Mc Pom Fritz: Tierische Überraschung

Erinnert ihr euch, dass ich Bianca eine Karte in den Briefkasten geworfen habe? Sie war doch in Rom, ne. Und für den Sonntag danach hatten wir uns verabredet. Eigentlich wollte sie mit mir nach Rostock fahren und in den Zoo gehen, hat sie gesagt, aber dafür war sie dann zu müde von der Reise. Wir sind also nur in die kleine Kneipe um die Ecke gegangen.

Im Zoo waren wir dann gestern. Also erst mal sind wir Biancas Freundin abholen gefahren. Die wohnt in Rostock. Ich war da ja noch nie. Also in Rostock. Und bei der Freundin auch nicht, die kannte ich ja gar nicht. Und die heißt Penny. Ist übrigens viel größer als Tessin. Also Rostock jetzt, ne. Tessin hat ja nicht mal einen Zoo. Aber Rostock. Und da sind wir dann hingefahren.

War am Anfang echt schön. Vor allem mit Bianca natürlich. Penny ist aber auch ganz nett. Wir haben viele Tiere angeguckt: Otter, Robben, Kamele, Wi…, Wis…, Büffel, Adler, Luchse, ja sogar Löwen. Und noch viele mehr. Mir haben die Löwen am besten gefallen. Bianca die Robben und Penny die kleinen, süßen Affen, die wir ganz zum Schluss angeschaut haben.

Vorher waren wir aber noch in einem Café und haben Eis gegessen, ne. Und da passierte es dann: Penny fragte Bianca nach Bernhard. Bianca wollte erst nicht darüber sprechen. Vielleicht wegen mir. Aber Penny meinte, sie wäre doch so neugierig. Ich hab mir erst nichts dabei gedacht. Aber dann haben Bianca und Penny sich doch über Bernhard unterhalten, ne.

Sie haben sich gestritten. Also nicht so richtig, denn sie haben dabei gelacht. Bianca hat gemeint, es wäre bestimmt Zufall gewesen, dass Bernhard auch in Rom Urlaub gemacht hätte. Penny meinte, dass sie das nicht glaubt. Er hätte doch gewusst, dass Bianca dort war. Das wäre ja auch egal, hat Bianca gesagt, jedenfalls würde er jetzt jeden Tag anrufen. Sie wäre aber noch nicht sicher, ob sie sich mit ihm treffen sollte. Penny hat natürlich gesagt, das soll sie unbedingt.

Erst hab ich mich gefreut, weil Bianca sich mit mir gleich getroffen hat. Dann hab ich aber überlegt, ob das wirklich so gut ist. Denn jetzt sah sie mich gar nicht an, als sie mit Penny über Bernhard geredet hat. Bernhard und Bianca. Wie blöd ist denn das?

Ich hab heute den ganzen Tag überlegt, was ich machen soll, ne. Soll ich Bianca fragen, was das mit Bernhard zu bedeuten hat? Was, wenn sie nachher nur noch mit ihm zum Einkaufen fährt? Was soll ich bloß tun? Kann mir denn keiner helfen?

Bis dann,

Euer Mc Pom Fritz

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Musik beim Schreiben?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum diese Frage so interessant sein soll, aber sie wird seltsamerweise immer wieder gestellt. Hiermit will ich sie umfassend beantworten:

Ja, ich höre Musik beim Schreiben. Nicht immer, aber immer öfter (wie originell!!!). Und auch jetzt im Moment. Gerade läuft auf meinem Netbook Global Deejays, was aber reiner Zufall ist. Schaue ich in die Playlist, die der Zufallsgenerator zusammengestellt hat, kommt als nächstes Emilíana Torrini und dann Culcha Candela. Es hätten aber auch Police oder Red Hot Chili Peppers sein können. Oder irgendetwas anderes.

Kurz, es ist mir fast egal, welche Musik läuft, nicht nur, aber auch beim Schreiben. Was auch immer es ist, es stört mich nicht beim Schreiben. Zumindest bilde ich mir das ein. Und es beflügelt mich auch nicht beim Schreiben. Zumindest bilde ich mir das ein. Und ich kann auch schreiben, wenn gar keine Musik zu hören ist. Zumindest bilde ich mir das ein.

