Geschmacksfrage an Pfingsten

Ach ja, Pfingsten … Einen schönen Rest davon wünsche ich euch noch.

Ich habe in den vergangenen Tagen im Wesentlichen zwischen Erkältungs- und Hustentee hin und her gewechselt. Und nun stellt sich mir die Geschmacksfrage: Darf man letzteren auch trinken, wenn man gesund ist?

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Muster und Anders

© Arno Bachert / pixelio.de

© Arno Bachert / pixelio.de

Moritz Muster war vor allem zweierlei: ein guter Polizist und ein guter Freund.

Ersteres war er nicht zuletzt aufgrund zweier Eigenschaften, die ihn seit jeher auszeichneten: seiner Wahrheitsliebe und seiner Abscheu vor denjenigen, deren Handlungen den Gesetzestexten widersprachen.

Seine Freundschaft konnte sich sichern, wer mit vorgenannten Eigenschaften nicht kollidierte. Und obgleich sich ihr jeder, der sie sich auf ehrliche und rechte Art erworben hatte, absolut sicher sein und fortan einen Freund sein eigen nennen konnte, wie ihn sich die meisten Menschen wünschten, galt das in besonderem Maße für Andreas Anders.

Moritz und Andreas kannten sich seit frühen Jugendtagen und hatten seitdem viele gemeinsame Stunden genossen, gegenseitig auf einige Erfolge angestoßen und sich in mancher Krise beigestanden. Noch immer waren die Anders’ wie eine Familie für Moritz, die ihm jene ersetzte, die er selbst sich nie aufbauen konnte. Denn leider sind es im Leben nicht die ehrlichen und rechtschaffenen Männer, die sich wie von selbst der Aufmerksamkeit der Damen erfreuen, besonders dann nicht, wenn sie Polizisten sind.

Wer ihn nicht kannte, konnte Moritz verdächtigen, nur darum die Nähe zu Andreas Anders zu suchen, weil dieser inzwischen ein beträchtliches Vermögen sein eigen nannte, mit dem er bei seinem Freund nicht geizte. Aber es bedurfte nicht viel, zu erkennen, wie absurd ein solcher Vorwurf war. Der Polizist konnte mit seinem kleinen Gehalt leben und hätte es ohne nachzudenken noch geteilt, wäre es dem anderen schlechter ergangen, dessen Freigiebigkeit ihn stets aufs Neue peinlich berührte.

Im Großen und Ganzen war Moritz Muster ein zufriedener Mann, was sich anlässlich eines steten Lächelns auch in seinem Gesicht ablesen ließ. Bis zu dem Tag, an dem die Freunde wie schon so oft einen gemütlichen Abend im Hause der Anders’ verbrachten. Möglicherweise aus einer Laune heraus, die dem bereits mehrfach geleerten Weinglas entsprungen war, legte Andreas vor dem Freunde eine Beichte ab. Es sei unrecht, würde der beste Kamerad, den er je gehabt habe, nicht darum wissen, dass sein durchaus hart erarbeitetes Vermögen zum Hauptteil auf illegalen Geschäften beruhe.

Moritz verließ das Haus des Freundes und wusste nicht, wie er es je wieder betreten solle. Am anderen Morgen traute er sich nicht, zur Arbeit zu gehen. Den ganzen Tag streunte er durch die Straßen und fand keine Lösung für sein Dilemma. Am Abend betrat er eine Kneipe, in der er nie zuvor gewesen war. Wer ihn beim Hereinkommen beobachtete, war erstaunt, welche Entschlossenheit in seinem Blick lag. Vielleicht trank er zu viel, vielleicht gerade genug. Er drehte sich plötzlich im Kreis und schoss mit seiner Dienstwaffe auf alles, was sich nicht bewegte. Als er allein im Raum war, setzte er sich zurück an den Tresen, die Waffe offen neben sich, lächelte und wartete auf die Kollegen, die ihn dorthin bringen sollten, wo er nach Recht und Gesetz hingehörte.

