Blogroman: 32 – Tränen in den Ohren

Als Tilo seine eigene Stimme hörte, wurde ihm bewusst, welche Dummheit er gerade begangen hatte. Als er die Frau am Fenster erblickt hatte, seine Agentin, seine Amazone, da waren mit ihm die Pferde durchgegangen. Er wollte hier raus, wollte nach Hause zu seinen Eltern, und sie konnte ihm helfen, da war er sich sicher gewesen. Nun aber wussten auch die Bösen, dass er hier war.

Er drückte sich, so gut es ging, in die hinterste Ecke des Schranks und hoffte auf ein Wunder. Es war, als hätten seine Tränen seine Ohren verstopft, denn in der absoluten Stille konnte er nur die Donnerschläge seines Herzens vernehmen.

Dass er weder die Stimme der teuflischen Frau noch die ihrer Gefährten hörte, war ein schlechtes Zeichen. Aber es passierte nichts. Tilo schien es, als würden Stunden verstreichen. Sollte doch alles gut werden? Waren die drei verschwunden? Vielleicht hatte sein Hilferuf sie so erschreckt, dass …

Die Schranktür wurde aufgerissen!

Was bisher geschah

Blogroman: 30 – Nicht da

Tilo sah ihre Augen und wusste, dieser Frau wollte er nicht einmal am hellichten Tag und in Begleitung seiner Eltern begegnen. Kein Wunder, dass die anderen beiden sie Boss nannten.

Der Mann, der noch einmal zum Auto gelaufen war, um eine neue Glühbirne zu besorgen, war groß gewachsen. Seine fast zur Glatze geschorenen Haare und der schmale Bart, der seinen Mund einfasste, gaben ihm ein brutales Aussehen. Neben Boss aber wirkte er beinahe sympathisch.

Die zweite Frau mit der Brille, schien überhaupt nicht zu den beiden zu passen. Sie sah Frau Blum, seiner Biologielehrerin, ein bisschen ähnlich. Sie kniete neben dem regungslosen Körper, der, wie Tilo jetzt sehen konnte, einem wahren Muskelprotz gehört hatte, und untersuchte ihn. Mit einem Tonfall, indem Frau Blum die Ergebnisse einer Klassenarbeit mitgeteilt hätte, sagte sie: „Mit Piet ist es vorbei. Er hatte nicht mal die Zeit, sich zu wehren. Hatte gleich ein Messer zwischen den Rippen.“

Tilo wurde übel. Nicht genug, dass es in dem morschen Schrank, in dem er sich versteckte, nach feuchtem Moder roch. Er bezwang den Brechreiz. Hatten die Frau und der Mann, die den Audi seines Vaters gestohlen hatten, Piet umgebracht? Was mussten die für Kräfte besitzen, wenn sie so einen Riesen besiegen konnten?

Er spähte wieder durch den Spalt zwischen den beiden Schranktüren, die schon ziemlich lose in den Angeln hingen. Boss hatte sich mitten im Raum an den Tisch gesetzt. Die anderen beiden blieben vor ihr stehen. Es gab keine Möglichkeit, an den dreien vorbei zum Ausgang und ins Freie zu gelangen. Tilo schaute auf die Uhr. Halb sieben. Jetzt standen seine Eltern auf. Gleich würde Mutti die Zimmertür öffnen und ihn zum Frühstück rufen. Aber er war nicht da.

Blogroman: 28 – Leder

Tilo öffnete die Tür. Ganz langsam und vorsichtig, dennoch konnte er ein Knarren nicht vermeiden. Erstaunlich, dass es in dem Gebäude überhaupt noch Türen gab, die sich schließen ließen. Noch einmal atmete er tief ein. Dann schob er sich vorsichtig hinein.

Drinnen war es still. Still und dunkel. Nicht gerade stockduster, aber durch die kleinen Milchglasfenster bekam das Wort „Morgengrauen“ eine ganz eigene Bedeutung.

Noch könnte er umkehren. Doch er machte einen leisen Schritt vorwärts. Er lauschte. Nichts. Einen zweiten Schritt. Immer noch nichts. Der dritte Schritt war schon etwas beherzter. Beim vierten stolperte er über irgendetwas am Boden. Er konnte sich gerade noch fangen. Tilo kniete sich hin und tastete nach dem Hindernis. Etwas Großes in einem festen, kalten Stoff. Leder vielleicht. Eine Jacke.

Tilo sprang auf und schrie. Er wollte davonlaufen, doch dazu hätte er über den leblosen Körper springen müssen. War er wirklich leblos? Tilo holte tief Luft und wollte wieder schreien. Da hörte er den Wagen, der den Weg heraufkam.