Ich höre übrigens nicht nur beim Schreiben Musik. Auch beim Aufräumen. Oder beim Entspannen. Oder bei der Gartenarbeit. Oder wenn ich eine Rechnung schreibe. Oder eine bezahle. Oder aus anderen Gründen im Internet bin. Manchmal sogar beim Schlafen. Meist eher versehentlich. Heute war ich beim Einkaufen und stellte bei meiner Rückkehr fest, dass ich die ganze Zeit versehentlich Musik gehört habe. Obwohl ich sie natürlich nicht gehört habe. Also während ich unterwegs war.

Ich höre demnach sehr oft und viel Musik. Eigentlich fast immer. Außer wenn ich telefoniere und niemand am anderen Ende singt. Oder eine Warteschleifenmusik schleift. Und auch nicht beim Fernsehen. Es sei denn, ich sehe eine Musiksendung. Oder es läuft irgendeine Sendung mit Hintergrundmusik.

Wenn ich als DJ auflege höre ich übrigens in der Regel auch Musik. Aber das lässt sich wohl nicht vermeiden.

Verhandlungsgeschick

Foto: c.

Foto: c.

„Was soll das kosten?“, fragte ich und zeigte auf einen gelben Plüschaffen mit schwarzen Streifen.
„17,99 Euro“, lautete die knappe Antwort.
„Aha“, erwiderte ich dem Verkäufer, dem die Gier aus den knapp neben den Koteletten angetackerten Mundwinkeln tropfte. Ich schaute mich weiter uninspiriert in den spärlich besetzten Auslagen des Sammlerladens um, in dem mich so rein gar nichts interessierte, bis auf diese eine Sache.

Ich griff zu einer She-Man-Actionfigur, wog den 30-Zentimeter-Amazonen prüfend in der Hand und fragte: „Und der?“
„39,98.“

Ein harter Brocken, das spürte ich. Ich beschloss, dem Kerl noch ein bisschen auf den Zahn zu fühlen, stellte She-Man wieder ins Regal und erwähnte nebenbei: „Ist nicht für mich. Meine Freundin ist leidenschaftliche Sammlerin.“
Das war nicht einmal gelogen. Sah man davon ab, dass Regine erst noch meine Freundin werden sollte. Und hier in diesem ebenso unscheinbaren wie muffigen Geschäft für völlig Abgedrehte hatte ich durch puren Zufall den Schlüssel zu ihrem Herzen entdeckt.

Ich sah auf die Uhr. Noch eine viertel Stunde, bis ich in den Zug steigen musste. Mir blieb wenig Zeit für meine Verhandlungskünste.

Jetzt griff ich zu einem bengalischen Karate-Tiger. Das hässliche Ding war genauso gefärbt wie der Plüschaffe. Ich hielt dem Verkäufer das Kampfkätzchen vor die Nase.
„25,97“, sagte der Freak, der wahrscheinlich mit den Gewinnen aus diesem Basar der Verrücktheiten seine Computerspielsucht finanzierte.

Auch das Karate-Vieh durfte zurück an seinen Platz. Gelangweilt ließ ich meinen Blick schweifen, bis er in scheinbarer Überraschung an dem an exponierter Stelle neben der mittelalterlichen Kasse ausgestellten Schreiber-Sindling hängen blieb, der in einem mit Fantasyelementen dekorierten Karton mit Sichtfolie gefangen war.

Der kleine Kerl, der über seine gesamte Länge von etwa 3,48 cm mit wuscheligem Haar bedeckt war, aus dem an einer Stelle, an der man mit großzügiger Nachlässigkeit seine Hand vermuten konnte, eine weiße Schreibfeder herauslugte, wäre mir niemals aufgefallen, hätte ich nicht aus Regines sich immer wiederholenden schwärmerischen Beschreibungen genau gewusst, wie dieses überaus seltene Exemplar auszusehen hatte. Und es war das einzige Stück, das Regine in ihrer Sammlung noch fehlte.

