
Lisa hatte kaum geschlafen. Dennoch lag sie schon wieder wach und schaute aus dem Fenster, wo sich die Nacht noch nicht vertreiben lassen wollte. Lächelnd schaute sie zu Lars. Er sah zufrieden aus, wie ein kleines Kind, das sich von den Eltern beschützt weiß. Und er hörte sich zufrieden an. Dabei klang sein Schnarchen in ihren Ohren eher niedlich als aufdringlich.
Das war sie also gewesen, die erste Nacht mit dem Mann, der sie endlich wieder aus der Einsamkeit gerissen hatte. Nach der Trennung von Tom, hatte sie lange geglaubt, keine neue Beziehung mehr eingehen zu können. Doch Lars belehrte sie jeden Tag, seit sie sich kennengelernt hatten, eines Besseren. Und mit jedem Tag füllte sich ihr Leben mit neuer Freude und die Hoffnung wuchs, es könne wieder eine Zukunft mit einem Mann an ihrer Seite geben.
Sie drehte sich zu Lars und streichelte sanft seinen kräftigen Nacken. „Morgen werde ich den letzten Gegenstand entsorgen, der mich an Tom erinnert“, flüsterte sie.
Es polterte an der Wohnungstür.
Wie mir meine Lektorin heute mitgeteilt hat, wird es ein paar Tage Verzögerung geben, bis „Die Magiera“ zur Bestellung freigegeben werden kann. Es liegt wohl am Cover, das noch nicht fertig ist (ich bin ja schon gespannt drauf).
Mit ein bisschen Daumendrücken und besten Genesungswünschen, sollte aber auch das bald fertig sein. Gute Besserung, also.

Peter war noch nie krank gewesen. Als er mir die Tür öffnete, war ich daher verwundert, wie kränklich er aussah. Sein entsetzter Ausdruck in den Augen, wunderte mich allerdings nicht. Es musste ein Schock für ihn sein, was ihm da widerfahren war.
„Was ist los?“, fragte ich ihn.
„Meine Nase läuft“, sagte er, als stünde er bereits mit beiden Beinen im Grab.
„Das sehe ich.“ Ich versuchte den Blick von seinem Gesicht abzuwenden, aber die Faszination besiegte den Ekel und ich schaute doch wieder hin.
„Das ist mir noch nie passiert!“ Peter sah mich an, als könne nur ich noch verhindern, dass jemand das Grab zuschaufelte.
„Bleib ganz ruhig“, sagte ich und drängte in die Wohnung hinein. „Erst mal machen wir die Tür zu.“ Ich schloss die Tür, um Schlimmeres zu verhindern. Dann schob ich Peter vor mir her in sein Wohnzimmer zu seiner Couch, die noch immer aussah wie gerade erst geliefert. „Setz dich!“, befahl ich.
Er folgte mit hängenden Schultern, ließ sich kraftlos auf das rote Polstermöbel fallen. Ich setzte mich neben ihn, wühlte in meiner Jackentasche, zog eine Packung Taschentücher hervor und reichte ihm eines. Er sah mich zunächst verständnislos an, doch noch bevor ich ihm eine Erklärung liefern konnte, nickte er verstehend, nahm das Taschentuch und wischte sich die Tränen aus den Augen und von der Wange.
Ich lächelte zufrieden. „So, dann erzähl mal.“
„Ich saß am Küchentisch und trank einen heißen Kaffee.“
„Lauwarm“, berichtigte ich.
„Nein, er war heiß. Als Sybille mich gestern verlassen hat, ist so oft das Wort ,Warmduscher‘ gefallen, dass ich dachte, es sei an der Zeit, etwas zu ändern.“
„Aha“, sagte ich. „Und da dachtest du, der Kaffee wäre ein guter Anfang.“
„Genau. Ich konnte nur nippen, denn der Kaffee kam direkt aus der Maschine. Der heiße Dampf stieg mir in die Nase und plötzlich begann sie zu jucken.“
„Das ist normal.“
„Mag sein. Aber sie juckte immer mehr. Ich stellte die Tasse ab und kratze mich – da fiel sie ab!“
„Einfach so?“ Ich fasste mir an die eigene Nase.
„Einfach so. Von einem Moment auf den anderen saß sie auf dem Rand meiner Kaffeetasse. Dann sprang sie auf den Tisch, von dort auf den Boden, und lief davon.“
„Hast du gesehen, wo sie hingelaufen ist?“ Ich wollte mich von seiner Verzweiflung nicht anstecken lassen.