Was bisher geschah

Tilo öffnete die Tür. Ganz langsam und vorsichtig, dennoch konnte er ein Knarren nicht vermeiden. Erstaunlich, dass es in dem Gebäude überhaupt noch Türen gab, die sich schließen ließen. Noch einmal atmete er tief ein. Dann schob er sich vorsichtig durch die Tür.
Drinnen war es still. Still und dunkel. Nicht gerade stockduster, aber durch die kleinen Milchglasfenster bekam das Wort „Morgengrauen“ eine ganz eigene Bedeutung.
Noch könnte er umkehren. Doch er machte einen leisen Schritt vorwärts. Er lauschte. Nichts. Einen zweiten Schritt. Immer noch nichts. Der dritte Schritt war schon etwas beherzter. Beim vierten stolperte er über irgendetwas am Boden. Er konnte sich noch fangen, kniete sich hin und tastete nach dem Hindernis. Etwas großes in einem festen, kalten Stoff. Leder vielleicht. Eine Jacke.
Tilo sprang auf und schrie. Er wollte davonlaufen, doch dazu hätte er über den leblosen Körper springen müssen. War er wirklich leblos? Tilo holte tief Luft und wollte wieder schreien. Da hörte er den Wagen, der den Weg heraufkam.Tilo öffnete die Tür. Ganz langsam und vorsichtig, dennoch konnte er ein Knarren nicht vermeiden. Erstaunlich, dass es in dem Gebäude überhaupt noch Türen gab, die sich schließen ließen. Noch einmal atmete er tief ein. Dann schob er sich vorsichtig durch die Tür.

Drinnen war es still. Still und dunkel. Nicht gerade stockduster, aber durch die kleinen Milchglasfenster bekam das Wort „Morgengrauen“ eine ganz eigene Bedeutung.

Noch könnte er umkehren. Doch er machte einen leisen Schritt vorwärts. Er lauschte. Nichts. Einen zweiten Schritt. Immer noch nichts. Der dritte Schritt war schon etwas beherzter. Beim vierten stolperte er über irgendetwas am Boden. Er konnte sich noch fangen, kniete sich hin und tastete nach dem Hindernis. Etwas großes in einem festen, kalten Stoff. Leder vielleicht. Eine Jacke.

Tilo sprang auf und schrie. Er wollte davonlaufen, doch dazu hätte er über den leblosen Körper springen müssen. War er wirklich leblos? Tilo holte tief Luft und wollte wieder schreien. Da hörte er den Wagen, der den Weg heraufkam.