Ihr ständiges und überaus nervtötendes Geschwafel über Sindling-Figuren hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Andernfalls wäre mir der diletantisch mit rotem Textmarker geschriebene Zettel hinter der gelblichen Scheibe des Schaufensters gar nicht aufgefallen: „Rarität! Schreiber-Sindling – heute reingekommen!“

Nun galt es! „Ist das nicht ein Schreiber-Sindling?“
„Richtig.“
„Das ist ja genau der, der meiner Freundin noch fehlt.“
„Das kann ich mir denken. Der fehlt so ziemlich jedem.“ Eine leichte, fast unmerkliche Aufwärtsbewegung des linken Mundwinkels bewies, dass mehr Leben in dem Mann steckte, als anfangs angenommen.
„Sicher wäre das ein großartiges Geschenk für sie“, fuhr ich fort. „Ich glaube, das kleine Püppchen nehme ich. Was soll es denn kosten?“ Die blasphemische Bezeichnung „Püppchen“ war wohl gesetzt. Nun wartete ich gespannt auf die Antwort. Mir war durchaus bewusst, dass schon die weniger exklusiven Vertreter der Sindling-Sammler-Reihe einen stolzen Preis ihr eigen nannten, der der Größe der Figuren in keiner Weise angemessen schien. Doch da sogar Regine es vermied, über die genauen Beträge Auskunft zu geben, war ich auf eine Überraschung gefasst.

„99,96.“
„Wie bitte?“ Der Schreck war keineswegs nur gespielt. „Das soll doch bloß ein kleines Geschenk werden.
„Das ist der Preis. Es ist eine Rarität.“
„Das mag sein.“ Ich rang mit meiner Fassung. „Aber so viel will ich nun doch nicht ausgeben. Auf Wiedersehen.“ Ich wandte mich zum Gehen.

„An wie viel hatten sie denn gedacht?“
Jetzt hatte ich ihn! „Allerhöchstens die Hälfte, was ich immer noch als sehr viel empfinde.“
„Auf keinen Fall. Es wird sowieso nicht lange dauern und ich bin dieses Goldstück los.“
„Goldstück, aha. Na, dann können Sie ja zufrieden sein.“ Wiederum strebte ich dem Ausgang zu.
„Ich könnte ihn Ihnen für neunzig geben.“

Ich spürte schon jetzt einen zuversichtlichen Triumph in mir aufsteigen, drehte mich um, tat aber keinen Schritt von der Ladentür weg. „Nein danke, bemühen Sie sich nicht. Ich habe gar nicht so viel Geld bei mir.“
„Wie viel haben Sie denn bei sich?“
„Siebzig. Und ich muss noch die Zugfahrkarte bezahlen.“ Ich hoffte, dass ich nicht schamesrot anlaufen würde. Aber ich schien kein schlechter Lügner zu sein.
„Haben Sie denn keine EC-Karte?“
„Kann man hier mit Karte zahlen?“, fragte ich verwundert und in Sorge, meine Strategie würde damit den Bach runtergehen.
„Für die Fahrkarte, meine ich.“
„Ach so.“ Ich war erleichtert. „Aber es sind trotzdem nur siebzig.“

Der Verkäufer schien beim Überlegen noch mehr ins Schwitzen zu kommen als ohnehin schon. Seine Mundwinkel zeigten sich nun beide als beweglich und sackten in den Keller. „Also gut, Sie bekommen ihn für siebzig. Sie sind wirklich gut. So ein schlechtes Geschäft habe ich noch nie gemacht.“

Missmutig packte der arme Mann den Karton in graues Butterbrotpapier, während ich ihm die Scheine auf den Tisch zählte. Als die letzte Banknote auf dem Verkaufstresen lag, bekam ich ein ungutes Gefühl. Ich schaute auf die Uhr. 9.20 Uhr. Ich hatte noch fünf Minuten. Aber irgendetwas stimmte nicht. Ich sah dem Mann zu, wie er eilig das Geld in die Kasse schob. Und langsam dämmerte es mir. Der Tag war noch jung. Wenn der Schreiber-Sindling so begehrt war, warum wartete der Kerl dann nicht einfach, bis der nächste Sammler den Weg in seinen Laden fand und den vollen Preis zahlte?

Ich schaute den Verkäufer an. Seine Mundwinkel hatten zurück zu den Koteletten gefunden. Mehr noch: Sie umrundeten an jeder Seite den Backenbart, um sich mit den haarigen Ohrläppchen des Freaks zu treffen.

Da wusste ich, dass es sicherlich unklug wäre, Regine nach dem wahren Wert des Sindlings zu fragen. Und dass eine ausgeklügelte Strategie immer noch durch eine bessere geschlagen werden kann.