Der Traumwandler

Im Wolkenbett

Lev Leo gähnte. Er hatte etwas seltsames geträumt. Aber er konnte sich nicht mehr erinnern, was es gewesen war. Er öffnete die Augen und erhob sich langsam. Als er sich umschaute, wunderte er sich. Er befand sich nicht mehr auf dem kleinen Hügel, auf dem er eingeschlafen war. Stattdessen saß er nun neben einem großen Akazienbaum. Von seinem Rudel war nichts zu sehen. Er reckte sich, um so weit wie möglich schauen zu können – kein Löwe weit und breit. Außer ihm selbst natürlich.

Waren sie weitergezogen und hatten ihn vergessen? Aber warum sollten sie? Es war Regenzeit, das Gras in der Savanne leuchtete in kräftigem Grün und Tausende von Gnus und Zebras fanden reichlich zu fressen. Auch das Löwenrudel musste sich um die nächste Mahlzeit keine Sorgen machen. Es gab also keinen Grund, diesen Ort zu verlassen.

Vielleicht waren sie nur zum großen Fluss gezogen, um zu trinken. Lev wollte gleich nachschauen. Nur, wo war der Fluss? Von seinem Schlafhügel aus hätte Lev ihn leicht gefunden. Aber den Platz, an dem er aufgewacht war, kannte er nicht. Er würde sich durchfragen müssen.

Da sah er nicht weit entfernt Loxo Rüssel. Lev war ganz sicher, dass er es war, denn er hatte sich schon oft mit dem alten Elefanten unterhalten. Schnell lief er zu dem Dickhäuter hin. Der staunte nicht schlecht, als er Lev sah. „Was machst du denn hier auf der anderen Seite des großen Flusses?“
Jetzt war es an Lev, zu staunen. „Ich bin auf der anderen Seite des Flusses?“
Loxo wiegte bedächtig den Kopf und drehte seine großen Ohren nach vorn. „Ja, das bist du. Ich habe noch nie gehört, dass ein Löwe den Fluss überquert hat.“
„Aber das habe ich nicht“, antwortete Lev verwundert. „Als ich eingeschlafen bin, war ich noch auf der richtigen Seite.“
Loxo hob den Rüssel und schmunzelte. „Aha, du hast geschlafen. Hast du auch geträumt?“
„Ich glaube schon.“
Der alte Elefant wiegte den Kopf jetzt noch bedächtiger. „In Träumen kann man manchmal übers Wasser gehen. Dann träum dich mal zurück.“

Nachdenklich legte sich Lev wieder unter die Akazie. Wenn er sich wirklich hierher geträumt hatte, musste er jetzt nur wieder einschlafen. Aber das war kein Problem für ihn. Wie alle Löwen war er zu jeder Tages- und Nachtzeit für ein Nickerchen zu haben. Nur wollte er dieses Mal genau aufpassen, was er träumte.

Ein weißes Wolkenbett brachte ihn zu seinem Schlafhügel zurück. Noch bevor Lev die Augen öffnete, spürte er die raue Zunge von Mama Lea. „Genug geträumt!“, flüsterte sie ihm ins Ohr. „Wir wollen zum Fluss.“

Endstation

Klaus saß an seinem Tisch und starrte vor sich hin. Dieses Kaff war das Ende der Welt! Ein Kaff mit genau einer Ampel. Eine Ampel, die sicher kaum öfter als einmal am Tag auf Rot schaltete.

Er schaute auf die Uhr. Fast fünf Minuten lang. Bis die Zeiger anzeigten, dass nun sein Termin begann. Zum ersten Mal war er in seinem Job nicht pünktlich.

Ihm kamen die Tränen. Einige Sekunden wehrte er sich noch, dann ließ er den Kopf auf die Tischplatte sinken und schluchzte. Es kümmerte ihn nicht mehr, ob ihn jemand dabei beobachtete. Er fand keine Kraft, die Schleusen wieder zu schließen.

Jemand klopfte ihm sanft auf die Schulter. „Alles in Ordnung?“
Verwundert schaute er zu der jungen Frau auf. Aus seiner Sicht war sie noch ein Mädchen. Er wischte sich mit dem Handrücken über die Augen.
„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie weiter und Klaus bemerkte, dass er vergessen hatte, ihre erste Frage zu beantworten.
„Mir kann niemand mehr helfen.“
„Wollen Sie mir erzählen, was geschehen ist?“
Ja, er wollte. Obwohl er sich sicher war, dass sie ihm erst recht nicht helfen konnte. „Ich wurde beraubt. An der Ampel da vorn. Sie hielten mir eine Pistole an den Kopf und ich musste aussteigen. Dann zwangen sie mich, meine Brieftasche in den Wagen zu schmeißen und sind davongebraust. Mit meinem Auto!“
„Das ist ja schrecklich!“, rief das Mädchen aus. „Haben Sie schon die Polizei verständigt?“
Er nickte.
Sie setzte sich zu ihm, legte ihren Arm um seine Schulter. „Dann machen Sie sich keine Sorgen. Ganz bestimmt fasst man die Täter. Und falls nicht, sind Sie doch sicher versichert.“
Sie verstand nichts. „Darum geht es nicht. Ich schaffe meinen Termin nicht. Zum ersten Mal in meinem Leben kann sich mein Chef nicht auf mich verlassen. Und die Kunden auch nicht.“
Sie lachte. „Vergessen Sie mal die Arbeit. Sie leben noch, das ist das Wichtigste.“
Nun verstand er nicht. Wie konnte man so etwas Wichtiges wie die Arbeit vergessen?
Sie beugte sich zu ihm. „Sie sollten erst einmal einen kräftigen Schluck trinken! Ich gebe Ihnen einen aus. Was möchten Sie?“
Er wusste es nicht. Er hatte schon seit Jahren keinen Alkohol mehr getrunken. Er stand morgens auf und ging zur Arbeit. Oft nahm er sich abends Arbeit mit nach Hause. Und wenn alles getan war, ging er ins Bett. „Ein Bier“, sagte er leise.
Das Mädchen kam mit dem Bier, einer Flasche Schnaps und ein paar Freunden zurück an den Tisch. Sie alle taten so, als gehöre er zu ihnen, obwohl er doch viel älter war und sich noch viel älter fühlte. Doch mit der Zeit gefiel es ihm in der Runde. Und die Gedanken an seinen verpassten Termin ließen nach.

Als schließlich die Polizei seinen Wagen zurückbrachte, konnte er nicht mehr fahren. Und auch den Papierkram musste er verschieben. Das Mädchen bot ihm an, auf seiner Couch zu übernachten.

Am nächsten Morgen hatte Klaus einen Kater. Dennoch quälte er sich von der Couch und rief seinen Chef an. Und er lächelte, als er ihm sagte, er wolle kündigen.

Das Geschäft auf dem WC

Foto: happydancing

Foto: happydancing

Der größte Tank kann einen nicht davor bewahren: Manchmal muss man auf der Autobahn einfach eine Zwischenstation einlegen. Eben weil man mal muss. Und schon ist man in den Händen der Abzocker!

Die A 7. Auf der Rückfahrt von Frankfurt nach Rostock. Die Anzeige verspricht einen noch beruhigend vollen Tank. Doch je näher man Hamburg kommt, desto schleichender wird der Verkehr. Im Stau schließlich stirbt die Hoffnung, man könne der Blase befehlen, noch bis zum heimischen Klo durchzuhalten.

Endlich eine Raststätte! Vorbei an der Tankstelle zum gut gefüllten Parkplatz. Dann, schon auf dem Weg, noch einmal umkehren. Das Geld nicht vergessen! Schließlich soll die freundliche Klofrau nicht leer ausgehen. Nun gut, so naiv denkt vermutlich keiner mehr. Klofrauen, freundlich oder nicht, gehören ganz sicher zu einer aussterbenden Spezies. In ein paar Jahren weiß niemand mehr, was das überhaupt ist.