„Erst lief sie hierhin, dann dorthin. Zuletzt habe ich sie auf dem Flügel im Musikzimmer gesehen. Ich habe es abgeschlossen.“
„Gut. Dann lass uns mal auf Nasenjagd gehen.“
Es war einfacher, als ich gedacht hätte. Die Nase war auf dem Flügel zur Ruhe gekommen und schnarchte. Es war kein schöner Anblick. Überall diese Schleimhäute! Aber ich konzentrierte mich nur auf Peters Nase, schlich mich an, packte sie und übergab sie ihrem Besitzer.
Peter war glücklich. Er ging ins Bad und putzte seine Nase ausgiebig. Sie glänzte richtig. „Was mach ich jetzt?“, fragte er mich.
„Du solltest damit zum Arzt gehen.“
Peter schaute mich entgeistert an. „Ich war noch nie beim Arzt. Ich weiß gar nicht, wie ich gehen muss.“
Mit einem Lächeln antwortete ich: „Immer der Nase nach.“
Peter war noch nie krank gewesen. Als er mir die Tür öffnete, war ich daher verwundert, wie kränklich er aussah. Sein entsetzter Ausdruck in den Augen, wunderte mich allerdings nicht. Es musste ein Schock für ihn sein, was ihm da widerfahren war.
„Was ist los?“, fragte ich ihn.
„Meine Nase läuft“, sagte er, als stünde er bereits mit beiden Beinen im Grab.
„Das sehe ich.“ Ich versuchte den Blick von seinem Gesicht abzuwenden, aber die Faszination besiegte den Ekel und ich schaute doch wieder hin.
„Das ist mir noch nie passiert!“ Peter sah mich an, als könne nur ich noch verhindern, dass jemand das Grab zuschaufelte.
„Bleib ganz ruhig“, sagte ich und drängte in die Wohnung hinein. „Erst mal machen wir die Tür zu.“ Ich schloss die Tür, um Schlimmeres zu verhindern. Dann schob ich Peter vor mir her in sein Wohnzimmer zu seiner Couch, die noch immer aussah wie gerade erst geliefert. „Setz dich!“, befahl ich.
Er folgte mit hängenden Schultern, ließ sich kraftlos auf das rote Polstermöbel fallen. Ich setzte mich neben ihn, wühlte in meiner Jackentasche, zog eine Packung Taschentücher hervor und reichte ihm eines. Er sah mich zunächst verständnislos an, doch noch bevor ich ihm eine Erklärung liefern konnte, nickte er verstehend, nahm das Taschentuch und wischte sich die Tränen aus den Augen und von der Wange.
Ich lächelte zufrieden. „So, dann erzähl mal.“
„Ich saß am Küchentisch und trank einen heißen Kaffee.“
„Lauwarm“, berichtigte ich.
„Nein, er war heiß. Als Sybille mich gestern verlassen hat, ist so oft das Wort ,Warmduscher‘ gefallen, dass ich dachte, es sei an der Zeit, etwas zu ändern.“
„Aha“, sagte ich. „Und da dachtest du, der Kaffee wäre ein guter Anfang.“
„Genau. Ich konnte nur nippen, denn der Kaffee kam direkt aus der Maschine. Der heiße Dampf stieg mir in die Nase und plötzlich begann sie zu jucken.“
„Das ist normal.“
„Mag sein. Aber sie juckte immer mehr. Ich stellte die Tasse ab und kratze mich – da fiel sie ab!“
„Einfach so?“ Ich fasste mir an die eigene Nase.
„Einfach so. Von einem Moment auf den anderen saß sie auf dem Rand meiner Kaffeetasse. Dann sprang sie auf den Tisch, von dort auf den Boden, und lief davon.“
„Hast du gesehen, wo sie hingelaufen ist?“ Ich wollte mich von seiner Verzweiflung nicht anstecken lassen.
„Erst lief sie hierhin, dann dorthin. Zuletzt habe ich sie auf dem Flügel im Musikzimmer gesehen. Ich habe es abgeschlossen.“
„Gut. Dann lass uns mal auf Nasenjagd gehen.“
Es war einfacher, als ich gedacht hätte. Die Nase war auf dem Flügel zur Ruhe gekommen und schnarchte. Es war kein schöner Anblick. Überall diese Schleimhäute! Aber ich konzentrierte mich nur auf Peters Nase, schlich mich an, packte sie und übergab sie ihrem Besitzer.
Peter war glücklich. Er ging ins Bad und putzte seine Nase ausgiebig. Sie glänzte richtig. „Was mach ich jetzt?“, fragte er mich.
