! Du Hornochse! Hab ich gedacht, ne. Und dann bin ich zurückgegangen.

In meiner Aufregung fragte ich Frau Albatros jetzt doch, wo Arielle ist. Die war nämlich schon wieder nicht zu sehen. Ich musste dann natürlich erklären, dass ich die Frau meine, mit der ich eben zusammengestoßen war. Ach, Frau Bernhard, sagte Frau Albatros. Die hätte Feierabend und käme gleich wieder.

Und da kam sie auch schon aus einem der Behandlungszimmer, ne. Frau Bernhard! Ich hatte mit ihr telefoniert!

Ich entschuldigte mich noch mal. Wir haben letzte Woche telefoniert, sag ich. Das musste ich ihr dann noch erklären, von wegen Termin gemacht und so. Ich bedank mich noch mal, weil sie ja eigentlich nichts frei hatte und es dann doch möglich gemacht hat. Kein Problem, sagt sie und lächelt. Dieses Lächeln! Mir fällt nichts mehr ein. Also entschuldige ich mich noch mal. Sie lächelt immer noch. Dann guckt sie auf die Uhr, streicht mir über den Arm, dass ich eine Gänsehaut bekomme, und meint, sie muss jetzt los. Ich steh noch blöd da. Dabei muss ich ja auch los, ne.

Eigentlich wollte ich gar nicht gehen, ne. Aber Frau Albatros, von der sich Arielle … Frau Bernhard gerade verabschiedete, guckte mich schon so komisch an. Ich also raus zu meinem Fahrrad, ne. Und als ich am Schloss rumfummel, ein bisschen langsamer als sonst, kommt sie auch raus, nickt mir zu und geht zu ihrem Golf. Ich will noch was sagen. Sie wohnen in Prangendorf Ausbau, ne, ruf ich ihr zu. Sie guckt ganz komisch. Ich wohn auch da, sag ich schnell. Sie überlegt und dann lacht sie. Bist du nicht der, der neulich in die Mülltonnen gefahren ist?

Scheiße! Sie hat es doch gesehn. Bianca, sagt sie. Fritz, sag ich und denk, dass ihr Name noch viel schöner ist als Arielle. Bianca Bernhard! Irgendwie muss ich schon wieder an einen Film denken, aber mir fällt nicht mehr ein, welcher. Ob ich jetzt mit dem Fahrrad nach Hause fahre, will sie wissen. Ich nicke. Wenn das Fahrrad ins Auto passt, kann ich dich mitnehmen.

Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie sehr ich gehofft hab, dass es passt. Bianca – Bianca! – musste die Rücksitze umklappen und ich das neue Rad fast verbiegen. Außerdem musste ich ihre Einkäufe auf den Schoß nehmen. Dabei fiel mir ein, dass ich selbst noch einkaufen wollte. Muss ich jetzt morgen noch mal losfahren, ne. Aber dafür hab ich neben Bianca im Auto gesessen.

Sie wohnt auch noch nicht lange in Prangendorf Ausbau. Hat vorher in Tessin gewohnt. Aber warum sie umgezogen ist, hat sie nicht verraten. Dafür sollte ich die ganze Zeit von mir erzählen. Na ja, sie hat gefragt und ich hab geantwortet, ne. Wo ich vorher gewohnt hab, was ich arbeite, ob es mir in meiner neuen Wohnung gefällt und so, ne. Dann waren wir auch schon zu Hause. Unglaublich, wie kurz der Weg ist, wenn man ihn mit dem Auto fährt!

Als ich mein Fahrrad aus dem Kofferraum gezerrt hatte, hat sie mich gefragt, ob ich immer mit dem Fahrrad einkaufen fahre. Freitags, sag ich, weil ich da früher Schluss hab, sag aber nicht, dass ich sonst immer nach Sanitz fahr. Und dann sag ich noch, dass ich früher immer mit dem Bus gefahren bin. Ich könnte doch nächsten Freitag wieder mit dem Bus fahren, sagt sie, dann könnte ich sie um 16.00 Uhr von der Praxis abholen und sie würde mich dann zum Einkaufen mitnehmen.

Ich kann euch sagen, heute war mein Glückstag. Und jetzt mach ich mir einen gemütlichen Abend. Der Führerschein muss jedenfalls noch ein bisschen auf mich warten.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

Mc Pom Fritz: Der Plan

Nächste Woche geh ich zum Zahnarzt. Nö, Zahnschmerzen hab ich nicht. Ich putz mir ja immer fleißig die Zähne, ne. Eigentlich wollte ich mich nur mal durchchecken lassen. Aber jetzt hab ich doch Zahnschmerzen. Also, das hab ich denen gesagt, ne.

Das war nämlich so: Ich hatte doch Arielle wiedergesehn, ne. Leider hatte ich danach kein Glück mehr. Immer, wenn ich mit meinem Fahrrad nach Hause kam, stand ihr Auto schon da. Das war ganz schön blöd für mich, ne. Und da hab ich mir mal ihr Auto genauer angeguckt. Ganz unauffällig natürlich, ne. Und da hab ich diesen Aufkleber entdeckt, von der Zahnarztpraxis von Frau Dr. Maus in Tessin.

Frau Dr. Arielle Maus. Dachte ich erst, ne. Aber dann ist mir eingefallen, dass Arielle ja gar nicht Arielle heißt. Und außerdem, dass ja beim Zahnarzt noch mehr Leute arbeiten. Ich war ja schon früher mal beim Zahnarzt. Jedes Jahr sogar. Also bei einem anderen, ne. Nicht bei Frau Dr. Maus. Also, Arielle muss gar nicht Frau Dr. Maus sein.

Jedenfalls hab ich dann da angerufen. Ich wollte einen Termin. Aber ich hätte fast einen Monat warten müssen. Da hab ich dann gesagt, dass ich ganz dolle Zahnschmerzen hab. Die Frau am Telefon war sehr nett. Ich werde sehen, was sich machen lässt, hat sie gesagt. Das war übrigens auch nicht Frau Dr. Maus. Frau Bernhard oder so. Fand ich erst komisch, weil das ja ein Männername is, ne. Aber dann fiel mir ein, dass das ja ihr Nachname is. Hatte auch eine ganz liebe Stimme. Sanft und so, ne.

Jedenfalls geh ich jetzt nächsten Freitag zum Zahnarzt. Da muss ich ganz tapfer sein, ne. Und hoffentlich seh ich dann endlich Arielle wieder.

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz