In der Wanne

In der Wanne

© silver-john

Ihre Hände an seinem Hals gleichen einem Schraubstock. Warum ist sie so stark? In seinen Ohren rauscht es. Der Wasserhahn! Es kann nicht mehr lange dauern, bis die Wanne überläuft. Aber bestimmt ist sowieso schon alles nass. Sie schüttelt ihn. Er schüttelt sie. Wann ist es zu Ende? In seinen Schläfen pocht es. Er kann nicht atmen. Das Wasser steigt. Er sollte sie abwehren, ihren mörderischen Griff von seiner Kehle lösen. Doch ließe er ihre Schultern los, wäre das das Ende. Er möchte etwas sagen. Mit ihr sprechen. Sie anschreien. Doch er kann nicht. Braucht alle Kraft. Ohnehin schluckt das Wasser alle Töne. Endlich! Der Druck an seinem Hals lässt nach. Er lächelt. Lässt nicht locker. Bekommt Oberwasser.

Erst als er ganz sicher ist, richtet er sich auf. Greift nach einem Handtuch. Sie liegt in der Wanne. Starrt ihn an. Ihr Haar schwimmt auf. Die Lippen, endlich nicht mehr zusammengepresst, verblassen. Er liebt es, wenn sich am Ende ihre Züge entspannen. Sie sich endlich in ihr Schicksal fügen. So auch sie. Keine bisher hat sich so gewehrt. Starkes Mädchen.

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Flüssige Redeweise

© Ichweißes

© Ichweißes

Dass das Badezimmer in meiner neuen Altbauwohnung mindestens eine Geschichte hatte, bemerkte ich spätestens, als ich in die Badewanne stieg, um mich zu duschen. Kaum hatte ich die Brause von der altertümlichen Gabel genommen und den nicht wesentlich moderneren Hebel betätigt, schoss mir ein Schwall derber Flüche über den Körper. Die von Rost durchsetzte Stimme machte prustend und speiend ihrem Ärger Luft, dass sie eben diesen angesetzt hatte. Der rotbraune Wasserstrahl zuckte wie ein von Krämpfen geschüttelter Greis und trieb mich aus der Wanne. Daraufhin wurde er ruhiger, spülte den letzten Rost hinfort und entschuldigte sich. Er bat mich zurück in das wortreiche Nass, wo er mir fortan die reinigenden Geschichten meiner Vorgänger erzählen wollte.

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Vielen Dank für die Bildvorlage von erinnye. Schickt mir auch eure Bilder.