Geld nicht vergessen!

Aber das Geld braucht man natürlich trotzdem. Denn ist man erst einmal durch den Einkaufs- und Gastronomiebereich hindurch, sieht man, wie sich die Bedürftigen an gleich drei Schranken-Automaten drängen, die an die Vorrichtungen in den Frankfurter U-Bahnhöfen erinnern. „SANIFAIR“ lässt sich überall lesen. Fairness wird offenbar großgeschrieben, wenn auch die arbeitslosen Klofrauen davon wenig haben.

Dann der Schock! 70 Cent möchte der Wechselautomat haben, damit man in das SANIFAIR-Reich eintreten darf. An die 30 Cent kann man sich mit Mühe noch erinnern, über die 50 Cent meckert man kaum noch, aber 70 Cent?

Ausgeklügelte Gutschein-Politik

Doch dann die Erleichterung vor der Erleichterung. Man bekommt 50 Cent wieder zurück. In Form eines Gutscheins, den man in der Raststätte für Speisen, Getränke und im Shop einlösen kann. Nicht nur an dieser Raststätte, sondern bundesweit an allen, die am SANIFAIR-System teilnehmen. Für die eigentliche Toilettenbenutzung zahlt man demnach nur noch 20 Cent! Es ist also billiger geworden, auf Deutschlands Autobahnraststätten aufs Klo zu gehen.

Vorausgesetzt man hat Hunger, Durst oder will noch shoppen gehen. Man sollte also tunlichst den Proviant zu Hause lassen und sich den Kofferaum erst hier mit allem möglichen unnützen Zeugs vollknallen. Sonst weiß man ja nicht, wofür man seinen Toilettengutschein verwenden soll.

Pfeffer an der Kasse

Und man sollte bei den Preisen in der Raststätte ein Auge zudrücken, denn essen, trinken und einkaufen sind an so einem Ort höchst exklusiv. Selbst das Selbstbedienungsrestaurant scheint sich mit der Sternegastronomie messen zu wollen, anders lässt sich die ausgefallene Preisstruktur einfach nicht erklären. Innerstädtische Tankstellen sind sicher weit von Discountern entfernt, aber im Vergleich zu einem solchen Angebot kann man sie getrost als Schnäppchenmarkt bezeichnen.

Glücklicherweise hat man ja 50 Cent von oben. Oder genauer gesagt aus der Keramik. So kommt man also für einen kombinierten Toilettengang mit Bockwurst und Brötchen für ganz knapp unter drei Euro davon. Wer jetzt rechnet, wird entdecken, dass er dafür problemlos zweimal in die WC-Welt von SANIFAIR eindringen könnte, wenn er sich die Gutscheine an die Wand nagelt und stattdessen seine Bockwurst inklusive Brötchen beim heimischen Imbiss kauft.

Leistung kostet auch auf dem Klo

Das hat den Vorteil, dass man essen kann, wenn man Hunger hat, und nicht, wenn man muss. Im doppelten Wortsinn. Denn wer nicht regelmäßig auf Autobahnraststätten angewiesen ist, wird wohl kaum SANIFAIR-Gutscheine sammeln, um sie möglicherweise während einer anderen Fahrt einzusetzen. In dem Fall kostet der zwar sehr hygienische, aber auch nicht unglaublich luxeriöse Gang aufs Klo eben 70 Cent.

Tank & Rast begründen die Aufstockung des Preises mit „dem deutlich verbesserten Leistungsumfang von SANIFAIR“. Da fragt man sich doch, ob das Management damit rechnet, dass kaum jemand seinen Gutschein einlöst, oder ob die Kosten für den SANIFAIR-Unterhalt in der Bockwurst stecken. Ich würde die Klofrau fragen, aber die ist ja längst eingespart.