Blogroman: 26 – Die Amazone

Tilo zögerte noch einen Moment, dann öffnete er vorsichtig die Haustür und spähte hinaus. Alles war still. Natürlich. Er hatte beinahe eine Viertelstunde gewartet, nachdem das Motorengeräusch von Papas Audi verklungen war, wobei er die ganze Zeit in seinem Zimmer auf und ab gegangen war, hin und her überlegt hatte, ob er wirklich auf die Straße gehen sollte. Aber was konnte jetzt noch passieren? Und er wollte unbedingt herausfinden, was das komische Paar in dem alten Lagerhaus getrieben hatte. Hier, am äußersten Ende der Stadt.
Er schaute sich nach allen Seiten um, als er die schmale Straße überquerte. Eine leichte morgendliche Brise wehte den Duft und die Stille des Waldes herüber. Er wählte die rechte der beiden Spurrillen, die den Weg zum Lagerhaus darstellten und durch die ungemähte Wiese führten. Von der Straße waren es etwa hundert Meter. Vielleicht hundertfünfzig. Aber während er sich von den beiden Straßenlaternen fortbewegte, überkam ihn mehr und mehr das Gefühl, er breche in ein fremdes Universum auf. Erst ein Mal war er diesen Weg gegangen, seit sie hierhergezogen waren. Im Licht der Nachmittagssonne. Bis zur Hälfte des Wegs hatte er sich getraut. Jetzt pochte ihm das Herz noch mehr als damals.
Aber dieses eine Mal würde er auch im Real Life ein Abenteuer bestehen! Er wagte einen Blick auf sein Ziel. Er konnte sich selbst nicht erklären, was an diesem Gebäude ihm so viel Furcht einflößte. Es war nur ein hässlicher großer Kasten. An der Ostseite zu einem großen Teil eingestürzt. Die Außenwände unregelmäßig mit rankenden Pflanzen bewachsen. Rückeroberung durch die Natur. Vielleicht war es dieser Eindruck von Wildheit. Vielleicht aber auch die Erzählungen von dem alten Herrn Faun aus der Nachbarwohnung. Als Tilo ihn über die Ruine ausgefragt hatte, hatten einige Sätze seine Fantasie besonders angeregt.
„Das alte Ding steht schon seit vielen, vielen Jahren dort und wird wohl immer da stehen bleiben. Schon in meiner frühen Kindheit, vor fast siebzig Jahren, stand es leer und stürzte an der Ostseite in sich zusammen. Einige Verfolgte hatten sich dort versteckt. Aber kurz vor dem Ende des Krieges fand man sie.“
„Was hat man mit ihnen gemacht?“, fragte Tilo, der an die Schwarzen Reiter aus Mittelerde denken musste.
„Es ist besser, das nicht zu wissen, glaube ich. Jedenfalls sollte es direkt nach dem Krieg abgerissen werden. Zum ersten Mal. Und danach immer wieder. Jedes mal hieß es, nun sei es endlich so weit. Und jedes Mal kam im letzten Moment irgendetwas dazwischen. Und so wird es wohl bis ans Ende der Zeit gehen. Denn zwar scheint es, als müsste das Ding sowieso bald in sich zusammenfallen, aber ich bin mir sicher, dass es sogar einem Orkan widerstehen würde.“
Tilo blieb stehen. Noch zwanzig Meter. Er sollte umkehren. Was konnte es da schon Interessantes geben? Nur weil da eine Agentin, die das Auto seines Vaters gestohlen hatte, mit irgendeinem Angsthasen hergekommen war?
Er drehte um. Setzte einen Fuß vor den anderen, immer schneller, bis er zu laufen begann. In seinem Kopf wandelte sich die Agentin zur Amazonenkriegerin. Dazu bedurfte es nicht viel. Ein Schwert und ein bisschen freizügigere Kleidung. Sie stand auf einem großen Felsen und der Wind spielte in ihrem roten Haar. Mit ihren grünen Augen visierte sie ihn. Tilo hatte  ihre Augenfarbe aus der Entfernung natürlich nicht erkennen können, aber er war sich sicher, dass sie grün waren. Auf ihren Lippen zeigte sich ein Lächeln. Sie lächelte ihn an. Wollte sie ihm Mut zusprechen? Oder …? Er ahnte, wie schnell aus dem warmen Lächeln ein kaltes Lachen werden konnte.
Als hätte jemand die Zügel gezogen, kam Tilo zum Stehen.

Was bisher geschah

Blogroman: 25 – Videospiel

Eigentlich hätte er seine Eltern wecken müssen. Aber sie mochten es nicht, wenn er ihren Schlaf störte. Sie verstanden es sowieso nicht, dass er oft lange vor dem Weckerklingeln aufstand. Und sie würden es außerdem noch früh genug erfahren.
Schon im Treppenhaus spürte er seine Aufregung. Er war nicht besonders mutig, wenn er sich im echten Leben bewegte. Und selten geschah es, dass ihn etwas vom Computerspiel ablenkte. Doch diesmal war er bei einem der seltenen Seitenblicke aus dem Fenster am Geschehen vor dem Haus hängengeblieben.
Zunächst hatte er nur einen Mann und eine Frau gesehen, die den Weg von dem alten Lagerhaus heruntergelaufen kamen. Das war zwar etwas seltsam, hätte ihn aber kaum von seinem morgendlichen Spiel abgehalten. Doch irgendetwas faszinierte ihn an den beiden. Er drückte die Pausentaste, damit er den Kampf gegen den fremden Magier und seine Untoten nicht verlor, stand auf und ging zum Fenster.
Die beiden waren jetzt schon um einiges näher gekommen. Sie schienen es eilig zu haben. Der Mann rieb sich die Handgelenke. Er wirkte unsicher und schaute sich ständig um. Vielleicht hatte er Angst? Ja, ganz sicher. Sie dagegen machte einen ganz anderen Eindruck. Cool irgendwie. Mutig. Und mit ihren roten Haaren schien sie im ersten Licht der Straßenlaternen fast zu leuchten.
Wie eine Agentin aus einem Videospiel. Tilo drückte sich fast die Nase platt, um die beiden nicht aus den Augen zu verlieren. Sie waren jetzt direkt vor seinem Haus. Die Frau schaute sich kurz um und lief dann direkt auf einen Audi zu. Papas Audi! Tilo hielt den Atem an, während er beobachtet, wie die Frau in den Wagen stieg.

Was bisher geschah