„Du solltest damit zum Arzt gehen.“
Peter schaute mich entgeistert an. „Ich war noch nie beim Arzt. Ich weiß gar nicht, wie ich gehen muss.“
Mit einem Lächeln antwortete ich: „Immer der Nase nach.“
Sie hielt sich an keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Tom schielte zu Mona, fragte sich, warum ihn diese Frau derart einschüchterte. Fast noch mehr, als es Boss getan hatte.
Er war ein ganzer Kerl. Den Beinamen Terminator hatten ihm seine Kollegen ja schließlich nicht umsonst gegeben. Er war ziemlich durchtrainiert und brachte trotzdem sicherlich an Gewicht mehr als das Doppelte seiner Befreierin auf die Waage. Dass er sich kaum traute, sie anzusprechen, war eigentlich albern. Er gab sich einen Ruck. „Wissen Sie, was es mit diesem Art… Arti… Artefarkt auf sich hat?“
„Artefakt. Es ist besser, wenn Sie so wenig wie möglich darüber wissen.“
Sie hatte ihn nicht einmal angeschaut. Er dagegen hätte am liebsten jeden Zentimeter von ihr genauer in Augenschein genommen. Noch einmal raffte er sich auf. „Und wer ist Boss?“
„Für sie gilt das Gleiche wie für das Artefakt.“
„Warum wollten Sie mich dann unbedingt mitnehmen, wenn Sie mir nichts erzählen.“ Für einen Moment kam ihm die absurde Antwort in den Sinn: „Weil Sie mir so gut gefallen.“
„Möglicherweise brauche ich Sie noch. Wenn ich das Artefakt habe, trennen sich unsere Wege. Und Sie sollten mich schnellstens vergessen!“
Seltsamerweise fühlte es sich an wie ein Korb. Der Verdacht stieg in ihm hoch, dass er sich um ganz andere Dinge sorgen sollte. Um Lisa zum Beispiel.
„Sagen Sie mal, träumen Sie? Wo lang?“
Der schneidende Tonfall in Monas Stimme brachte ihn dazu, sich kerzengerade hinzusetzen. Er blickte sich um. „Links. Nach links. Wir sind gleich da.“
Die Frau verwirrte ihn. Nicht viel weniger als es Boss getan hatte. Konnte er ihr vertrauen? Und musste er es überhaupt? Durfte man einer Frau vertrauen, die sich gerade an einem fremden Auto zu schaffen machte?
„Also, wo wohnt ihre Ex?“ Sie hatte die Tür geöffnet. Wenige Sekunden waren verstrichen. Schon saß sie auf dem Fahrersitz und entriegelte auch die Beifahrertür.
Tom blieb bei der Fahrertür stehen, trat von einem Fuß auf den anderen und rieb sich die Handgelenke, in denen noch der Schmerz der Fesseln gespeichert war. Er beobachtete, wie sich seine Befreierin nach vorn beugte, eine Klappe unter dem Armaturenbrett öffnete und in den Drähten wühlte. „Warum wollen Sie das wissen?“
Ihre Stimme klang etwas gedämpft unter dem Sportlenkrad des Audis hervor: „Weil die Frau in großer Gefahr schwebt. Wenn wir ihr noch helfen wollen, sollten wir uns beeilen.“
Das klang nicht nur logisch, es entsprach auch dem, was er längst befürchtet hatte. Dennoch blieb er stehen. „Wer sind Sie eigentlich?“
„Mona. Das muss reichen.“ Ihre Stimme war noch immer gedämpft. Dennoch hörte er deutlich den genervten Unterton. Der Motor sprang an und Monas roter Haarschopf tauchte wieder auf. Noch einmal deutete sie auf den freien Platz neben sich, ärgerlich, mit einem Funkeln in den grünen Augen.
„Haben Sie Piet getötet?“
„Sollte ich mit ihm ein Kaffekränzchen abhalten?“ Ihr Blick fing Toms unruhig wandernden Augen ein und hielt sie fest. Ganz langsam sagte sie: „Ich stehe nicht sonderlich auf langwierige Diskussionen!“
„Rote Gasse 5.“
Ab sofort twittere ich auch Geschichten von mir. Unter https://twitter.com/BPshorties werde ich alte und neue Stories satzweise veröffentlichen.
Das fordert vom Leser sicherlich einiges an Geduld, erhöht aber, so hoffe ich wenigstens, auch die Spannung. Viel Spaß!